Die VW-Individual-GmbH hebt einzelne Modelle ab Werk aus der Masse

In Zeiten, in denen sich jeder seinen persönlichen Turnschuh im Internet designen lassen kann, ist eins Trumpf: Individualität. Und mit dem gemeinsamen Wunsch, anders zu sein als alle anderen, wird gutes Geld verdient. Das haben die Anbieter von Auto-Tuning längst erkannt. Aber von diesem Kuchen möchte sich VW jetzt ein ordentliches Stück einverleiben. Dabei kommt der Begriff ,Tuning" nie über die Lippen eines VW-Mitarbeiters. Man spricht hier von Aufwertungen, Veredelungen und Individualisierungen, die vorzugsweise in die laufende Produktion eingesteuert werden.

On the Top
Die oberste Kante der möglichen Individualisierungsmöglichkeiten präsentiert VW mit einem Phaeton Lounge. Die 6,80 Meter lange Limousine ist der diametrale Gegensatz zum ursprünglichen Volkswagen. Volk findet in einem Auto, in welchem man sich hinten gegenübersitzt und die Beine ausstreckt, kaum Platz. Der Fond des Unikats, für welches kein Preis angegeben wird, beweist nur eins: In Sachen Individualisierung gibt es keinerlei Grenzen. Der Innenraumboden besteht aus amerikanischer Eiche, welche auch im gehobenen Bootsbau verwendet wird. Ein illuminierter 12-Liter-Kühlschrank mit Glastür erfreut ebenso wie eine kleine, aus der Mittelkonsole hochschnellende Bar, welche ebenfalls beleuchtet ist. Die aller Orten zu findende Ambiente-Beleuchtung lässt sich per Drehregler in ihrer Farbe ändern.

Ausstattung der Spitzenklasse
Große Tische, ebenfalls aus Schiffsholz, stehen allen Insassen des Fonds zur Verfügung. Die in der Mittelkonsole beheimateten Gläser lassen sich mit ihrem Stiel an verschiedenen Punkten des Wagens befestigen. Außen besagtes Schiffsgehölz, innen Zedernholz, das sind die Stoffe, aus denen der mitgelieferte Humidor besteht. Die aus der Decke ausfahrbaren 17-Zoll-Bildschirme und der im Kofferraum verbaute Computer mit UMTS-Schnittstelle sind da fasst schon normal. Der enorme Wagen ist mit der standardmäßigen 420-PS-Motorisierung unterwegs. Bei 180 km/h wird elektronisch abgeregelt. Laut VW wurden die 6,80 Meter bis zu dieser Geschwindigkeit bereits problemlos ausgefahren. Das voll funktionstüchtige und offiziell zugelassene Showcar wurde in der gläsernen Fabrik in Dresden hergestellt. In der Mitte hängt das lange Fahrzeug gerade mal ein zehntel Millimeter durch. Der Phaeton Lounge ist außerdem die erste Strechlimo der Welt, welche mit Allradantrieb unterwegs ist. Wer hinten Platz genommen hat, möchte den Wagen haben. Auf Wunsch würde VW den ein oder anderen auch bauen. Dafür müsste dann tatsächlich ein Preis ermittelt werden.

Auch für die Kleinen
Am Beispiel des Phaeton erkennt man gut, worum es bei der Individual-Linie von VW vornehmlich geht: Design. Und besonderes Design steht auch den kleineren, für den Durchschnittsbürger eher erschwinglichen Modellen zur Verfügung. Golf, Golf Plus, Jetta, Touran, Eos, Sharan, Passat, Passat Variant und Touareg können als Individual-Modell bestellt werden. Die Spreizung der Modelle steht auch für die anvisierten Zielgruppen: Leute aus aufstiegsorinentierten und intellektuellen Milieus sowie der sympathische Menschenschlag der Hedonisten sollen ihr Geld ausgeben, um ihren VWs Einzigartigkeit einzuhauchen. ,Dabei orientieren wir uns eindeutig Richtung Oberklasse", so Carsten Plöger, Geschäftsführer von VW-Individual.

Zeichen des Andersseins
Die Individual-Modelle zeigen sich nach außen durch ein neues Logo. Ein dynamisch wirkendes ,i" prangt auf einem kleinen Wappen, welches rechts und links am Kotflügel pappt. Außerdem wird das Wappen ins Leder der vorderen Kopfstützen gedrückt. Hinzu kommen Einstiegsleisten mit ,Individual"-Schriftzug, der bei höheren Varianten beleuchtetet ist. Wer nicht ein komplettes Individual-Modell nimmt, sondern nur einzelne Veränderungen einbauen lässt, bekommt das Logo nur, wenn mindestens eine Individual-Sitzanlage ins Auto kommt.

Schöne Pakete
Die Individual-Modelle enthalten Optionen, die es vorher gar nicht oder zu einzelnen Aufpreisen gab. Hier wird den Tunern das Wasser abgegraben, indem deren Hauptverkaufsprodukt, große andersartige Räder, schon ab Werk angeboten wird. So kommt der Eos Individual mit Sportfahrwerk und 18-Zoll-Leichtmetallfelgen vom Typ Veracruz daher. Außenspiegel, Türgriffe und Stoßfänger sind in Wagenfarbe. Zweifarbige, beheizbare Ledersportsitze mit farblich abgesetzten Kedern warten auf Belastung. Beim Golf Individual gibt es unter anderem einen Heckspoiler in Wagenfarbe, Textilfußmatten mit farbiger Umkettelung und Schubladen unter den Vordersitzen.

Preisgünstig in der Serie
Die Individual-Modelle werden kostengünstig in die normale Serienproduktion eingeflochten. Auch einzelne Individual-Bestandteile, wie eine i-Pod-Schnittstelle für 200 Euro, können während der normalen Produktion verbaut werden. Nur Unikat-Wünsche wie Wagenfarbe in Ton des Lieblingsnagellacks der Ehefrau (schön, wenn sie auf schwarzen Nagellack steht) oder x-beliebige Sonderwünsche müssen aufwändig in der Werkstatt eingebaut werden. Dabei geht es um sich immer verkaufende Faktoren wie Luxus und Oberklasse, wo 30.000 bis 40.000 Euro Extrakosten schnell erreicht sind und ohnehin keine Rolle spielen. Immerhin, wer will, kann sich seinen Golf mit Extras auf Bentley-Niveau ausstatten lassen. Dass der Wagen dann teurer ist als ein Passat, ist wohl gerade das Salz in der Suppe.

Was die Tochter macht
Die VW-Individual-GmbH wurde 2003 als Tochter von VW geründet und seit dem ständig ausgebaut. Heute konzipiert sie nicht nur die neuen, designorientierten Individual-Modelle, sondern auch die sportliche R-Linie sowie die Cross-Varianten. Auch Sonderserien wie die Polo GTI Cup Edition stammen aus dem Hause VW-Individual. Selbst Sonderfahrzeuge für Behörden und alternative Antriebssyteme wie der erdgasbetriebene Touran EcoFuel werden hier entwickelt.
(gh)

Volkswagen Individual