35 Jahre VW Golf Diesel: Die Entwicklung des Selbstzünders

Dieselmotoren wurden Anfang der 70er Jahre vor allem im Taxigewerbe eingesetzt. Wer einen Diesel-Pkw privat wollte, hatte nicht viel Auswahl: Nur bei Mercedes, Opel und Peugeot wurde man damals fündig. Autos mit einem Selbstzünder unter der Haube waren zwar vergleichsweise schwach motorisiert, konnten aber durch ihre enorme Laufleistung und den geringen Verbrauch punkten. Aus diesem Grund entschied der VW-Vorstand im Jahr 1973 eine Arbeitsgruppe für ,unkonventionelle Antriebe" einzuberufen, die einen kleinen und drehfreudigeren Diesel für den Passat, den Golf und den Polo entwickeln sollten. Als im Oktober 1973 die arabischen Staaten den Ölhahn zudrehten, wurde die Entwicklung des Motors weiter angefacht. Für eine Serienriefe fehlten aber noch drei Jahre.

Lange Testphase vor Markteinführung
Die Geburtsstunde des Golf Diesel liegt mittlerweile 35 Jahre zurück. Vor seiner Markteinführung im September 1976 wurde der Golf D ausgiebig getestet. Ein Feldversuch aus 300 Fahrzeugen, Testfahrten durch die Sahara, das kalte Nordschweden und auf eine Höhe von 4.000 Meter sowie insgesamt 15 Millionen zurückgelegte Kilometer reichten schließlich aus, um den Diesel-Golf das Reifesiegel zu verpassen.

Von Anfang an fast so stark wie ein Benziner
Die Fahrleistungen des Golf D konnten sich dabei durchaus sehen lassen. Der 50 PS starke 1,5-Liter-Motor drehte bis 5.000 Umdrehungen pro Minute – fast wie ein Benziner. 82 Newtonmeter Drehmoment waren damals noch ein Wort. Die Beschleunigung auf 100 km/h dauerte 19 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 141 Stundenkilometer. 1978 lag der Marktanteil der Dieselmodelle beim Golf bereits bei 38 Prozent. Ein ausschlaggebender Grund für den breiten Zuspruch war auch der geringe Verbrauch von 6,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer.

Sportlicher GTD und ,Umweltdiesel"
1980 wuchs der Hubraum des Golf Diesel auf 1,6 Liter. Der neue Selbstzünder leistete 54 PS bei 4.800 Umdrehungen und bot ein maximales Drehmoment von 100 Newtonmeter bei 2.300 Touren. Als der Dieselmotor 1982 mit einem Turbolader auf 70 PS gestärkt wurde, rückte der Golf als GTD nicht nur namentlich und optisch an das sportlichste Modell – den GTI – heran, sondern auch leistungsbezogen. 1989 gab es aber auch für die GL- und CL- Modelle des Golf eine sparsame 1,6-Liter-Dieselvariante mit Oxidationskatalysator, die als ,Umweltdiesel" bekannt wurde. Ab 1993 führte VW sogar einen Golf Ecomatic mit Start-Stopp-Automatik – wie wir sie heute kennen – ein. Der Öko-Golf war zudem mit einer Schwungnutzautomatik ausgestattet, bei dem der Fahrer beim Schaltvorgang kein Kuppplungspedal mehr drücken musste. So sollte der Verbrauch auf bis zu drei Liter Diesel pro 100 Kilometer gedrückt werden. Der Eco-Golf war aber trotz aufwendiger Werbekampagnen ein Ladenhüter.

,Millionenseller" TDI
Der GTD war die Basis für den darauf folgenden Verkaufsschlager TDI, der ab 1993 im Golf III als Golf TDI Premiere feierte. Der 1,9-Liter-Vierzylinder stammte aus dem Audi 80, der ihn bereits ein Jahr zuvor bekam. Neu war jetzt die Direkteinspritzung. Sie machte den Diesel zu einem flotten Antrieb. Der TDI leistete zunächst 90, später 110 PS. Während der Golf-IV-Generation wurden gesetzliche Auflagen über die erlaubte Schadstoffmenge eingeführt, wegen denen VW das eigene Einspritzverfahren Pumpe-Düse entwickelte. Die damit ausgerüsteten Motoren leisteten bis zu 150 PS, ließen es aber an Laufruhe vermissen. Seit 2007 stellt Volkswagen seine Modelle auf die Common-Rail-Direkteinspritzung um.

SDI-Motor wieder aus dem Programm
Parallel zum TDI-Motor wurde auch ein weitestgehend baugleicher Saugdiesel mit Direkteinspritzung entwickelt – der sogenannte SDI-Motor. Im Vergleich zum TDI war er ohne Turbo und Ladeluftkühler ausgerüstet und auch etwas schwerer. Die Abgasnorm Euro 5 stellte für den SDI zudem eine zu große Hürde dar, sodass er beim Golf VI wieder aus dem Angebot gestrichen wurde.

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