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Für eine persönlichere Erfahrung

Volkswagen-Konzern: Aus für vier deutsche Werke bis 2034?

Betroffen sind die Fabriken in in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm

VW Fahrzeugwerk Zwickau
Bild von: Volkswagen

Der Volkswagen-Konzern steht vor einem historischen Umbau. Drastische Einsparungen und sogar Werkschließungen stehen schon seit Längerem im Raum. Jetzt wird es konkret: Wie der SPIEGEL aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, plant der Vorstand unter der Leitung von Konzernchef Oliver Blume einen drastischen Einschnitt in das deutsche Produktionsnetzwerk.

In den kommenden Jahren soll die Fertigung an vier traditionsreichen Standorten komplett auslaufen. Betroffen von den Plänen sind rund 40.000 Beschäftigte. Zudem steht ein massiver Abbau von 50.000 Stellen bis zum Jahr 2030 im Raum. Ein Sprecher des Aufsichtsrats sowie Vertreter der Arbeitnehmerseite wollten die Informationen auf Anfrage nicht kommentieren.

Letzter VW Passat aus dem Werk Emden (2024)

Im Volkswagen-Werk in Emden wurde bis 2024 der Passat gebaut

Bild von: Volkswagen

Mit diesem Schritt verschärft der Vorstand seinen Sparkurs noch einmal deutlich. Bislang sahen die internen Szenarien einen Auslauf der betroffenen Werke frühestens ab dem Jahr 2032 vor. Nun soll es bei den ersten Standorten deutlich schneller gehen.

Die betroffenen Werke im Überblick

Die Pläne des Vorstands sehen einen gestaffelten Ausstieg aus den deutschen Produktionsstätten vor:

Zwickau und Emden: An diesen beiden VW-Standorten soll die Autoproduktion bereits in fünf Jahren auslaufen, also 2031.
Hannover: Das dortige Nutzfahrzeugwerk soll im Jahr 2032 folgen.
Neckarsulm: Für das Audi-Werk ist das Ende der Produktion für 2034 vorgesehen.

Für die betroffenen deutschen Standorte müssten laut den Überlegungen neue Nutzungen gefunden werden. Im Gespräch ist unter anderem ein möglicher Verkauf an Rüstungsunternehmen.

Verlagerung nach Osteuropa und drastische Budgetkürzungen

Hinter den Schließungsplänen steckt eine fundamentale Strategieänderung: Die Modelle, die derzeit noch in Deutschland vom Band laufen, sollen künftig in kostengünstigeren Werken in Osteuropa gefertigt werden. Investitionen sollen gezielt in Standorte wie das VW-Werk in Bratislava oder die Audi-Fabrik im ungarischen Györ fließen.

Gleichzeitig will Konzernchef Blume die Investitionen im Zeitraum von 2027 bis 2031 massiv zusammenstreichen, von zuletzt 180 Milliarden auf nur noch 135 Milliarden Euro. Ziel des harten Kurses ist es, die schwache operative Rendite des Konzerns bis 2030 auf über neun Prozent zu steigern und damit im Vergleich zu aktuellen Werten mehr als zu verdreifachen.

Die Ursachen der Krise

Wie der SPIEGEL schreibt, verdient der Volkswagen-Konzern mit seinen Fahrzeugen immer weniger Geld. Im ersten Quartal 2026 brach die operative Rendite auf magere 3,3 Prozent ein – anvisiert ist eigentlich ein Korridor von 8 bis 10 Prozent. Der Konzern leidet unter mehreren parallelen Belastungsfaktoren:

Absatzeinbruch in China: Auf dem ehemals wichtigsten Markt verliert VW massiv an Boden gegen einheimische Konkurrenten wie BYD. Helfen sollen dort aktuell die Submarke Jetta und die Kooperation mit Xpeng, um die Entwicklung neuer Modelle für China zu beschleunigen.
Zölle in den USA: Die von Donald Trump verhängten Autozölle belasten den Wolfsburger Konzern mit geschätzten fünf Milliarden Euro pro Jahr.
Doppelbelastung bei der Entwicklung: Weil der Markt im Wandel ist, müssen die Konzernmarken, zu denen auch Audi und Porsche gehören, parallel hohe Summen in die Elektromobilität sowie in die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren stecken.

Blumes Manöver gegen den Einfluss des Landes Niedersachsen

Gegen das Vorhaben wird im Aufsichtsrat, der am Nachmittag in Wolfsburg zusammenkommt, erbitterter Widerstand erwartet. Das Kontrollgremium ist traditionell stark von der Arbeitnehmerseite um Betriebsratschefin Daniela Cavallo geprägt. Zudem hält das Land Niedersachsen 20 Prozent der Stimmrechte. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine grüne Stellvertreterin Julia Willie Hamburg hatten sich im Vorfeld bereits klar gegen Werksschließungen positioniert.

Um den Blockademöglichkeiten der Politik zu entgehen, enthält der Maßnahmenkatalog von Blume ein brisantes gesellschaftsrechtliches Manöver: Die Kernmarke VW soll aus dem Konzerngefüge herausgelöst und als gewöhnliche Tochtergesellschaft, analog zu Marken wie Audi oder Skoda, unter dem Dach der Holding aufgehängt werden.

Durch diese Umstrukturierung würde das historische VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen ein besonderes Vetorecht sichert, de facto ausgehebelt. Das gleiche Prinzip soll für die "Komponente" angewendet werden: Der interne Zulieferer mit Werken in Kassel, Braunschweig und Salzgitter würde ebenfalls als eigenständige Einheit aufgestellt. Das Land Niedersachsen hätte damit bei künftigen Schließungsentscheidungen deutlich weniger Mitspracherecht.

Machtkampf im Spitzengremium

Dass die Pläne des Vorstands eine schnelle Mehrheit finden, gilt als ausgeschlossen. Wie der SPIEGEL berichtet, wird eine Abstimmung am heutigen Tag nicht erwartet. Bereits am Morgen rang das Präsidium des Aufsichtsrats (in dem unter anderem Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch und IG-Metall-Chefin Christiane Benner sitzen) in stundenlangen Verhandlungen hart um den Wortlaut einer Beschlussfassung. Dass in diesem engen Führungskreis so emotional gestritten wird, gilt in Wolfsburg als Signal für eine ungewöhnlich harte und tiefgehende Auseinandersetzung über die Zukunft des Autogiganten.