LAPV-Versionen sollen schwere Angriffe überstehen

Wir sehen sie fast täglich in den Nachrichten: gepanzerte Militärfahrzeuge im Tarn-Outfit mit Stern am Kühler. Die so genannten ,Light Armoured Patrol Vehicles", also leicht gepanzerten Patrouillenfahrzeuge, sind für Regionen gedacht, in denen das Leben der Insassen durch Beschuss, Minen und ferngezündete Bomben gefährdet ist. Das müssen nicht zwangsläufig Krisengebiete sein, sondern auch Altminen, die in Bosnien im Zuge der Schneeschmelze verrutschen. Deswegen sind die LAPV auch für Hilfsorganisationen und Journalistenteams gedacht.

Weltneuheiten fürs Grobe
Auf der Rüstungsmesse EUROSATORY hat Mercedes nun vier Weltneuheiten vorgestellt. Dabei ist zwischen zwei Militärprogrammen der Marke zu unterscheiden: Die Nutzfahrzeuge mit militärischer Sonderausstattung zeichnet sich durch Nutzlastklassen von 0,7 bis 18 Tonnen aus und ist an die zivilen Lkw-Varianten angelehnt. Darüber stehen spezifische Militärfahrzeuge, die bestimmte Vorgaben der Armeen erfüllen. Dazu zählen unter anderem höchste Geländegängigkeit, ein ballistischer Schutz gegen Fremdeinwirkung, ein Tarnlichtkreis und eine Wattiefe von bis zu 1,19 Meter. Das Angebot erstreckt sich vom G-Modell über die Unimog-Baureihen U 4000 und U 5000 bis hin zum schweren Allrad-Actros.

Schweres Gerät
Zu den Messe-Highlights von Mercedes gehörte der Allrad-Bergetransporter Actros 4151 AK 8x8 Recovery. Er erreicht nach STANAG 4569, einem standardisierten NATO-Verfahren zur Panzerung, im ballistischen Schutz den Level 4 und im Minenschutz den Level 4b, womit der Armee-Actros als hochgeschützt gilt, unter anderem gegen Autobomben und Sprengsätze von Terrorzellen. Als interessante Details gibt es an Bord eine Klimaanlage und Fünfpunktgurte, zudem erfüllt der Brummi die Euro-5-Abgasnorm.

Die LAPV-Familie
Zusätzlich konnte auf dem Mercedes-Stand in Paris ein spannendes LAPV-Trio bewundert werden. Das kleinste Modell, das LAPV 5.4 mit Antriebsstrang aus dem G 280 CDI, ist serienmäßig nach NATO-Standard mit einem Ballistikschutz Level 2 und Minenschutz ausgestattet, optional ist ein erweiterter Minenschutz erhältlich. Eine Fünfgang-Automatik mit integrierter Untersetzung überträgt die Kraft an alle vier Räder, hinzu kommen drei vollsperrbare Differenzialsperren. Lieferbar ist der Wagen in zwei Varianten: als Fünftürer mit vollgeschütztem Fahrzeug- und Laderaum oder als Viertürer mit Heckaufbau. Parallel zur Messe startete die Produktion der ersten LAPV 5.4 für die Bundeswehr.

Weltneuheit LAPV 6.X
Das neue LAPV 6.X Konzeptfahrzeug knüpft an den LAPV 5.4 an und bietet noch mehr Agilität, mehr Nutzlast und eine höhere Geländegängigkeit. Bei baugleicher Kabine besitzt das Fahrzeug ein Fahrwerk mit G-basierten Portalachsen sowie neu entwickelte Coilover-Luft-Feder-Dämpfer-Einheiten. Die Reifendruckregelanlage kann für jedes Rad separat angesteuert werden. Die Einzelansteuerung gilt auch für die Niveauregulierungsanlage, mit der sich das Fahrzeugniveau nach Bedarf anheben oder absenken lässt. Die Wattiefe vergrößert sich damit auf exakt einen Meter. Wie das kleinere Modell verfügt das Fahrzeug über ein modulares Schutzkonzept mit Monocoque-Rundumschutz, das auf ballistischen Schutz nach STANAG Level 3 und Minenschutz mindestens nach Level 2a ausgebaut werden kann. Ein Motorraumschutz ist optional erhältlich. In das Fahrzeug integriert ist eine aktive GPS-Anlage zur satellitengestützten Positionsübermittlung sowie ein Führungsinformationssystem.

Der große Bruder
Das LAPV 7.X Konzeptfahrzeug ist der große Bruder der LAPV 5.4 und LAPV 6.X und eine Symbiose der Eigenschaften zweier Mercedes-Benz-Modellreihen. Motor, Getriebe und Cockpit stammen wie bei den beiden leichteren LAPV aus der G-Klasse, der Rahmen und die Achsen hingegen von der Unimog-Baureihe. Es verfügt serienmäßig über einen Ballistikschutz nach STANAG Level 3 und Minenschutz mindestens auf Level 2a. Als Ergebnis ist das LAPV 7.X ein Fahrzeug mit einer höheren Nutzlast und nochmals besseren Geländegängigkeit bei erweitertem Schutz.

Bildergalerie: Gut gerüstet