Die "lost Models" des sportlichen BMW-Ablegers "M"

Es gibt einen BMW X5 mit Zwölfzylinder-Motor, es gibt einen 5er als Cabrio und es gibt einen spannend designten Z1-Vorläufer. Es gibt immer nur einen. Alle diese Wagen kommen aus Münchens sportlichster Ecke: von der M GmbH, der Performance-Tochter von BMW. Die Wagen sind großenteils vollständig entwickelt, nur den Sprung in die Serie haben sie nie geschafft. Jetzt holen wir die verborgenen Schmuckstücke ans Licht.

V12: Langer Kampf
Über einen Zwölfzylinder-Motor hat man bei der M GmbH sehr lange nachgedacht. Anfang der 1990er-Jahre war Downsizing noch ein Fremdwort und ein sowohl laufruhiger als auch kraftvoller V12 galt als das Nonplusultra im Motorenbau. BMW hatte ein zwölfzylindriges Aggregat mit fünf Liter Hubraum seit 1987 im Portfolio und so lag es für die Perfomance-süchtigen Jungs von M nur nahe, sich mal um dieses Triebwerk zu kümmern. 1994 wurde der V12 von BMW auf 5,4 Liter Hubraum aufgebohrt und M nahm sich des Triebwerks an, vergrößerte den Hubraum nochmal – jetzt standen sechs Liter zur Verfügung. Das Aggregat wurde in verschiedenen Modellen ausprobiert. Zum einen bekam ein M8 das Triebwerk. Den Wagen gibt es noch heute, an den Luftöffnungen vor den Hinterreifen ist er zu erkennen. Auch in den Motorraum eines X5 wurde das große Triebwerk verpflanzt: Bei dem X5 Le Mans genannten Wagen fällt der Powerdome beinahe obszön groß aus.

BMW X5 Le Mans
Die Zwölfzylinder-Ausbaustufe im X5 Le Mans leistet 700 PS bei 7.750 U/min. Die Gänge im Renn-SUV werden über eine manuelle Sechsgang-Schaltung eingeteilt, 2.130 Kilogramm bringt das Fahrzeug auf die Straße. 311 km/h Spitze sind mit der fahrenden Wand drin. Hans-Joachim Stuck beschleunigt den X5 Le Mans auf der Döttniger Höhe der Nordschleife des Nürburgrings auf 300 km/h. Bis heute wird der straßenzugelassene Wagen für Gleichmäßigkeitsrennen eingesetzt. Zu einer Serienproduktion konnte man sich seinerzeit nicht durchringen – ein SUV von M erschien vielen Entscheidern als zu gewagt. Heute gibt es einen X5 M mit einem turbogeladenem 555-PS-V8 für 106.400 Euro. Mit dem Sport-SUV verdient BMW gutes Geld.

BMW V12 LMR
In einem weiteren Wagen wurde der M-Zwölfzylinder eingesetzt: in der Rennflunder V12 LMR (LMR: Le Mans Roadster). Sechs Liter Hubraum sind hier für 580 PS gut – und diese 580 Pferde treffen auf ein Wagengewicht von gerade mal 900 Kilogramm. Geschaltet wird in dem Renner über eine sequenzielle Rennschaltung mit sechs Gängen. Als Höchstgeschwindigkeit sind beim V12 LMR über 300 km/h drin. Von 1999 bis 2000 startete der V12 LMR bei Rennen, unter anderem bei den 24 Stunden von Le Mans mit Joachim Winkelhock am Steuer.

BMW M3 Pick-up
Ganz frisch aufgebaut wurde von der M GmbH der M3 Pick-up. Das Fahrzeug auf Basis eines M3 soll von der M GmbH für Werkstatt- und Transportfahrten genutzt werden. Der 420-PS-Transporter wurde auf der Nordschleife des Nürburgrings umfassend erprobt. So hat der M3 Pick-up eine Straßenzulassung und ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h der schnellste Pick-up der Welt. Im Vergleich zum M3 Cabrio bringt er 50 Kilogramm weniger auf die Waage, das Herausnehmen des Daches bringt nochmal 20 Kilogramm Gewichtsersparnis und senkt zudem den Fahrzeugschwerpunkt. In den 1980er-Jahren gab es schon einmal einen M3 Pick-up. Genau wie damals wird auch der neue Ladeflächen-Wagen ein unverkäufliches Einzelstück bleiben.

BMW M3 E30 Pick-up
Bereits auf Basis des M3, Baureihe E30, haben sich die Ingenieurskünstler von M einen Pick-up gegönnt. Damit wurde also bereits aus einem der ersten M3-Modelle ein Pick-up gemacht. Und der 195-PS-Wagen musste ordentlich als Arbeitstier für Werkstatteinsätze herhalten – wie die Bilder mit der abgerockten Ladefläche beweisen.

25 Jahre BMW M5
Zum 25. Geburtstag des BMW M5 legte die M GmbH ein Einzelstück auf: den BMW M5 25 Jahre. Der Wagen wurde als Renntaxi auf der Nordschleife des Nürburgrings eingesetzt. Sein Motor fühlt sich nach 600 PS an und die Schaltung arbeitet wie ein Doppelkupplungsgetriebe ohne Zugkraftunterbrechung.

BMW Z1-Vorläufer
Auf den ersten Blick sieht er ein wenig ungewöhnlich aus, aber dann erkennt man, wohin die Reise gehen sollte: Dieser Prototyp ist ein Vorläufer des von 1989 bis 1991 gebauten BMW Z1. Der Z1 wurde 8.000 Mal gebaut und fiel durch eine Vielzahl von Innovationen auf. Seine Seitentüren ließen sich so versenken, dass man auch mit geöffneten Türen fahren konnte. Der Z1 war zwar nur mit 170 PS unterwegs, brachte dafür aber auch nur 1.250 Kilogramm auf die Waage.

BMW M5 Cabrio
1988 rollte ab August die zweite Generation des M5 vom Band. Und BMW zeigt zumindest in der Planungsphase Mut, baut einen Prototypen des M5 Cabrio. Der Wagen wäre der perfekte Konkurrent für das ab 1992 gebaute Mercedes 300 CE-24 Cabriolet geworden. Aber BMW war nicht von den Erfolgsaussichten des großen offenen Sportlers überzeugt und schob den Prototypen in die Tiefen seiner Garagen ab.

BMW 530iX Touring Hochdach
Für maximalen Freizeit-Transportspaß war der BMW 530iX Touring Hochdach ausgelegt. Ins Heck konnten beispielsweise Fahrräder geladen werden. Außerdem war der Wagen mit einer Innovation unterwegs: Im Fond gab es einen in die Rückbank integrierten Kindersitz. Und diese Innovation hat es später in die Serie geschafft, der ganze Rest des hohen Fahrzeugs ist nun ein Museums-Einzelstück. Das Herz dieses Einzelstücks: ein 3,0-Liter-V8 mit 218 PS. Damit ist der 1.840-Kilogramm-Wagen maximal 229 km/h schnell.

BMW M3 Compact
Von 2001 bis 2004 wurde der BMW 3er Compact gebaut, dann wurde die Modellreihe vom 1er abgelöst. Und im Gegensatz zum aktuellen 1er M Coupé gab es vom 3er Compact nie ein M-Modell. Nie? Nicht ganz: Die M GmbH experimentierte mit einem Prototyp des Fahrzeugs. Später war man in den Führungsetagen der bayerischen Motorenwerke überzeugt, dass so einer Rennsemmel keine Zielgruppe gegenüberstehen würde. Und so wurde der BMW M3 Compact zu einem weiteren Einzelstück in der aufregenden M-Sammlung.

BMW M3 GTR
Von der Serienversion des M3 GTR wurden nur ein Fahrzeug gebaut. Um an der American Le Mans Serie teilnehmen zu können, musste von der Rennversion auch eine Serienvariante gebaut werden, was zu dem Einzelstück führte. Dessen V8 leistete 351 PS, er war an eine Sechsgang-Handschaltung gekoppelt. Das Wagengewicht wurde gedrückt, indem das Dach, der Heckflügel sowie die Front- und die Heckschürze aus kohlefaserverstärktem Kunststoff gefertigt wurden. Auch der Innenraum war spartanisch, sodass am Ende ein Gesamtgewicht von 1.350 Kilogramm herauskam.

BMW M3 Touring
In Deutschland träumen viele von ihm: dem M3 Touring. Die M GmbH hat sogar einen gebaut. Er basiert auf der Baureihe 46 – und blieb ein Einzelstück. Die knallharten Gesetze des Marktes verjagen hier des deutschen Autokäufers Träume: Da Amerika der Hauptabsatzmarkt für M-Modelle ist, und dort ein Kombi von den Kunden nicht geschätzt wird, kam eine Serienproduktion nie in Gang.

Unbekannte M-Raritäten