Die Baureihe 998 zieht noch schwer getarnt ihre Runden

Es ist eine ganz besondere Problematik, wenn ein Automodell über Jahrzehnte vom Band läuft und sich zur Legende für die betreffende Marke entwickelt. Irgendwann kommt das Fahrzeug in die Jahre und muss aufgepeppt werden. Doch gerade dann stellt sich die Frage, wie stark man solche Kultkisten verändern soll beziehungsweise darf.

Evolution statt Revolution
Entweder man ändert fast nichts so wie Citroën in 42 Jahren an der Ente, oder man versucht es mit Facelifts wie Porsche beim 911. Wie sensibel die eingefleischten Fans auf Änderungen reagieren, mussten die Schwaben im Jahr 1996 nach Einführung des 911 der Baureihe 996 feststellen. Die Enthusiasten schrien Zeter und Mordio, als die Stuttgarter den luftgekühlten Boxermotor zugunsten einer Ausführung mit Wasserkühlung in Rente schickten. Hinzu kam eine kontrovers diskutierte Frontpartie mit den so genannten ,Spiegelei-Scheinwerfern". Kein Wunder also, dass Porsche in der Folge behutsamer mit dem 911 umging, der sich formal inzwischen wieder mehr dem Urmodell von 1963 angenähert hat.

Deckname 998
Wie ganz aktuelle Erlkönigfotos zeigen, bleiben die Schwaben auch beim nächsten 911 der Baureihe 998 der bekannten Grundform treu. Die geschwungene Fensterlinie ändert sich nur minimal in der Größe und der Länge. Nur zu Tarnungszwecken dienen die Aufkleber vor den hinteren Radkästen, die Lufteinlässe vortäuschen. Auffällig ist die Lage der Außenspiegel: Sie wandern etwas weiter nach hinten auf die Tür. Sowohl Front- als auch Heckpartie sind noch stark verkleidet, wobei der Vorderwagen seine Geheimnisse erst auf den zweiten Blick preisgibt. Zunächst denkt man an den aktuellen Elfer, doch hinter dem massiven Stoßfänger mit Spoilerlippe erkennt man bei genauerem Hinsehen Teile der neuen Frontpartie. Dennoch dürften auch beim 998-Modell die Scheinwerfer in tunnelförmig ausgeprägten Kotflügeln sitzen. Ob die Leuchten LED-Technik bekommen, ist noch unklar, von dieser Entscheidung hängt jedoch die künftige Größe der Elfer-Augen ab.

Auch das Cabrio wird bereits erprobt
Die Porsche-Mannen haben das Heck des 911-Erlkönigs mit einem riesigen Bürzel verunstaltet. Denkt man sich diesen weg und betrachtet die Form der Rückleuchten, so könnte das schmale durchgehende Leuchtenband des Ur-Elfers dank LED-Lampen ein Comeback feiern. Motorenseitig dürfte es bei den 2008 eingeführten Benzin-Direkteinspritzern bleiben, allerdings bekommen sie eine kleine Leistungsspritze von 20 PS, sodass der 911 Carrera S auf 405 PS käme. Geschaltet wird per Hand oder mit dem Doppelkupplungsgetriebe PDK. Die offene Version des Porsche wird ebenfalls bereits im hohen Norden getestet. Während das geschlossenen Pendant im Jahr 2011 auf den Markt kommt, wird das Cabrio frühestens ein halbes Jahr später zu den Händlern kommen. Ach ja, die Puristen können bereits jetzt beruhigt sein: Auch in Zukunft ist beim 911 Cabrio Stoffmütze statt Blechverdeck angesagt.

Bildergalerie: Erwischt: Porsche 911