Rüsselsheimer übernehmen Einbau selbst, aber nur bei Neufahrzeugen

Menschen sind manchmal schon arg berechenbar: Kaum steigt der Preis für Superbenzin an, schon rennen sie den Anbietern von Autogas-Fahrzeugen die Bude ein. Auch wenn das etwas kurzfristig gedacht ist – ganz falsch liegen die Leute nicht. Super kostet derzeit im Durchschnitt 1,42 Euro pro Liter, Autogas (LPG, Liquefied Petroleum Gas oder Flüssiggas) aber nur 0,62 Euro. Auch wenn der Verbrauch bei Autogas höher ist, kann man da eine Menge Spritkosten sparen. Die Autohersteller reagieren nun. So bietet Opel ab 1. April 2010 die Umrüstung zum Pauschalpreis von 1.100 Euro an – bisher kostete es das Doppelte. Wir haben uns bei Opel Special Vehicles (OSV), wo der Umbau vorgenommen wird, informiert und herausgefunden, wann und für wen sich der Einstieg lohnt.

228 Autogas-Fahrzeuge
Bis vor kurzem wurde Autogas in Opel-Modellen nur als Umrüstung bei den Händlern angeboten. Dabei wurde eine Anlage eingebaut, aber der Motor nicht modifiziert. Da Autogas nicht über die Schmier- und Kühlwirkung von Benzin verfügt, kam es vereinzelt zu Motorschäden. Betroffen waren vor allem Flottenkunden, bei denen die Autos oft im Volllastbetrieb gefahren werden. Seit Ende 2009 bietet Opel nun selbst die Autogas-Ausrüstung für Neuwagen an. Dabei werden die Ventilsitzringe und die Ventile selbst speziell gehärtet und die Motorsteuerung wird auf den Alternativsprit umgestellt. Angeboten werden jeweils zwei Motorversionen des Agila, des Corsa und des Astra Caravan sowie eine Variante des Zafira. Die Umrüstung kostete bisher 2.200 Euro, ab 1. April 2010 ist nur noch die Hälfte fällig, also 1.100 Euro. Ebenfalls Autogas-Fahrzeuge im Programm haben Chevrolet, Dacia, Daihatsu, Dodge, Ford, Hyundai, Jeep, Kia, Lada, Mitsubishi, Renault, Skoda, Subaru und VW. Insgesamt sind unter den 8.267 Automodellen auf dem deutschen Markt derzeit 228 Modelle mit Autogasanlage. Viel Auswahl hat man also noch nicht, wenn auch deutlich mehr als bei Erdgas, wo man nur zwischen 80 Versionen wählen kann.

Amortisation nach 26.000 Kilometern
Wie günstig ist denn nun Autogas? Rechnen wir das Ganze nochmal durch. Betreibt man den Zafira 1.8 LPG ecoFlex im Autogas-Betrieb, dann hat er 137 PS. Im Benzinmodus sind es 140 Pferde, also unwesentlich mehr. Wie der entsprechende Benzin-Zafira erfüllt auch das Autogas-Modell nur die Euro-4-Abgasnorm. Den Verbrauch gibt Opel mit 9,9 Liter LPG auf 100 Kilometer an, was beim durchschnittlichen Preis von 64 Euro-Cent etwa 6,34 Euro ausmacht. Im Benzinbetrieb werden laut Hersteller pro 100 Kilometer 7,4 Liter in die Zylinder gespritzt, was bei einem Durchschnittspreis von 1,42 Euro etwa 10,51 Euro entspricht. Man spart also 4,17 auf 100 Kilometer oder etwa 40 Prozent. Die Anschaffung ist wie erwähnt 1.100 Euro teurer als beim Benziner. Ergebnis des einfachen Rechenexempels: Die Umrüstung amortisiert sich bereits nach etwa 26.000 Kilometern. Hinzu kommt der Vorteil der erhöhten Reichweite – der Benzintank bleibt ja erhalten.

Erdgas und Diesel sind teurer
Die andere Gassorte, das Erdgas (CNG oder Compressed Natural Gas), ist nicht nur günstiger als Benzin, sondern sogar preiswerter als Autogas. Zumindest nicht im Fall des stärkeren 1.6 CNG Turbo mit 150 PS und Turboaufladung. Der Basispreis für das Erdgasmodell beträgt 25.735 Euro – das sind etwa 2.500 Euro mehr als die Autogasvariante kostet. Der Verbrauch beträgt 5,1 Kilo CNG auf 100 Kilometer. Bei einem Kraftstoffpreis von derzeit durchschnittlich 0,92 Euro pro Kilo entspricht das 4,69 Euro je 100 Kilometer – nochmal weniger als beim LPG-Modell, bei dem man wie erwähnt 6,34 Euro zahlt. Allerdings hat CNG an anderer Stelle Nachteile: Die Reichweite und die Tankstellenzahl ist geringer. Es gibt nur etwa 850 CNG-Tankstellen, aber 5.800 LPG-Zapforte. Und wie wäre es mit einem Selbstzündermodell? Der Zafira mit dem 110 PS starken Einstiegsdiesel für 22.855 Euro ist zwar etwas günstiger als unser LPG-Modell. Aber die Spritkosten sind deutlich höher: Für 100 Kilometer zahlt man hier bei einem Herstellerverbrauch von 5,7 Liter und einem Dieselpreis von 1,20 Euro etwa 6,84 Euro – etwas mehr als bei LPG.

Nachteile von Autogas
Selbstverständlich gibt es auch Fakten, die gegen Autogas sprechen. Erstens ist dieser Sprit fossilen Ursprungs, während Erdgas-Fahrzeuge auch mit regenerativ gewonnenem Biogas fahren können. Zweitens stellen derzeit nicht die Gas- sondern die Diesel- und Hybridfahrzeuge CO2-Rekorde auf. Das emissionsärmste Flüssiggas-Auto, der Chevrolet Matiz 0.8 S EcoLogic, stößt 107 Gramm CO2 pro Kilometer aus, während ansonsten das Dieselmodell VW Polo 1.2 TDI BlueMotion mit 87 Gramm führt. Dafür sind die Stickoxid- und Rußemissionen bei Autogas deutlich niedriger als beim Diesel. Ein dritter Nachteil von Autogas ist das Einfahrverbot, das die Eigentümer von etlichen Parkhäusern verfügt haben – zum Beispiel auch am Frankfurter und Münchner Flughafen. Wer mit diesen Nachteilen leben kann, für den ist Autogas eine Überlegung wert.

Fazit: Nicht nur für Vielfahrer
Alles in allem lohnt sich LPG wirklich: Unser Rechenbeispiel mit dem Opel Zafira 1.8 LPG zeigt, dass sich der Mehrpreis von 1.100 Euro schon nach etwa 26.000 Kilometer amortisiert hat. Da muss man kein Vielfahrer sein, um ins Grübeln zu kommen.

Bildergalerie: Günstiger mit Autogas