Der Brilliance BS6 entpuppt sich als Schande der Sicherheitstechnik

Der chinesische Hersteller Brilliance ist angetreten, mit der Limousine BS6 den deutschen Automarkt zu erobern. Nachdem vor kurzem der erste Händler bekannt gegeben wurde, der auch Brilliance in seine Verkaufspalette mit aufgenommen hat, wurden angeblich schon einige Wagen verkauft. Die beiden ersten BS6 hat sich der ADAC gesichert, um sie gegen die Wand zu fahren. Das Ergebnis des Crashtests ist atemberaubend schlecht.

Vollkommen zermanscht
Der ADAC hat die für Euro NCAP notwendigen Normcrashs durchgeführt. Beim Frontcrash trifft das Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von 64 km/h mit 40 Prozent Überdeckung auf der Fahrerseite auf eine Barriere. Hier entpuppt sich die Sicherheitszelle des Brilliance als extrem weich. Sie verliert ihre Form, die Fahrertür verkeilt sich derart, dass sie sich nur noch unter Einsatz schweren Profi-Geräts öffnen lässt. Hier geht viel Zeit für Lebensrettungsmaßnahmen verloren. Der Überlebensraum wird auf ein Minimum zusammengeschnürt: Die Pedale wandern 32 Zentimeter Richtung Innenraum, das Armaturenbrett immerhin noch 20 Zentimeter. Da das Lenkrad zur Seite gerückt wird, hat der Fahrerkopf keine Chance, den Airbag zu erwischen. Er knallt hart auf das Armaturenbrett, der Airbag entfaltet sich vollkommen sinnlos. Da im BS6 keine Gurtkraftbegrenzer zum Einsatz kommen, treten zudem immense Belastungen im Brustbereich auf.

Gefahr von der Seite
Bei der Pressevorstellung des BS6 im November 2006 sprach der Geschäftsführer des Brilliance-Hauptimporteurs HSO Europa, Hans-Ulrich Sachs, von einer Zwei-Sterne-Chrashtest-Wertung. Einer dieser Sterne musste wieder aberkannt werden. Beim Seitencrash waren die Belastungen für die Insassen so stark, dass ein Überleben der Personen höchst unwahrscheinlich ist.

Geld fürs Überleben
Der Brilliance BS6 tritt zwar gegen Limousinen wie den Opel Vectra oder den BMW 5 an, ist aber trotzdem nicht unbedingt ein Schnäppchen: 23.000 Euro kostet das Gefährt aus dem Reich der Mitte mindestens. Europäische Hersteller geben hunderte von Millionen Euro aus, um die Crashsicherheit ihrer Fahrzeuge zu verbessern. Wenn die Chinesen das auch machen, werden die Wagen erheblich im Preis steigen. Bis dahin ist aller Grund zur Skepsis bei preiswerten Autos aus Fernost angesagt. Schließlich fiel das China-SUV Landwind vor eineinhalb Jahren ebenfalls beim Crashtest sang- und klanglos in sich zusammen – seit dem hört man in Europa nicht mehr viel von diesem Hersteller. Brilliance will im Herbst 2007 den BS4 nachschieben. Wenn der ADAC den Wagen in Landsberg am Lech ebenfalls gegen die Barriere ballert, darf man gespannt sein.

Tod im Brilliance