Er soll gar keine Kopie des alten Defender sein

Der neue Land Rover Defender debütierte vergangenen September. Inzwischen hatten wir also genügend Zeit, uns mit dem noch immer kastigen, wenn auch deutlich geschliffeneren Design anzufreunden. Oder eben auch nicht. Natürlich sind gewisse Parallelen zum ikonischen Vorgänger gegeben, allerdings scheint es dem ein oder anderen Puristen übel aufzustoßen, dass der neue Defender nun auf einer neuen, selbsttragenden Karosseriestruktur aufbaut. Die Offroad-Maschine hat definitiv ihre Gegner und Land Rovers Designchef Gerry McGovern musste dazu wohl einiges loswerden, wie ein neues Interview mit Gear Patrol zeigt. 

Ist der Defender zu retro? Ist er nicht retro genug? McGovern äußert sich zu diversen Kritkpunkten in dieser Frage-und-Antwort-Session. Und er lässt ungewöhnlich tief in den Designprozess blicken, der hinter der Neuauflage der Legende steckte.

Alles begann mit der Entscheidung, den neuen Defender tatsächlich zu bauen, was laut McGovern nach dem LR1 Concept von 2016 der Fall war. Er hat eine ziemlich eindeutige Meinung, wenn es darum geht, sich zu sehr an altes Design anzulehnen.

"Ich denke, retrospektiv zu sein, ist der Kuss des Todes, ganz offen gesagt. Es ist ein heikles Unterfangen. Es vermittelt den Eindruck, dass du keine neuen Ideen für die Zukunft hast, weil du zu viel zurück schaust. Das soll nicht heißen, dass man seine Wurzeln nicht kennen soll, weil ich denke, dass Authentizität - gerade bei einer Premium-Marke - wichtig ist. Aber das darf sich nicht manifestieren in einem Produkt, in dem Sinn, dass das Produkt aussieht wie eine Reproduktion von etwas, das vor 60 Jahren entwickelt wurde. Für mich ist das kein ehrliches Design."

Bildergalerie: 2020 Land Rover Defender: Frankfurt 2019

Das erklärt, warum der Defender zwar schon die gewohnte, kastige Form hat, gleichzeitig aber viele neue Details zeigt und insgesamt geschliffener und moderner wirkt. McGovern sagt, der Defender sei keine Evolution des Originals, sondern ein neues Fahrzeug, das zwar von der Vergangenheit inspiriert ist, aber im Hier und Heute für sich alleine steht. 

Technisch ist er ohnehin anders als jeder andere Defender vor ihm. Abgesehen von seinem Aluminium-Monocoque-Chassis verfügt er erstmals auch über Einzelradaufhängung. Auch das hat zu Kritik bezüglich der Nehmerqualitäten und Geländefähigkeiten des Neuen geführt. 

Letztlich werden es die Besitzer des neuen Defender sein, die festlegen, ob er die hohen Erwartungen erfüllen kann. Der Marktstart erfolgt noch in diesem Jahr.