Die Ingenieursleistung hinter Ihrem kühlen Kopf ist anspruchsvoller als man denken würde

Die Klimaanlage für ein Auto zu entwickeln mag wie eine relativ simple Aufgabe klingen. Bedenkt man, dass die Apparate seit 1933 in Fahrzeugen installiert werden, würde man erwarten, dass der Aufwand nicht viel größer ist, als - sagen wir - einen Sitz einzubauen.

Aber wie das Gestühl muss auch das Klima-System spezifisch auf das jeweilige Auto abgestimmt sein. Besonders bei einem High-Performance-Gerät wie einem Bugatti. Diese Aufgabe obliegt beim französischen Hypercar-Hersteller einer Frau namens Julie Lemke. Julie gewährt uns nun erstmals einen Einblick hinter die Kulissen dieses vermeintlich simplen Bauteils. Sie arbeitet seit 2013 in der Automobilindustrie und ist seit vier Jahren bei Bugatti.

Lemke erklärt, dass eine der größeren Herausforderungen beim Design einer Bugatti-Klimaanlage darin besteht, dass jeder Passagier seine eigene optimale Temperatur einstellen können soll. Daher setzt sie alles daran, dass die Anlage schnell und möglichst geräuschlos arbeitet. Wichtig ist, dass das System immer im Hintergrund operiert. Die Insassen sollen maximalen Komfort erleben und die Klimaanlage gar nicht bemerken.

Eine weitere wichtige Hürde ist die Geschwindigkeit. Bugattis, speziell Modelle wie Chiron, Divo oder Chiron Pur Sport, erreichen brutale Speeds. Das bringt andere Anforderungen an die Klimaanlage mit sich, als das bei gewöhnlichen Fahrzeugen der Fall ist. Das System verändert seine Arbeitsweise mit der Geschwindigkeit und selbst bei Tempi von mehr als 250 km/h gelangt nur Außenluft in die Kabine.

Dazu kommt, dass die Windschutzscheiben an Bugattis Fahrzeugen relativ flach sind. Ihre Neigung beträgt 21,5 Grad. Ein herkömmlicher Kompaktwagen erreicht hier einen Wert von um die 30 Grad. Die Folge: Der Innenraum wird stärker durch Sonnenlicht aufgeheizt. Umso mehr, wenn das optionale Sky View-Dach an Bord ist.

Um der Aufgabe gerecht zu werden, haben Bugattis Klimakompressoren eine Kapazität von 10 kW. Diese Leistung würde laut den Molsheimern ausreichen, um eine komplette 80-Quadratmeter-Wohnung herunter zu kühlen. 

Bildergalerie: Die Geschichte hinter Bugattis Klimaanlagen