Kurvenrausch am Timmelsjoch: Grundverschiedene Minis im Härtetest
Der kleinste und der größte Mini im direkten Vergleich: Ein persönlicher Roadtrip voller Kurven, Kehren und reichlich Adrenalin
Innsbruck, strahlender Sonnenschein und zwei Autos, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Vor mir stehen die beiden extremen Enden der Mini-Modellfamilie. Mein Plan für die nächsten zwei Tage lautet: den kleinen, flachen Kurvenräuber Cooper S Cabrio und das mächtige Performance-SUV Countryman JCW über dieselben grandiosen Alpenpässe jagen. Gibt schlimmere Aufgabenstellungen ...
Es geht über das Kühtai, das spektakuläre Timmelsjoch und den Jaufenpass hinab nach Südtirol und am nächsten Tag wieder zurück. Ein echter Härtetest für das Popometer und die ultimative Herausforderung für alles, was sich das Thema Fahrspaß auf die Fahnen geschrieben hat.
Suchtgefahr unter freiem Himmel
Tag eins startet im Mini Cooper S Cabrio im JCW-Trim. Mit wenig Gewicht, viel Leistung und kurzem Radstand sollte das auf diesem Geläuf eigentlich ein Selbstläufer sein. In Nanuq White mit schwarzen Sportstreifen sieht der Kleine schon im Stand verdammt giftig aus. Dach auf, Sonnenbrille auf die Nase und Motor an.
Bildergalerie: Mini Cooper S Cabrio (2026) im Test
Der Zweiliter-Vierzylinder erwacht mit einem dezenten, aber verheißungsvollen Brummen zum Leben. Vor mir windet sich die Straße hinauf zum Kühtai. Ich greife das Lenkrad, das mir mit seinem extrem dicken Kranz fast ein wenig zu wuchtig vorkommt, und gebe Gas.
Schon nach den ersten drei Kehren löst der Mini sein optisches Versprechen ein und ich bin voll im Element. Dieses Auto giert förmlich nach Kurven. Die Lenkung ist messerscharf und reagiert ohne jede Verzögerung auf den kleinsten Input.
Ich werfe das Cabrio in die Haarnadeln, und der Grip an der Vorderachse ist einfach unglaublich. Obwohl keine mechanische Quersperre verbaut ist, zieht sich der Wagen dank der extrem feinfühligen Elektronik regelrecht in die Kurve hinein. Das Heck bleibt dabei absolut stabil.
| Schnelle Daten | Mini Cooper Convertible S |
| Antrieb | 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner, Frontantrieb |
| Leistung | 204 PS (150 kW) bei 5.000 – 6.500 U/min |
| Drehmoment | 300 Nm bei 1.450 – 4.500 U/min |
| Getriebe | 7-Gang-Sport-Doppelkupplungsgetriebe (Steptronic) |
| Kraftstoffverbrauch (WLTP) | 6,9 l/100 km |
| Beschleunigung 0 bis 100 km/h | 6,9 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 237 km/h |
| Kofferraumvolumen | 160 bis 215 Liter (Verdeck offen / geschlossen) |
| Leergewicht (DIN/EU) | 1.380 kg / 1.455 kg |
Der Abstieg vom Timmelsjoch bietet jede Menge flüssige Kurven statt enger Kehren. Hier kann man das Cabrio wunderbar von Kurve zu Kurve surfen und dabei die unzähligen 911er Porsche schwindelig fahren, die zu folgen versuchen.
Das Fahrwerk ist dabei durchaus knochentrocken abgestimmt. Auf gutem Asphalt brennt der Mini ein wahres Feuerwerk an Agilität ab. Wird der Belag schlechter, teilt das Auto allerdings auch ordentlich aus. Querfugen und Frostaufbrüche auf dem Jauffenpass schütteln einen kräftig durch, und das Fahrzeug kommt mächtig in Bewegung, was dem sauberen Kurvenstrich nicht immer gut tut. Doch genau das macht den Reiz aus. Es ist ein ungefiltertes, ehrliches Fahrerlebnis. Ich spüre genau, was unter den Rädern passiert, und grinse dabei im Kreis.
Das Badewannen-Gefühl in den Bergen
Der Motor mit seinen 204 PS hängt im Go-Kart-Modus wunderbar gierig am Gas und schiebt ordentlich an. Die fast 100 Mehr-PS des John Cooper Work Cabrios sind tatsächlich gar nicht nötig, denn dieser Motor hier ist ein optimaler Kompromiss.
Nur das Getriebe verhält sich manchmal wie ein kleiner Spielverderber. Es hält die Gänge oftmals unnötog lange im hohen Bereich, anstatt geschmeidig hochzuschalten. Ich wechsle daher schnell in den manuellen Modus und nutze das Drehmoment von 300 Newtonmetern lieber selbst. Der Sound der Abgasanlage hallt von den Felswänden wider, und der Fahrtwind fegt mir um die Ohren.
Das Beste an diesem Auto ist das unschlagbare Cabrio-Feeling. Weil die Frontscheibe extrem steil und weit vorne steht, sitze ich gefühlt komplett im Freien. Bei vielen modernen Cabrios ragt der Scheibenrahmen weit über den Kopf, doch hier ist es fast wie in einer fahrenden Badewanne.
Ich installiere schnell noch das etwas klapprig wirkende, aber tadellos funktionierende Windschott, versenke alle Scheiben per Knopfdruck und genieße die Bergwelt mit allen Sinnen. Der Geruch von frischen Almwiesen mischt sich mit dem Duft von warmem Gummi.
Die Bedienung im Innenraum ist ein Thema für sich. Die bunten Anzeigemodi auf dem runden Zentraldisplay sind reine Spielerei und lenken mich eher ab. Das optionale Head-up-Display nervt mich sogar richtig. Es projiziert die Daten auf eine billig wirkende Plastikscheibe, die mir mitten im Sichtfeld steht. Ich schalte das Ding kurzerhand ab und schaue lieber auf den großen Mitteltacho. Der Platz vorne ist dank der clever gestalteten Mittelkonsole übrigens top, die Rückbank dagegen taugt nur als Gepäckablage.
Rollenwechsel: Der Koloss von Ratschings
Am nächsten Morgen steht der Rückweg an, und ich wechsle in den Mini John Cooper Works Countryman ALL4. Was für ein Kontrastprogramm. Nach dem intimen Cabrio-Cockpit fühle ich mich hier wie auf der Brücke eines Schlachtschiffs.
Bildergalerie: Mini Countryman John Cooper Works (2026) im Test
Mit fast 4,50 Meter Länge und einer enormen Breite ist dieser Mini ein echtes Trumm von einem Auto geworden. Ich sitze deutlich höher, blicke auf ein fast identisches Cockpit, merke aber sofort den massiven Raumgewinn nach allen Seiten.
Als ich mich wieder auf die Passstraße einfädele, spüre ich die schiere Breite des Countryman sofort. Auf den engen Abschnitten des Jaufenpasses muss ich bei Gegenverkehr höllisch aufpassen. Wo ich mit dem Cabrio einfach vorbeigehuscht bin, zirkle ich das SUV nun präzise am Abgrund entlang.
Doch der große Brocken überrascht mich trotzdem positiv. Trotz der hohen Karosserie liegt er dank des Sportfahrwerks extrem satt auf der Straße und baut kaum Seitenneigung auf.
Mit seinen 300 PS und Allradantrieb schiebt der Countryman brutal an. Die Traktion ist phänomenal. Beim Herausbeschleunigen aus den Kurven spüre ich richtig, wie die Kraft an die Hinterachse geleitet wird und das Heck sanft mitarbeitet. Das macht besonders in den schnellen, flüssigen Passagen des Timmelsjochs richtig Laune.
| Schnelle Daten | Mini JCW Countryman ALL4 |
| Antrieb | 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner (TwinPower Turbo), Allradantrieb |
| Leistung | 300 PS (221 kW) bei 5.750 – 6.500 U/min |
| Drehmoment | 400 Nm bei 2.000 – 4.500 U/min |
| Getriebe | 7-Gang-Steptronic-Doppelkupplungsgetriebe |
| Kraftstoffverbrauch (WLTP) | 8,0 l/100 km |
| Beschleunigung 0 bis 100 km/h | 5,4 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
| Kofferraumvolumen | 505 bis 1.530 Liter |
| Leergewicht (DIN/EU) | 1.660 kg / 1.735 kg |
In den ganz engen Kehren hingegen kann der Countryman sein Gewicht von über 1,7 Tonnen und den langen Radstand nicht verbergen. Da wirkt er im Vergleich zum Cabrio einfach schwerfälliger. Trotzdem gelang es mir, mit dem dicken Countryman dem von einer sehr talentierten Journalisten-Kollegin sportlich bewegten Cabrio vor mir halbwegs zu folgen, was aber in Schwerstarbeit ausartete, zumindest im direkten Vergleich.
Souveränität auf dicken Sohlen
Die Lenkung des Countryman ist dabei spürbar softer ausgelegt als im quirligen Cabrio. Sie bietet mir im Sportmodus zwar guten Widerstand, fühlt sich aber insgesamt etwas synthetischer an. Ein absolutes Highlight auf den langen Passabfahrten ist dagegen die Bremsanlage. Trotz des hohen Gewichts packen die Stopper unerbittlich zu. Kein Fading, kein weiches Pedal und kein unangenehmer Geruch. Diese Bremsen vermitteln mir bis ins Tal ein absolut sicheres Gefühl.
Das Siebengang-Getriebe neigt leider auch im JCW dazu, die Gänge manchmal zu lange zu halten. Aber mit den Schaltpaddels am Lenkrad macht das manuelle Durchreißen der Gänge ohnehin viel mehr Spaß. Der Countryman ist natürlich auch der weitaus praktischere Begleiter.
Der Kofferraum schluckt problemlos mein ganzes Equipment, und auf den Rücksitzen können Erwachsene tatsächlich entspannt reisen. Er ist ein extrem schnelles, sportliches Reiseauto, verliert dadurch aber etwas an emotionalem Mini-Charakter.
Beide Autos haben mir auf ihre Weise ein dickes Grinsen ins Gesicht gezaubert. Das Cabrio holt mich mit seiner unerbittlichen Direktheit und dem puren Open-Air-Gefühl emotional voll ab. Es ist der absolute Kurvenkönig für die Flucht aus dem Alltag und kommt dem ursprünglichen Mini-Feeling sehr sehr nahe, mit all den kleinen Schattenseiten.
Der Countryman JCW hingegen zeigt, wie viel Dynamik man in ein gepflegtes SUV packen kann - vor allem wenn er auf dem BMW X1 basiert. Er bügelt die Pässe mit schierer Kraft nieder, bleibt dabei aber immer der vernünftigere Allrounder. Dabei ist der Mini-Spirit auch hier deutlich zu spüren, obwohl der dicke Countryman dem Cabrio schon aus physikalischen Gründen natürlich unterlegen ist. Aber im Reigen der kompakten Sport-SUVs spielt er damit ganz vorn mit.
Billig ist der Spaß bei beiden nicht, aber Emotionen waren ja schon immer etwas teurer. Das Cooper S Cabrio startet bei 35.950 Euro. Den Countryman JCW bekommt man ab 54.220 Euro. Ohne Probleme kann man aber in beiden Fällen noch den einen oder anderen Tausender an Extras ausgeben ...
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