Porsche warnt Mitarbeiter: Geschäftsmodell "funktioniert nicht mehr"
Der Gewinn sank im zweiten Quartal 2025 um 91 Prozent (Update)
Update vom 25. Juli 2025: Im Kerngeschäft mit Fahrzeugen – ohne Berücksichtigung von Finanzdienstleistungen – erwirtschaftete Porsche im ersten Halbjahr lediglich 154 Millionen Euro. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend.
Im Vorjahreszeitraum lag der Gewinn noch bei rund 1,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von knapp 91 Prozent. Der Markenumsatz sank um etwa 12,9 Prozent auf gut 8,3 Milliarden Euro. Die Zahlen stammen aus dem Halbjahresbericht des Volkswagen-Konzerns, der mehrheitlich an Porsche beteiligt ist.
Bildergalerie: Porsche Macan Turbo (2024) im Test
Zu sagen, dass Porsche schon bessere Zeiten erlebt hat, wäre eine ziemliche Untertreibung. Der weltweite Absatz fiel im letzten Jahr um drei Prozent. Und da waren Zölle noch kein Thema. Bei den Auslieferungen gab es bis Juni dieses Jahres einen weiteren Rückgang, sie fielen um sechs Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2024.
Allerdings scheint das Schlimmste noch nicht überstanden, denn zuletzt wurde entschieden, bis 2029 durch den Abbau von 1.900 Arbeitsplätzen Kosten zu senken.
Nun sorgt eine E-Mail von CEO Oliver Blume an die Belegschaft für weiteren Sprengstoff. Darin teilte er den Mitarbeitern mit, dass weitere Kostensenkungsmaßnahmen geplant sind, um auf den Rückgang der Verkäufe in China und die durch die Zölle der Trump-Administration ausgelösten höheren Ausgaben zu reagieren. In der von Bloomberg eingesehenen E-Mail gab der Porsche-Chef zu, dass das „Geschäftsmodell, das uns über viele Jahrzehnte gut gedient hat, in seiner jetzigen Form nicht mehr funktioniert.“
Blume beschönigte die Situation nicht: „All das trifft uns hart – härter als viele andere Autohersteller.“ Bis Ende des Jahres wird die Modellpalette des Unternehmens zwei benzinbetriebene Sportwagen verlieren, ein Elektro-SUV kommt neu dazu. Die letzten Boxster und Cayman der aktuellen Generation werden im Oktober vom Band laufen, wobei die elektrischen Nachfolger frühestens 2026 auf den Markt kommen. Der neue, vollelektrischer Cayenne wird in den kommenden Monaten vorgestellt.
Aktuell ist es sehr schwierig abzusehen, ob der E-Cayenne zum Erfolg wird oder nicht. Ein kleiner Hoffnungsschimmer könnte der anständige Start des elektrischen Macan sein. Zur Wahrheit gehört hier aber auch: der E-Macan ist noch weit weg von den Verkaufszahlen, die der Verbrenner-Macan in den letzten Jahren erzielte. Das absolute Sorgenkind derzeit ist aber das erste Elektroauto des Sportwagenherstellers: Die Taycan-Verkäufe stürzten 2024 um 49 Prozent ab und fielen in der ersten Hälfte von 2025 um weitere sechs Prozent.
Nordamerika bleibt Porsches größter Markt. Dort konnte das Unternehmen im letzten Jahr einen Anstieg der Auslieferungen um ein Prozent verzeichnen, gefolgt von einem Zuwachs von 10 Prozent im ersten Halbjahr 2025.
Ob sich der erfreuliche Trend in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt, ist allerdings fraglich. „Marktbedingungen“ haben gerade zu einer weiteren Runde von Preiserhöhungen geführt. Einige Modelle sind um bis zu 3,6 Prozent teurer geworden. 911-Käufer, die es gewohnt sind, hohe Preise zu bezahlen, wird das nicht unbedingt abschrecken. Potenzielle Kunden von volumenorientierten Produkten wie dem Macan und Cayenne aber womöglich schon.
Während Porsche sich in den USA vorerst behauptet, sieht man sich in China ernsthaften Herausforderungen gegenüber. Die Verkäufe brachen 2024 um 28 Prozent ein und fielen bis Juni um weitere 28 Prozent. Zuffenhausen macht „herausfordernde Marktbedingungen“ dafür verantwortlich, da heimische Marken weiterhin günstigere, technologisch ausgefeilte Elektroautos auf den Markt bringen.
Ob weitere Stellenstreichungen geplant sind, ist derzeit unklar. Die endgültige Einstellung der ersten Macan-Generation (außerhalb Europas ist das Auto ja aktuell noch zu haben) im Jahr 2026 wird den Trend aber sicher nicht umkehren. Es gibt Diskussionen um einen neuen Verbrenner-Crossover, der unterhalb des Cayenne positioniert werden soll. Doch selbst wenn dieses Auto grünes Licht bekommt, wird es nicht vor 2030 auf den Markt kommen.
Was das kommende XL-SUV mit drei Sitzreihen (bisher als "K1" gerüchtet) betrifft, wurde noch kein fester Startzeitpunkt bekannt gegeben. Schuld dürfte auch hier die Nachfrage nach E-Autos sein, die deutlich schwächer ist als erwartet.
Um die schleppenden Stromer-Verkäufe und das schrumpfende Verbrenner-Portfolio auszugleichen, zieht Porsche nun Verbrenner-Versionen von Modellen in Betracht, die ursprünglich ausschließlich elektrisch sein sollten. Das Ziel, bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent EVs am Gesamtabsatz zu erreichen, wurde offiziell aufgegeben. Blume gab zu, dass das Ziel „nicht mehr realistisch“ sei.
Quelle: Bloomberg
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