Mazda RX-8, Mini Clubman, Rolls-Royce Phantom – und der neue Opel Meriva

Wir befinden uns in einer dämmrig ausgeleuchteten Tiefgarage auf dem Opel-Werksgelände in Rüsselsheim. Man könnte meinen, wir würden in diesen streng abgeschirmten Hallen vielleicht einen jungfräulichen Prototypen, eine geheime Studie oder einen stark getarnten Erlkönig eines neuen Opel-Modells zu Gesicht bekommen. Aber nein: Uns erwarten ein Mazda RX-8, ein Mini Clubman und ein Rolls-Royce Phantom.

Spektakulär und komfortabel zugleich
Warum zeigt man uns bei Opel Produkte der Konkurrenz? Weil es neuerdings eine Gemeinsamkeit mit diesen Fahrzeugen gibt – gegenläufig öffnende Türen. Die zweite Generation des Meriva kommt im Sommer 2010 genau mit diesem Clou auf den Markt. Die außergewöhnliche Türenkonstruktion bietet zwei Besonderheiten: Zum einen sieht es spektakulär aus und vermittelt einen Hauch von Luxus. Nicht umsonst stellt Opel den preisgünstigen Minivan neben den über 400.000 Euro teuren Rolls-Royce-Luxusschlitten. Zum anderen wird der Einstieg für die Fondpassagiere deutlich leichter und komfortabler. Zwar muss man den eigenen Bewegungsablauf etwas anpassen, dafür sind weniger Verrenkungen notwendig.

Überbleibsel der Pferdekutschen
Bereits in den frühen Tagen des Automobilbaus verfügten viele Fahrzeuge über hinten angeschlagene Türen – es war ein Überbleibsel der Pferdekutschen. Schon über 100 Jahre vor dem Meriva gab es 1904 mit dem 16/18 PS Motorwagen ,System Darracq" einen Opel mit entsprechenden montierten Türen. Das erste viertürige Auto der Rüsselsheimer mit hinten angebrachten Türen war dann die Limousine 10/45 PS von 1925. Ende der 1930er-Jahre boten der viertürige Kadett und der Admiral – bei der Limousine wie beim viertürigen Cabriolet – Kutschentüren. Auch der beliebte Kapitän besaß in den Jahren 1938 bis 1953 an der C-Säule befestigte Fondtüren.

1961 Verbot in Deutschland
Im Jahr 1961 wurde diese bis dahin nicht seltene Türenart dann allerdings verboten. Nicht umsonst war mittlerweile von ,Selbstmördertüren" die Rede: Bei versehentlichem Öffnen während der Fahrt wurden die Türen vom Fahrtwind schlagartig aufgerissen. Da die Passagiere damals noch nicht angeschnallt waren, bestand sogar die Gefahr, aus dem Fahrzeug gesogen zu werden.

Hinten angeschlagene Türen bei Rolls-Royce
So dauerte es viele Jahre, bis es gegenläufig öffnende Türen wieder in moderne Serienfahrzeuge schafften. Vor allem Rolls-Royce setzt im Zuge eines Retrotrends auf dieses Merkmal. Neben der Luxuslimousine Phantom bekommt auch der im Laufe des Jahres erscheinende kleine Bruder Ghost den spektakulären Einstieg. Bei den zweitürigen Modellen Phantom Coupé und Phantom Drophead Coupé sind die Türen ebenfalls hinten angeschlagen.

Heutzutage hohe Sicherheitsanforderungen
Damit entsprechend konstruierte Autos hierzulande eine Zulassung erhalten, sind strenge Sicherheitsvorschriften einzuhalten. So muss sichergestellt sein, dass sich die Türen während der Fahrt nicht öffnen können. Beim neuen Meriva werden sie beispielsweise ab vier km/h elektrisch verriegelt. Anders ist die Problematik beim Mazda RX-8 oder beim Mini Clubman gelöst: Hier lässt sich die hintere Tür nur aufmachen, wenn auch die vordere geöffnet ist. Beide Modelle verzichten dafür auf eine B-Säule. Doch während der Wankel-Sportler RX-8 den Fondpassagieren auf beiden Seiten den Einstieg erleichtert, gibt es beim Kombi von Mini nur auf der rechten Seite eine ,Clubdoor".

Große Beliebtheit bei Studien
Beliebt sind gegenläufig öffnende Türen zudem bei Showcars und Studien. Auf der Detroit Auto Show 2010 zeigte GMC etwa eine entsprechende Kompaktwagen-Studie namens Granite. Auf der IAA 2009 wurde der Citroën REVOLTe bereits als neue ,Ente" mit spektakulärem Zugang gefeiert. Dass die Aufsehen erregende Türen-Kombination aber nicht immer Einzug ins Serienmodell findet, beweist der Kia Soul: Eine der Konzeptstudien auf dem Genfer Auto-Salon 2008 präsentierte sich noch mit gegenläufig öffnenden Türen. Die seit 2009 angebotene Serienvariante des koreanischen Crossovers setzt jedoch auf einen herkömmlichen Einstieg.

Bildergalerie: Opel Meriva