Jedes Jahr im Sommer kommt es zu solchen Vorfällen: Ein Kind oder ein Hund wurden in der prallen Sonne bei Hitze im Auto gelassen. Temperaturen bis zu 60 Grad im Innenraum sind dann ohne weiteres und vor allem nach extrem kurzer Zeit möglich. Und das kann lebensbedrohlich werden. Darf man in einer solchen Situation dann einfach die Scheibe einschlagen? Die Juristen des ADAC klären auf ...

Der ADAC beginnt seinen Ratgeber damit, dass als erste Handlung zunächst an die Scheibe geklopft werden sollte. So lässt sich in der Regel feststellen ob aus dem Innenraum noch eine Reaktion erfolgt. Wenn das Tier oder der Mensch aktiv sind und sich normal bewegen, kann davon ausgegangen werden, dass möglicherweise die Klimaanlage aktiv ist. In manchen Autos gibt es zudem eine auch von außen ersichtliche Temperaturanzeige. Auch darüber lässt sich feststellen, ob das Klima im Innenraum erträglich ist.

Wirkt ein Kind im Auto aber apathisch oder hechelt der Hund extrem stark, sollte die Polizei unter 110 oder die Feuerwehr unter 112 gerufen werden. Während man auf die Einsatzkräfte wartet, müssen die Insassen weiter beobachtet und im Auge behalten werden. Die Lage kann sich nämlich schnell verschlechtert.

Verschärft sich die Situation, bevor die Einsatzkräfte eintreffen, bleibt meist nur die letzte Möglichkeit: sich durch Zerschlagen einer Fahrzeugscheibe Zugang zum Auto verschaffen. Egal ob günstiger Gebrauchtwagen oder teure Luxuslimousine ...

"Bevor man zur Tat schreitet, sollte man sich aber unbedingt Zeugen suchen", empfiehlt ADAC Clubjurist Klaus Heimgärtner. "Rein rechtlich gesehen handelt es sich dabei nämlich um eine Sachbeschädigung." Gedeckt ist das Handeln dann aber durch den "rechtfertigenden Notstand" (§ 34 des Strafgesetzbuches): "In einem Notfall mit akuter Gefahr für Leib und Leben führt eine rechtswidrige Tat nicht dazu, dass man dafür bestraft wird", so Heimgärtner.

Vor Haftungsansprüchen schützt der § 228 des Bürgerlichen Gesetzbuches: Die Zerstörung der Sache wird schließlich vorgenommen, um eine Gefahr abzuwenden. Tipp: Mit der Polizei oder der Feuerwehr besprechen und den Vorgang filmen. So ist man für eventuelle Streitigkeiten im Anschluss gewappnet.