35 Jahre Mazda MX-3 und MX-6 (1991): Die vergessenen Japan-Coupés
Sie stehen im Schatten prominenter Japan-Klassiker – beide bieten 1990er-Charme und interessante Technologien
Die 90er-Jahre waren eine experimentelle Zeit für japanische Autobauer. Im Frühjahr 1984 hatte Kenichi Yamamoto als neuer Mazda-Präsident das "Off-Line Go-Go"-Programm beschlossen – Projekte brauchten hier eine 55-prozentige Chance auf Realisierung, um weitergeführt zu werden. Auf dieser Basis entstanden Autos wie der legendäre MX-5, aber auch zwei Coupés, die 1991 auf den Markt kamen und heute fast vergessen sind.
Während Mazda RX-7, RX-8 und MX-5 bei Liebhabern und in der Szene gefeiert werden, scheinen der MX-3 und der MX-6 ein Schattendasein zu fristen. Sie haben halt weder Wankel noch ein Dach zum Öffnen. Beide bedienten sich bei Großserientechnik, verpackten diese aber in eigenständige Karosserien und brachten technische Finessen mit, die damals alles andere als Standard waren. Und beide werden in diesem Jahr 35 Jahre alt.
Bildergalerie: 35 Jahre Mazda MX-3 und MX-6
Sein Weltdebüt feierte der MX-3 im März 1991 auf dem Genfer Automobilsalon – eine bewusste Entscheidung, um das Auto als Alternative zu europäischen Kompaktsportlern zu positionieren.
Mit einer Länge von nur 4,22 Metern und runden, organischen Formen ritt der 2+2-Sitzer voll auf der Welle des damals angesagten Biodesigns. Am Heck fand sich eine markante, gläserne Klappe, die stark an den Porsche 924 erinnerte und unter der immerhin 289 Liter Gepäck Platz fanden.
Mini-V6 im Leichtgewicht
Unter dem Blech steckte die Frontantriebs-Plattform des Mazda 323. Das eigentliche Highlight fand sich jedoch im Motorraum: Neben einem 1,6-Liter-Vierzylinder mit 65 kW (88 PS) pflanzte Mazda dem Coupé einen Sechszylinder ein. Dieser 1,8-Liter-V6 holte aus exakt 1.845 Kubikzentimetern Hubraum 98 kW (133 PS) und 157 Nm Drehmoment und galt damals als kleinster in Serie gebauter V6 der Welt.
Der Motor mit Aluminiumblock und zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderreihe war nicht auf brachiale Leistung, sondern auf absolute Laufkultur ausgelegt. Der Sprint auf 100 km/h gelang in ansehnlichen 8,5 Sekunden.
Gleichzeitig war der Motor für die damalige Zeit recht sparsam: Bei konstanten 90 km/h genehmigte sich der V6 laut Hersteller nur 7,1 Liter auf 100 Kilometer. Das lag auch am geringen Leergewicht, das je nach Ausstattung bei schlanken 1.030 bis 1.115 Kilogramm lag.
Nach einem Facelift 1994, bei dem unter anderem das Armaturenbrett erneuert und die Leistung des V6 auf 129 PS reduziert wurde, endete die Produktion 1998. Rund 20.000 MX-3 fanden in Deutschland einen Käufer.
Mittelklasse mit Allradlenkung
Wer es etwas größer und eleganter brauchte, konnte ab Herbst 1991 zum Mazda MX-6 greifen. Mit 4,62 Metern Länge positionierte sich der Zweitürer als klassischer Gran Turismo in der gehobenen Mittelklasse. Die technische Basis lieferte hier das Frontantriebs-Layout des Mazda 626.
Antriebsseitig standen in Deutschland ein 2,0-Liter-Vierzylinder mit 85 kW (115 PS) sowie ein 2,5-Liter-V6 mit 121 kW (165 PS) zur Wahl. Letzterer fiel, genau wie der kleine Bruder im MX-3, durch einen besonders weichen und leisen Motorlauf auf.
Das technische Alleinstellungsmerkmal des MX-6 gab es allerdings nur gegen Aufpreis. Für den V6 war optional eine elektronisch geregelte Allradlenkung (4WS) erhältlich. Das System verkleinerte nicht nur den Wendekreis, sondern sorgte vor allem für geringere Lastwechselreaktionen und ein ruhigeres Kurvenverhalten.
Ein Verkaufsschlager wurde das Mittelklasse-Coupé in Deutschland allerdings nicht: Bis zum Produktionsende 1997 entschieden sich hierzulande nur rund 2.700 Käufer für den MX-6. Wem es genügt, sich in die Ära der erschwinglichen Sportcoupés zurück zu beamen und einen Blick auf die beiden Japaner zu werfen, der sollte nach Augsburg reisen. In der Ausstellung von Mazda Classic im Automobil Museum Frey kann die 35-jährige Geschichte der beiden Modelle nachvollzogen werden.
Wer die beiden Mazda-Geheimtipps lieber auf der Straße erleben will, muss Geduld mitbringen. Der Markt in Deutschland ist überschaubar. Fahrbereite MX-3 mit TÜV starten etwa bei 2.500 Euro. Beim MX-6 wird es leider noch schwieriger. Wenn Sie einen finden, rechnen Sie je nach Zustand mit 5.000 bis 12.000 Euro. In der Größe ist es hierzulande einfacher, sich mit einem Opel Calibra, Peugeot 406 Coupé oder Ford Cougar anzufreunden.
Auch interessant
Das tut weh: Seltener Mazda 767B steht in Laguna Seca in Flammen
Brabus schleppt 1.000-PS-Bodo als Roadster nach Pebble Beach
Mazda-Chef: Neuer MX-5 könnte auch als reines Elektroauto kommen
Hymer CrossOver und Xperience: Mehr Abenteuer auf Sprinter-Basis
Tatsächlicher Verbrauch: Mazda CX-80 2.5L PHEV (2026) im Test
BYD Seal U DM-i bleibt meistverkaufter Plug-in-Hybrid in Deutschland
Mazda MX-5 (2027): Sanftes Update und neues Sondermodell