Das "Voiture Légère de Ville" entstand wegen der Treibstoff-Rationierung

Voller Stolz präsentierte die französische Presseabteilung von Peugeot auf der Fahrveranstaltung zum 508 Hybrid udn 3008 Hybrid4 einen waschechten Elektro-Oldtimer aus der Peugeot-Historie. Der Peugeot VLV, dessen Name für Voiture Légère de Ville (leichtes Stadtfahrzeug) steht, wurde von 1941 bis 1945 gebaut.

Der vergleichsweise vorsintflutliche Peugeot VLV sieht auf den ersten Blick aus wie ein Dreirad, doch es handelt sich um ein Fahrzeug mit vier Rädern, wie ein Blick unter den Wagen zeigt:

Peugeot VLV (1941)

Der VLV besaß einen elektrischen Heckantrieb: Der nur wenige PS starke Elektromotor saß hinten und trieb auch die beiden, eng beieinander stehenden Hinterräder an. Das Aggregat brachte 1,3 PS Dauerleistung, kurzzeitig waren 3,5 PS möglich. Damit klafften Dauerleistung und Peakleistung noch weiter auseinander als bei heutigen Elektroautos. Mit dieser Motorisierung schaffte das Fahrzeug immerhin bis zu 35 km/h.

Der Grund für den Elektroantrieb war politisch-ökonomischer Natur: Die Nazis hatten den Franzosen während der deutschen Besetzung kurzerhand den Sprit rationiert. Doch Strom gab es offenbar genug. Als Akku verwendete Peugeot im VLV einfach vier 12-Volt-Batterien. Das dürfte eine Spannung von 48 Volt ergeben haben. Die Reichweite betrug stattliche 80 Kilometer. Mit dem mitgelieferten Ladegerät ließ sich der Wagen an jeder Haushaltssteckdose aufladen.

Peugeot VLV (1941)

Der Wagen wog weniger als 350 Kilo. Das war nur möglich, weil die ganze Konstruktion auf einem Leichtbau-Konzept beruhte. Fahrtrichtungsanzeiger des gezeigten Fahrzeugs waren mechanische "Winker". Die Selbstmördertüren öffneten sich nach hinten, was das Einsteigen in das nur 1,27 Meter hohe Auto erleichtert haben dürfte. In den Türen gab es putige Schiebefenster, die einfach mit einem meschanischen "Schieberegler" bedient wurden. Der Wagen hatte nur einen Scheinwerfer.

Peugeot VLV (1941)

Der VLV war mit 2,67 Meter etwa so lang wie ein heutiger Smart Fortwo. Auch der Radstand von 1,79 Meter war ähnlich. Vorne lag die Spurbreite bei 1,05 Meter, hinten aber nur bei 34 Zentimeter. In Kurven musste man das Auto also vorsichtig behandeln.

Der VLV war die zeitgenössische Antwort von Peugeot auf die Härten der deutschen Besatzung. Der deutlich luxuriösere Peugeot 202, den es erst seit 1938 gab, musste schon 1940 eingestellt werden, auch wenn es sich eigentlich nur um einen 30 PS starken und 4,11 Meter langen Kleinwagen handelte. Der ähnlich aussehende, aber mit bis zu fünf Metern wesentlich größere  402 trat in der Mittelklasse an.Er bot bis zu 63 PS. Diesen Wagen gab es von 1935 bis 1942; etwa 75.000 Stück wurden gebaut.

Die Produktionszahlen des VLV waren wesentlich bescheidener: Gerade mal 377 Exemplare entstanden in den vier Jahren 1941 bis 1945. Eigentlich kein Wunder, schließlich war Krieg. Der VLV sollte aber nicht das letzte Elektroauto von Peugeot sein.

Schon 1984 wurde der Presse ein 205 Electrique vorgestellt -- sozusagen der erste direkte Vorläufer des e-208. Von 1995 bis 2005 produzierte PSA dann rund 10.000 Autos mit Elektroantrieb. Die Autos der Electrique-Serie basierten auf den Modellen 106 und Partner, aber es gab auch Elektro-Citroen auf Basis des Saxo und Elektro-Renaults auf Basis des Kangoo und Clio.

Anfang der 2010er-Jahre folgte der (noch heute angebotene) Peugeot iOn auf Basis des Mitsubishi Electric Vehicle (später i-MiEV). Und heute hat Peugeot mit dem e-208 und dem e-2008 zwei Elektromodelle im B-Segment auf dem Markt.

Bildergalerie: Peugeot VLV (1941) mit Elektroantrieb