Neues Sicherheitssystem für Busse und Lastwagen bremst selbstständig

Oft genug sehen wir die traurigen Fakten in den Nachrichten: Schwere Bus- und Lastwagenunfälle, deren Ursache Übermüdung und Unkonzentriertheit der Fahrer sind. Eine neue Technik von Mercedes könnte zukünftig so manche folgenschwere Karambolage vermeiden helfen.

Vollautomatisch zum Stillstand
Sowohl in den Lkws mit dem Stern als auch im neuen Reisebus Mercedes Travego kommt der ,Active Brake Assist", auf deutsch ,aktiver Bremsassistent" zum Einsatz. Er leitet bei akuter Gefahr eines Auffahrunfalls selbstständig eine Vollbremsung ein, wenn der Fahrer nicht reagiert.

Radarsystem an Bord
Das neue Assistenzsystem arbeitet mit Radarsensoren, die den Abstand und die relative Geschwindigkeit zum vorausfahrenden Fahrzeug messen. Die Sensoren erkennen in einer Breite von drei Grad andere Fahrzeuge, die sich innerhalb eines Bereiches von sieben bis 150 Meter vor dem Bus oder Lkw befinden. Ist bei unveränderter Verkehrssituation ein Unfall unvermeidlich, wird der Fahrer zunächst optisch durch ein rot aufleuchtendes Dreieck und auch akustisch gewarnt. Bei Verschärfung der Kollisionsgefahr kommt eine Teilbremsung mit einer Bremsleistung von 30 Prozent hinzu. Wenn der Fahrer auch dann nicht aktiv abbremst, wird eine Vollbremsung eingeleitet. Detail am Rande: Travego-Busse, die mit Active Brake Assist ausgestattet sind, erhalten bei der Mercedes-Benz Omnibusversicherung fünf Prozent Nachlass bei Haftpflicht und Vollkasko.

Automatische Vollbremsung auch im Auto?
Angesichts der neuen Technik stellt sich unweigerlich die Frage, wann sie auch im Pkw-Bereich zum Einsatz kommt. Auf unsere Nachfrage hin bestätigte uns Mercedes, dass man sich bereits in der Entwicklungsphase befindet. Allerdings ist in nächster Zeit nicht mit einem Serieneinsatz zu rechnen, da im Automobil mehr Parameter zu beachten sind. Während sich der Geschwindigkeitsbereich eines Busses oder Lkw in Grenzen hält, kann er bei Pkw theoretisch bis 250 km/h reichen. Eine weitere Frage ist, wie weit ein solches System in die bewusste Fahrweise des Einzelnen eingreift. Ein Beispiel: Man muss auf der Autobahn plötzlich die Spur wechseln und verringert so ungewollt den Abstand zum Vordermann. Hier wäre eine abrupte Vollbremsung ein Gefahrenpotenzial, speziell für die hinter einem fahrenden Autos. Offen ist auch die rechtliche Frage: Wer haftet, wenn eine automatische Vollbremsung einen rückwärtigen Auffahrunfall verursacht?

Erste Ansätze bei Lexus und Mercedes
Sowohl bei Lexus als auch Mercedes kommen bereits Abstandsregelsysteme mit teilweisen Bremsfunktionen zum Einsatz. Ist hier der Tempomat in Betrieb, wird ein festgelegter Abstand eingehalten und das Auto schrittweise bis zum Stand verlangsamt. Im Gefahrenfall wird eine Teilbremsung eingeleitet, um den Fahrer zu unterstützen. Im Fall von Lexus zeigt sich, dass zukünftige Fahrerassistenzsysteme helfen, Versicherungsprämien zu sparen. Beim Kauf eines neuen Lexus LS 460 mit dem so genannten ,Advanced-Pre-Crash-System" bietet die hauseigene Versicherung einen Rabatt von 50 Prozent auf die normale Prämie an.

Automatisch in die Eisen