Ein neuer M1 war zu 95 Prozent fertig, bevor BMW ihn absägte
Der Hybrid-Sportwagen war "zu 95 Prozent fertig", aber man zog in letzter Minute den Stecker
Sie erinnern sich wahrscheinlich nicht mehr an das BMW Vision M Next Konzept aus dem Jahr 2019. Der schlanke Sportwagen sollte den i8 ablösen und eine neue Ära elektrifizierter Leistung für die Marke BMW M einläuten. Stattdessen wurde das Konzept in die Geschichtsbücher verbannt und erblickte nie das Licht der Welt.
"Das Visionsfahrzeug BMW Vision M NEXT gibt einen Ausblick auf das sportliche Fahren von morgen. Während der BMW Vision iNEXT gezeigt hat, wie das autonome Fahren das Leben an Bord verändern wird, zeigt der BMW Vision M NEXT, wie modernste Technologie auch das Selbstfahrerlebnis purer und emotionaler machen kann." sagte Adrian van Hooydonk, Leiter BMW Group Design, noch 2019.
Bildergalerie: BMW Vision M Next Concept
Die Verbannung ins Archiv wäre beinahe nicht der Fall gewesen. Es hätte nämlich auch anders kommen können.
In einem kürzlich von dem YouTuber Joe Achilles veröffentlichten Interview erklärt der BMW-Autor und Markenhistoriker Steve Saxty, wie es das Konzept des BMW Vision M Next - intern als i16 bezeichnet - beinahe zur Serienreife gebracht hätte. Saxty sagt, das Auto sei "zu 95 Prozent fertig" gewesen und das Design des Konzepts habe dem endgültigen Serienmodell sehr nahe gestanden.
"Alle Oberflächen sind ausgereift und nicht cartoonartig", so Saxty. "Und [BMW] hat unter der Oberfläche noch viel mehr getan; sie haben auch Karosserietechnik gemacht." Saxty selbst hat kürzlich Bücher herausgebracht, die als Standardwerk zum Thema BMW-Design gelten und beförderte in diesem Zusammenhang viele bis dato unbekannte Studien ans Tageslicht.
BMW hatte geplant, einen Vierzylinder-Plug-in-Hybrid-Antriebsstrang mit mehr als 600 PS in den i16 einzubauen. In der damaligen Pressemitteilung vom Juni 2019 hieß es:
"Das emotionale Exterieur-Design zeigt das fahrdynamische Potenzial des BMW Vision auf den ersten Blick und zitiert dabei Merkmale klassischer und moderner BMW Sportwagen: Inspiriert vom ikonischen BMW Turbo und dem innovativen Plug-in-Hybrid BMW i8 greift der BMW Vision M NEXT Designelemente wie die flache, keilförmige Silhouette, die Flügeltüren und das auffällige Farbkonzept auf und interpretiert sie zukunftsweisend.
BMW Sound Designer Renzo Vitale und BMW Vision M NEXT im Freifeldraum
Über die markanten Sportwagenproportionen zieht eine klare, reduzierte Flächensprache. Front- und Heckbereich sind in der matten Neonfarbe Thrilling Orange gehalten und zeichnen einen harten Kontrast zur seidenmatten Außenfarbe Cast Silver Metallic. Diese klare, farbliche Abgrenzung – "Colour Blocking" genannt – verleiht dem Visionsfahrzeug Modernität und betont die inhärente Dynamik des Fahrzeugs.
Der Power-PHEV-Antrieb des BMW Vision M NEXT ermöglicht wahlweise die Fahrt mit elektrischem Allradantrieb oder puristischem Hinterradantrieb – rein elektrisch oder von einem aufgeladenen Vier-Zylinder-Ottomotor beschleunigt. 441kW (600 PS) Systemleistung ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 300 km/h und beschleunigt den BMW Vision M NEXT in drei Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der sogenannte BOOST+ Modus ermöglicht zusätzliche Leistung auf Knopfdruck.
Die Reichweite im rein elektrischen Fahrbetrieb beträgt bis zu 100 km – in den meisten Fällen genug, um einen Großteil der Fahrten rein elektrisch zurückzulegen. Damit ist der BMW Vision M NEXT auch ein zukunftssicherer Sportwagen für Innenstädte mit potenziellen Null-Emissions-Zonen."
BMW setzte die Arbeit an dem Hybrid-Sportwagen während der COVID-19-Pandemie fort und plante seine Markteinführung für das Jahr 2022. Doch bevor er das Fließband erreichte, schaltete das Unternehmen einen Gang zurück (Wortspiel beabsichtigt) und gab stattdessen grünes Licht für ein anderes Fahrzeug: den XM.
"Sie mussten sich einfach entscheiden: 'Nehmen wir das oder XM?'", verriet Saxty.
Juni 2019: Der damalige BMW-Vorstand am Vision M NEXT
Der XM wurde als Nachfolger des BMW M1 vermarktet, als er für das Modelljahr 2022 auf den Markt kam. Grund: Er ist das erste komplett eigenständige Auto der M GmbH seit dem M1. Doch der Plug-in-Hybrid-Performance-SUV kam nicht gerade gut an. Die Verkäufe des XM sind in diesem Jahr um 30 Prozent zurückgegangen, und das Unternehmen erwägt bereits, die Produktion in den nächsten Jahren einzustellen.
Besteht also die Möglichkeit, dass wir in naher Zukunft einen echten M1-Nachfolger sehen werden? Das ist nicht völlig ausgeschlossen.
"Jeden Tag entwirft jemand bei BMW einen neuen M1", sagt Saxty. Bis dahin hat auch BMW sein mystisches Einhorn. So wie bei Mercedes der nie gebaute C 111 und bei Audi der nicht verwirklichte Quattro Spyder von 1991.
Quelle: Joe Achilles / YouTube via The Drive
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