Hardcore-Version des Stadtflitzers mit Mittelmotor, Heckantrieb und 200 PS

Wenn Kleinwagenbauer die Unvernunft packt: Rücksitze raus, starker Mittelmotor rein und den Antrieb an die Hinterachse verlegt. Kenner werden sich angesichts dieses spaßfördernden Rezepts mit Wehmut an den ersten Renault 5 Turbo erinnern. Der französische Breitbau-Floh aus dem Jahr 1980 stand wohl auch bei dem Kraftzwerg Pate, den Toyota im Rahmen der London Motor Show vom 23. Juli bis 3. August 2008 präsentiert.

Wo ist der Motor?
Der Name des Japaners ist Programm: Das martialische Einzelstück auf Aygo-Basis hört auf die Bezeichnung ,Crazy". Unterm knuffigen Blechkleid hat der Toyota-Renner allerdings nicht mehr viel mit seinem zivilen Bruder zu tun. Genau wie bei den französischen Giftzwergen R5 Turbo und Renault Clio V6 herrscht unter der vorderen Haube des Asiaten gähnende Leere: Beim Aygo sitzt hier nur ein zusätzlicher Kühler, der für das thermische Wohlergehen des Motors zuständig ist.

Starkes Leichtgewicht
Apropos Motor: Die Kraftquelle der Toyota-Studie sitzt unter einer belederten Abdeckung hinter den Vordersitzen. Hier verbauen die Asiaten das 1,8-Liter-Aggregat mit variablem Ventiltrieb, das schon die verflossenen Sportmodelle MR2 und Celica antrieb – und das noch heute Lotus Exige und Elise auf Trab bringt. Ein Turbolader pusht die Leistung des Vierzylinders auf stramme 200 PS. Angesichts des bescheidenen Leergewichts von 1.050 Kilogramm reicht diese Power locker, um den Aygo in ein veritables Geschoss zu verwandeln: In 5,7 Sekunden soll der weiße Renner auf 100 km/h sprinten. Die – geschätzte – Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp über 200 Sachen.

Radikal anders
Ebenso radikal wie die Herztransplantation muten die übrigen Maßnahmen zur Steigerung der Fahrdynamik an: Die Spur des Aygo wurde verbreitert, das Sportfahrwerk des MR2 eingebaut und verstellbare Stoßdämpfer installiert. Entsprechend dick fallen auch die Gummis unter den verbreiterten Radhäusern aus: Hier haben die Techniker 17-Zöller mit fetten 225/45er-Reifen hineingequetscht. Dazu passt das aggressive Bodykit mit tiefer Frontschürze, knackigem Heckabschluss und einem fast grotesk großen Dachspoiler aus Karbon. Der dürfte im Fall des Crazy mehr als reine Show sein, denn im Zuge der Umstellung aufs Mittelmotorkonzept wurde natürlich auch der Antrieb geändert: Der gesteigerten Fahrdynamik zuliebe fließen die 200 Turbo-PS beim Renn-Aygo an die Hinterachse.

Plastik-Bomber
Im Innenraum bietet der Japaner einen Mix aus Rennflair und Großserie: Sportsitze, Überrollkäfig, Vierpunktgurte, Rennlenkrad und -pedalerie stehen im krassen Gegensatz zum serienmäßigen Aygo-Armaturenbrett inklusive Radio, dem knuffigen Tacho oder dem angeschraubt wirkenden Drehzahlmesser. Spätestens bei der Sicherheits- und Komfortausstattung wird dann aber klar, für welchen Einsatzzweck dieser Toyota gebaut wurde.

Giftzwerg
Wer den Crazy am Limit bewegen will, muss erstens halbwegs fit sein, denn Annehmlichkeiten wie Servolenkung oder Bremskraftverstärker gibt's nicht. Zweitens sollte der Aygo-Bändiger mit den Tücken vertraut sein, die die Kombination aus Mittelmotor, Heckantrieb und kurzem Radstand birgt. Kurz gesagt: In diesem Aygo ist das Hirn des Fahrers der einzige Fahrdynamikassistent. Helferlein wie ABS, Traktionskontrolle und ESP glänzen durch Abwesenheit. Trotzdem ist der Preis des heißen Knirpses gesalzen: Gemunkelt wird von einem geschätzten Gegenwert von 100.000 Pfund – also rund 117.000 Euro. Diese Summe ist leider nur von akademischem Interesse, da die Studie definitiv ein Einzelstück bleiben soll.

Verrückter Toyota Aygo