Aston Martin Valkyrie: Das ist der abgefahrenste Rückruf, den wir je gesehen haben
Das Hypercar soll Probleme mit der Bremsanlage bekommen – jedoch nur in sehr extremen Fahrsituationen
Aston Martin hat einen Rückruf für seinen Hypercar Valkyrie gestartet. Bei Modellen mit Track-Fahrwerk kann sich eine Dichtung in einem der Hauptbremszylinder verformen.
Der Rückruf betrifft sieben – ja genau, nur sieben – Valkyrie des Modelljahrs 2024. Verformt sich die Dichtung, kann das eine Kette von Problemen auslösen. Zunächst wird verhindert, dass die Bremsflüssigkeit nach dem Loslassen des Bremspedals in den Vorratsbehälter zurückfließt. In der Folge wird der Bremsdruck nicht abgebaut.
Aston Martin Valkyrie Supernova Red
Wenn sich genügend Flüssigkeit bis zu einem bestimmten Sättigungspunkt aufstaut, können die Bremsen an der Bremsscheibe schleifen. Sind die Scheibentemperaturen ohnehin bereits erhöht und wird das Auto sehr sportlich bewegt, können sich die Bremsscheiben so stark aufheizen, dass das Harz im Carbonfaser-Kühlkanal der hinteren Bremsen entzündet wird.
Sie merken schon, das Problem tritt nur in sehr extremen Situationen auf, wenn der Valkyrie auf eine sehr spezielle Art gefahren wird. Im öffentlichen Straßenverkehr wird das Hervorrufen so nicht möglich sein. Laut dem Rückrufbericht müssen die folgenden Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein, damit es zum Schleifen der Bremse kommt:
- Das Auto wird auf einer Rennstrecke bewegt.
- Das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) muss auf Sport, Track oder Off gestellt sein.
- Die Valkyrie befindet sich in einem Übersteuerschlupf oder Drift und hat die Grenzwerte für die Gierrate und den Schwimmwinkel überschritten.
- Der Fahrer lenkt so stark gegen das Übersteuern, dass das ESP eingreift, das vordere kurveninnere Rad abbremst und gleichzeitig an der vorderen kurvenäußeren Bremse Flüssigkeitsdruck aufbaut.
- Der Valkyrie muss mit sehr hoher Geschwindigkeit quer rutschen.
- Der Fahrer muss während oder unmittelbar vor dem Bremsen Gas geben, sodass das ESP am hinteren kurveninneren Rad eingreift.
- Am hinteren kurveninneren Rad baut sich Bremsdruck auf, um ein Durchdrehen zu verhindern.
- Anschließend muss der Fahrer das Bremspedal exakt in dem Moment kräftig betätigen, in dem sowohl die Vorder- als auch die Hinterradbremsen des Kreises durch ESP-Eingriffe bereits vorbefüllt wurden.
Wenn all dies zusammenkommt, baut sich durch das Bremsen des Fahrers und die ESP-Aktivierungen Bremsdruck auf – die Bremsen schleifen. Das geschieht ohne Vorwarnung, allerdings sollte der Fahrer das Problem über das Pedalgefühl wahrnehmen können.
Warum das im Straßenverkehr kaum passieren dürfte
Die Ursache liegt in der ursprünglichen Auslegung des Bremssystems des Valkyrie. Aston Martin hatte nie vorgesehen, dass die Bremsen mit ESP oder einer einstellbaren Traktionskontrolle arbeiten, daher ist das System nicht darauf ausgelegt, den Bremsflüssigkeitsdruck gleichzeitig über Pedal und ESP zu steuern.
Aston Martin wurde im November 2022 erstmals auf ein potenzielles Problem aufmerksam und begann umgehend zusammen mit dem Zulieferer Alcon, die Ursache des Fehlers zu ermitteln. Im Februar 2025 identifizierte der Hersteller die Grundursache und startete die Entwicklung einer Abhilfe, die einen Monat später fertig war.
Das neue Bauteil wurde ab September 2025 ausgerollt. Anfang 2026 wertete die unternehmenseigene Critical Concerns Review Group die Daten aus, um eine Empfehlung an Astons Rückrufkomitee abzugeben. Ende Mai entschied die Gruppe, einen freiwilligen Sicherheitsrückruf zu starten.
Aston Martin wird die betroffenen Besitzer anweisen, ihre Fahrzeuge zu einem Händler zu bringen. Dort ersetzt ein Servicetechniker den Hauptbremszylinder durch ein neues Bauteil, das für den Betrieb mit ESP und Traktionskontrolle ausgelegt ist. Die Reparatur dauert bis zu fünf Stunden.
Der Rückruf klingt insgesamt natürlich absurd, aber Aston Martin geht hier auf Nummer sicher. Abwegig ist es nicht, dass Valkyrie mit Track-Fahrwerk auch auf Rennstrecken bewegt werden. Insofern ist es sinnvoll, den Fehler bei den sieben betroffenen Fahrzeugen zu beheben.
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