Der Aston-Martin-Chef über das Markendesign und neue Modelle

,Auch im nächsten Kinofilm wird James Bond Aston Martin fahren!" – als Aston-Martin-Chef Dr. Ulrich Bez diesen Satz verkündet, bricht bei den Anwesenden spontaner Jubel aus. Wir befinden uns im Kundencenter der Marke am Nürburgring, wo auch die Rennfahrzeuge für das 24-Stunden-Rennen präperiert werden. Dort stellt man an diesem Abend Händlern und Kunden die aktuelle Modellpalette vor. Dazu gehört seit einiger Zeit der Kleinstwagen Cygnet, ein ungewöhnliches Auto für die Sportwagenmarke. AutoNEWS sprach mit Dr. Bez über den Cygnet, die Neuheiten Virage und Vantage S, das Markendesign und die Zukunft von Aston Martin.

Frage: Wie laufen derzeit die Geschäfte von Aston Martin?

Dr. Bez: 2010 war ein sehr gutes Jahr für Aston Martin. Wir konnten unser Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent steigern. Seit 2004 arbeiten wir ununterbrochen profitabel – auch während der jüngsten Krisenjahre ist uns das gelungen. Das Jahr 2011 hat sehr gut angefangen. Wir launchen gleich im Frühjahr drei neue Modelle.

Auf dem Genfer Autosalon 2011 hat Aston Martin den neuen Virage vorgestellt. Was versprechen Sie sich von diesem Fahrzeug?

Dr. Bez: Der Virage ist zwischen dem DB9 und dem DBS angesiedelt. Er ist perfekt für den eleganten, auf Understatement setzenden Kunden, der die Komfortqualitäten des DB9 schätzt, aber mehr Dynamik und Sportlichkeit will, dem aber dabei der Schritt zum DBS zu groß ist. Mit dem DB9, dem Virage und dem DBS haben wir jetzt drei Modelle, die jeden Geschmack zufrieden stellen werden.

Mit dem Cygnet und dem Rapide hat Aston Martin sein Modellprogramm außergewöhnlich erweitert. In welchen weiteren Segmenten sind Fahrzeuge der Marke denkbar?

Dr. Bez: Wir haben heute zehn verschiedene Modelle im Angebot, die alle ihren eigenen Charakter haben. Die Palette fängt beim Cygnet an und reicht bis zum One-77, das ist eine Spanne vom 35.000-Euro-City Car bis zum 1,5-Millionen-Euro-Supersportwagen. Wir stellen Luxusprodukte her, und zu Luxus gehört eine gewisse Exklusivität. Mit unserem aktuellen Line-up sind wir also sehr gut aufgestellt.

Der Cygnet basiert auf dem Toyota iQ. Könnten Sie sich vorstellen, weitere Aston-Martin-Modelle nach ähnlichem Muster auf den Markt zu bringen?

Dr. Bez: Nein. Der Cygnet hat eine ganz bestimmte Funktion, mit diesem Fahrzeug können wir jetzt unsere eigene Hybrid-Lösung anbieten. Ich bin der Meinung, dass das, was wir heute als Hybrid und Vollhybrid diskutieren, mit sehr vielen Kompromissen behaftet ist. Diese Hybridkonzepte beheben vor allen Dingen in den Städten die Schwäche, dass wir dort immer weniger Raum haben, nicht. Die Raumknappheit ist für mich eine ebenso große Herausforderung wie das Luftproblem. Und deswegen haben wir den kleinen, großartig dimensionierten Cygnet, der ergänzend zum Rapide oder einem anderen Aston Martin-Sportwagen das reine Stadtauto sein soll – das Auto, mit dem man die kurze Strecke fährt, einfach einen Parkplatz findet und flink durch den dicksten Verkehr kommt. Und dies mit dem gleichen Anspruch an Exklusivität, Verarbeitung und Luxus wie ihn unsere Kunden bei unseren Sportwagen haben.

Vor zwei Jahren wurde in Genf das SUV-ähnliche ,Lagonda Concept" gezeigt. Wie ist der momentane Stand in Sachen Lagonda?

Dr. Bez: Wir werden Lagonda auf den Markt bringen und haben die Absicht, unter dieser Marke nicht nur ein singuläres Modell anzubieten, sondern auch eine gewisse Palette. Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten zwei Jahren die Konzepte der Fahrzeuge vorstellen könnten, die dann in Serie gehen sollen.


Kritiker werfen Aston Martin vor, dass die meisten Baureihen optisch kaum voneinander zu unterscheiden sind. Was entgegnen Sie ihnen?

Dr. Bez: Es ist ziemlich schwierig, einen Kreis noch runder und damit besser zu machen, denn er ist perfekt, so wie er ist. Wir sind der Meinung, dass unsere Sportwagen bei den Proportionen und der Gestaltung der Flächen einen gewissen Grad der Perfektion erreicht haben. Das ist unsere Designsprache, mit der wir weltweiten Erfolg haben. Wenn sich Technologien ändern, etwa bei Scheinwerfern, dann bringen wir das in Einklang mit unserer Grundform. Wir brauchen in unserer Formgebung derzeit keine Revolution, die alles umwirft, sondern verfolgen eine kontinuierliche, evolutionäre Weiterentwicklung unseres Designs.

Durch James Bond ist Aston Martin weltbekannt. Was macht für Sie persönlich die Faszination der Marke aus?

Dr. Bez: Dass ich jetzt seit fast elf Jahren diese Marke führen darf und dass sie sich so erfolgreich entwickelt hat. Wir sind auch deshalb seit sieben Jahren profitabel, weil wir die wesentlichen Dinge, die heute zu einem solchen Produkt und zu einer solchen Marke gehören, nämlich modernes Design und modernes Engineering, fördern und damit dieser Marke eine Identität geben. Dabei schaut Aston Martin auf eine recht turbulente Geschichte zurück. Wir sind wahrscheinlich die einzige Firma auf der Welt, die sechs oder sieben Insolvenzen überlebt hat und immer noch auf dem Markt ist.

Was ist Ihr Lieblingsmodell von Aston Martin?

Dr. Bez: Ich habe eigentlich kein Lieblingsmodell. Das hängt immer von meiner jeweiligen Stimmung ab. Ich habe das Glück, dass ich das Modell fahren kann, auf das ich gerade Lust habe. Mal eher einen V8 Vantage S oder V12 Vantage, die sich wie ein eng geschnittener Rennanzüge anfühlen. Ein anderes Mal steige ich dann lieber in einen Rapide oder Virage. Heute bin ich zum Beispiel mit dem Rapide von Düsseldorf hierher in unser Test Center am Nürburgring gekommen, weil ich relaxt cruisen und komfortbetonter unterwegs sein wollte.

Bildergalerie: Von Bond bis Lagonda