Mit Prepaid-Konto lassen sich Autos, Mopeds und Fahrräder mieten

Mu wird ,Mü" gesprochen – jedenfalls wenn es um ,Mu by Peugeot" geht. Die Franzosen führen jetzt ihr neues Mobilitätskonzept in Deutschland ein. Gestartet wird in der deutschen Stadt mit dem laut Peugeot-Deutschland-Chef Thomas Bauch geringsten Motorisierungs-Grad: Berlin.

Prepaid-System für viele Modelle
Mu basiert auf der Idee des Prepaid-Systems: Der Kunde meldet sich für die einmalige Gebühr von zehn Euro mit seiner Email-Adresse und einem Passwort bei Peugeot an und kann dann sein Konto aufladen. Die Aufladung erfolgt in Zehn-Euro-Schritten, wobei das Geld in Punkte umgerechnet wird: Ein Euro entspricht fünf Punkten. Diese Punkte kann der Kunde dann für das Mieten von Fahrzeugen einsetzen: So kostet ein Elektrofahrrad beispielsweise 50 Punkte pro Tag, also umgerechnet zehn Euro. Wer für seinen Umzug einen Transporter braucht, kann einen Boxer für 1.200 Punkte, also umgerechnet 240 Euro pro Tag mieten. Die Punkte nennt Peugeot µ-Einheiten (µ gesprochen Mü). Auch als Nicht-Mu-Kunde kann man das umfangreiche Vermietprogramm nutzen, nur wird es dann ein bisschen teurer: Das Elektrofahrrad schlägt mit 15 Euro pro Tag zu Buche, der Boxer will mit 280 Euro bezahlt sein.

Mietstationen
Peugeot ist stolz darauf, dass man die Händler in das Mu-Konzept einbindet. Zum Start in Berlin machen drei Händler mit: die Hauptniederlassung in Berlin-Lichtenberg, ein Händler in Schöneberg und ein Händler in Wilmersdorf. Alle Mu-Händler sollen sich gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen lassen. Reine Vermietstationen an Flughäfen oder Hauptbahnhöfen stehen nicht zur Verfügung, ebenso wenig sind Kooperationen mit Konzepten anderer Hersteller wie car2go von Smart geplant.

In Frankreich seit Februar 2010
Nadége Faul, Projektleiterin für Mu in Frankreich, berichtet, dass das Konzept bereits vor drei Monaten in Paris, Nantes, Lyon, Brest und Rennes gestartet ist. In Paris haben sich inzwischen 1.000 Kunden registrieren lassen. Bisher wollten 75 Prozent der Kunden Sport- oder Luxus-Wagen, weitere zehn Prozent brauchten ein Nutzfahrzeug. Am Ende des Jahres sollen auch der rein elektrisch betriebene iOn und der sportliche RCZ hinzukommen. Neben Stationen in Frankreich und Deutschland werden Mu-Counter bei Händlern in Madrid, Mailand, London und Brüssel eröffnet. In Deutschland wird zudem an Hamburg und München gedacht. Der Aufbau des Mu-Mobilitäts-Konzepts geht beständig weiter. So möchte Peugeot ein System ähnlich der Miles-and-More-Methode der Lufthansa etablieren. Dann können Kunden auch Punkte bei Einkäufen et cetera sammeln und diese für Fahrzeugmieten einlösen. Wer auf Mu zurückgreifen will, muss nicht zwangsläufig Peugeot-Kunde sein – die Franzosen sehen in ihrem Angebot aber die Möglichkeit, Fahrer fremder Marken mit Peugeot-Produkten in Berührung zu bringen.

Teufel steckt im Detail
Wer ein deutsches Mu-Konto hat, kann seine Punkte momentan noch nicht in Frankreich einlösen. Später soll dies zwar möglich sein, allerdings sind bis dahin noch Details zu lösen, da in Frankreich andere Kosten aufgerufen werden. Auch sonst hatte Peugeot beim Aufbau des Netzes so einige Hürden zu nehmen. Beispielsweise war es nicht möglich, die finanzielle Seite des Konzepts in Deutschland über die hauseigene Peugeot-Bank abzuwickeln, da laut deutschem Bankgesetz für diesen Fall eine Bank mit Schaltern für den Kundenzugang nötig ist. In Frankreich gab es dagegen für die Peugeot-Bank keine Probleme. So sind viele kleine Fallstricke im Hintergrund zu lösen, bis sich das System einmal etabliert hat. Für die Mobilität in der Stadt ist es auf jeden Fall eine Idee, da man auch ein klassisches Fahrrad oder einfach nur eine Dachbox über Mu mieten kann.

Facettenreiche Mobilität