Antriebsexperte Dr. Michael Winkler im Interview mit Motor1.com Deutschland

Als "Head of Powertrain" ist Dr. Michael Winkler im europäischen Entwicklungszentrum von Kia und Hyundai in Rüsselsheim für Antriebe aller Art verantwortlich. Viele Menschen fragen sich derzeit, wie es diesbezüglich weitergeht. Auf welches Pferd soll man setzen? Diesel? Elektroautos? Irgendetwas dazwischen? Wir haben uns mit Dr. Winkler auf dem Genfer Autosalon 2019 zu der Antriebszukunft bei Kia unterhalten.

Wie plant Kia, die CO2-Grenzwerte für 2021 (95 g) einzuhalten?

Dr. Winkler: "Das Thema CO2 ist sicherlich eine der Herausforderungen, die wir im Moment haben. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs ist ein wichtiger Baustein, den wir brauchen, um die Grenzwerte zu erfüllen. Elektrifizierung beginnt bei uns mit dem 48-Volt-Mildhybrid im Sportage und reicht über Hybrid und Plug-in-Hybrid bis zu rein elektrischen Fahrzeugen wie dem e-Niro und dem e-Soul. 2020 starten wir bei Kia zudem mit einem Brennstoffzellen-Fahrzeug."

Immer mehr Marken verabschieden sich vom Diesel: Wie sieht Kia die Zukunft des Diesels?

Dr. Winkler: "Sie haben schon das Thema CO2 angesprochen. Wenn wir uns das anschauen, macht es weiter Sinn, auf den Diesel zu setzen. Der Diesel ist inzwischen auch von unabhängigen Stellen nachgewiesen auf der Straße ein sauberes Fahrzeug. Das heißt, der Diesel ist ein wichtiger Baustein im Hinblick auf die CO2-Grenzwerte. Vielleicht wird in Zukunft der Diesel aus einigen Segmenten verschwinden. Wir sehen jetzt schon, dass das Angebot von Dieselmotoren bei kleineren Fahrzeugen eher abnimmt. Aber wenn wir uns das Thema SUVs angucken, etwa beim Sportage, so haben wir dort den Diesel kombiniert mit einem 48-Volt-Mildhybrid. Das ist eine Technologie, die absolut Sinn macht."

Hier in Genf wird der neue e-Soul gezeigt: Warum hat Kia zwei Elektroautos in einem ähnlichen Segment?

Dr. Winkler: "e-Soul und e-Niro sind relativ nah beieinander, aber sie sind nicht das gleiche Segment. Ich glaube schon, dass die Kunden beim Soul durchaus andere sind als beim Niro. Wir werden in Zukunft in den verschiedensten Segmenten batterieelektrische Fahrzeuge sehen."

Wie ist Ihre generelle Meinung zur Elektromobilität?

Dr. Winkler: "Dass ein Antriebsstrang in Zukunft elektrifiziert sein wird, davon bin ich fest überzeugt. Ohne Elektrifizierung werden wir das Thema CO2 sicherlich nicht darstellen können. Welche Form der Elektrifizierung sich in Zukunft durchsetzen wird, ist ein ganz schwieriges Thema. Heutige Vorhersagen zeigen ganz klar, dass das Thema 48-Volt-Mildhybrid eine der dominierenden Technologien bis 2025 sein wird. Das heißt, das Thema Rekuperation auf 48-Volt-Basis ist der erste Schritt der Elektrifizierung. Sie wird sich volumenmäßig durchsetzen. Im gleichen Atemzug werden aber auch Hochvolt-Plug-in-Hybride mit lokalem emissionsfreien Fahren von 50 Kilometer gemeinsam mit reinen Elektrofahrzeugen mehr Marktanteile gewinnen. Wie die Marktverteilung eines Tages genau aussehen wird, das ist heute schwierig vorauszusagen. Bis 2025 bringen wir noch weitere Elektroautos auf den Markt. Das Thema Elektrifizierung wird ein ganz dominanter Part unseres zukünftigen Antriebskonzepts sein."

Bildergalerie: Kia Elektro-Studie Genf 2019