Sportliches Fahrzeug zeigt die künftige Formensprache von Mazda

Auf einem Designworkshop zeigte Mazda soeben die Designstudie "Shinari". Wir waren für Sie bei der Vorstellung des viertürigen Sportcoupés dabei, das der Öffentlichkeit erstmals auf dem Pariser Salon vom 2. bis zum 17. Oktober 2010 präsentiert werden wird.

Crossover: Viertüriges Sportcoupé
Beim Thema Coupé fällt einem bei Mazda zunächst der aktuelle RX-8 ein. Doch um einen konkreten Entwurf für den RX-8-Nachfolger handelt es sich beim Shinari nicht, auch wenn Mazda bei der Beschreibung des Designs mehrfach Bezug auf den Wankel-Sportler nimmt. Der RX-8-Nachfolger RX-9, so war es bei der Veranstaltung zu hören, wird ein leichtes, zweitüriges und zweisitziges Coupé und kommt nicht vor 2012 auf den Markt. Dagegen ist der Shinari ein 4,80 Meter langer Viertürer mit großer Heckklappe im Crossover-Look eines großen Sportcoupés. Mazda-Chefdesigner Ikuo Maeda versicherte, dass die Studie "sehr seriennah" sei und im Jahr 2011 mit ersten Bildern des Serienfahrzeugs zu rechnen sei. Auf den Markt kommen wird das entsprechende Auto dann im Jahr 2012.

Neue Design-Richtung "Kodo"
Mit dem Shinari schlägt Mazda anlässlich des 90-jährigen Firmenjubiläums und der 50-jährigen Automobilproduktion ein neues Designkapitel auf. Es steht unter dem Motto "Kodo – Soul of Motion". Schon das stehende Auto soll Bewegung zum Ausdruck bringen und so sind gegeneinander verdrehte Flächen – ähnlich angespannten Muskeln – gestalterisches Hauptmerkmal der Designstudie. Diese steht nicht nur für das im Jahr 2012 kommende Crossover-Fahrzeug oder für den ebenfalls 2012 erscheinenden Mazda-6-Nachfolger, sondern für das gesamte künftige Mazda-Design. Kodo könne bei Kleinwagen genauso angewendet werden wie bei Limousinen oder SUVs.

Designanleihen beim RX-8
Die stark ausgeführten vorderen Radhäuser des Shinari stellen eine Weiterentwicklung der markanten Radhäuser dar, die erstmals im Wankel-Sportwagen RX-8 eingeführt wurden. So genannte "Charakterlinien" entspringen den vorderen Radläufen des Shinari und fließen in Richtung Heck. Unterwegs treffen sie auf Linien, die von den hinteren Radhäusern nach vorne verlaufen, was einen mehrschichtigen optischen Effekt verursacht. Besonders markant ist die dreidimensionale Ausformung des großen Fünfpunkt-Kühlergrills. Zusätzlich verläuft unter dem Grill eine schwebende Leiste nach außen zu den Scheinwerfern, die beleuchtet ist. Diese wird als neues, typisches Element Einzug in das Design künftiger Modelle von Mazda finden. Die Shinari-Front könnte unserer Meinung nach auch einem Maserati gut zu Gesicht stehen.

Dreidimensionale Leuchten
Mit Detailversessenheit gestaltete die internationale Designmannschaft um Ikuo Maeda auch die Leuchten. Bei den Frontscheinwerfern wurde auf eine Streuscheibe verzichtet. So wurde das Innere der tief liegenden Leuchteinheiten freigelegt, was an die Augen eines Wildtieres erinnert. Die hinteren Leuchten sind mit dreidimensionalen Lichtleitern ausgeformt, die zwar in die Karosserie integriert sind, aber doch subtil an die Heckflossen amerikanischer Straßenkreuzer erinnern.

Frontinsassen werden eng umschlossen
Die flach gestellte Frontscheibe geht übergangslos in ein Glasdach über, das den Innenraum sehr luftig wirken lässt. Das sportlich anmutende Interieur kapselt die beiden vorne sitzenden Insassen ein. Bei einer ersten Sitzprobe stellten wir aber fest, dass im Shinari auch 1,90-Meter-Leute gut sitzen können. Das fahrerorientierte Cockpit ist sehr ungewöhnlich gestaltet. Statt einer Mittelkonsole gibt es eine Art Abtrennung der beiden vorderen Sitzbereiche. Im oberen Bereich davon ist ein scheinbar schwebendes Zusatzdisplay angebracht, das über ein Drehrad zwischen den Sitzen bedient wird oder per Sprachsteuerung. Auf den Einsatz von Lenkstockhebeln wird verzichtet, geblinkt wird zum Beispiel mit Lenkradtasten. Durch die Verwendung von hochwertigen Materialien wie dunkelbraunes Leder mit weißen Doppelnähten und offenporiges Holz entsteht eine sportliche, dennoch wohnliche Atmosphäre.

Business, Pleasure oder Sport?
Die Elektronik bietet drei Modi: In der "Business"-Betriebsart hat man zum Beispiel neben der Routenplanung und Navigation Zugriff auf das Internet, um sich über Firmen oder Personen zu informieren, die man mit dem Shinari besuchen will. Im Modus "Pleasure" (Vergnügen) liegt der Schwerpunkt auf dem Abruf zum Beispiel von Restaurantinformationen samt Routenführung und der Erzeugung einer entspannten Atmosphäre während der Fahrt. So wird der MP3-Musikplayer eines Beifahrers automatisch erkannt und dessen Musik kann abgespielt werden. In der Einstellung "Sport" schließlich wird nicht nur vor Radarfallen gewarnt (was aber nicht als Aufforderung zur Raserei verstanden werden soll). Auch die Anzeigen reduzieren sich, das Fahrwerk stellt sich härter und die Schaltwippen des Automatikgetriebes werden aktiviert, um die volle Konzentration auf das Fahren zu ermöglichen. Eine Kamera im Frontgrill zeigt die vorausliegende Straße im Display an, per Sprachbefehl kann sie auch die Fahrt im HD-Modus aufzeichnen. Die drei Betriebsarten werden durch unterschiedliche Farbwelten im Cockpit verdeutlicht.

Auf Nagare folgt Kodo
Das Wort Shinari steht für die Form von in sich verwindenden Stahl- und Bambusrohren oder auch von verdrehten menschlichen Körpern, bevor sie aus der Anspannung heraus eine kraftvolle Bewegung vollführen. Kodo soll Geschwindigkeit, Spannung und Verführung visualisieren. Mit der neuen Studie führt Ikuo Maeda, der die Mazda-Designabteilung seit Frühjahr 2009 leitet, diese neue Designsprache ein – bisher folgten neue Modelle dem Nagare-Stil von Maedas Vorgänger Laurens van den Acker.

Acht Modelle im Wettbewerb
In dem Designworkshop, an dem wir teilnehmen konnten, demonstrierten acht Designer aus den vier weltweit verteilten Mazda-Designzentren die Entstehungsgeschichte der Studie Shinari. Die Designzentren stehen in Hiroshima und Yokohama sowie in Oberursel bei Frankfurt und im kalifornischen Irvine. In jedem Zentrum wurden zunächst Skizzen zum neuen Mazda-Design angefertigt, von denen acht Stück weiter verfolgt wurden. Je ein junger Designer und ein älterer, erfahrener Ton-Modellierer haben dann gemeinsam anhand einer der Skizzen ein Tonmodell angefertigt. Die acht Tonmodelle im Maßstab 1 zu 4 mussten dann in einem Auswahlverfahren gegeneinander antreten. Gewinner war der Shinari.

Ikuo Maeda: Ein Autonarr als Design-Chef
Chefdesigner Ikuo Maeda unterstehen die vier Designzentren von Mazda. Er arbeitet mit seinem Team am Hauptsitz von Mazda in Hiroshima und ist bereits seit 28 Jahren bei Mazda tätig. Vor seiner Ernennung zum General Manager war er zehn Jahre lang Leiter des "Design Strategic Studio" ebenfalls in Hiroshima. Dort zeichnete er hauptverantwortlich für das Produktdesign und fungierte als Chefdesigner des Wankelmotor-Coupés RX-8 und des aktuellen Mazda 2. Schon sein Vater leitete zeitweise die Mazda-Designabteilung, von ihm erbte Maeda die Liebe zum Auto. Aktuell nimmt er mit einem Mazda MX-5 Superlight an japanischen Tourenwagenrennen teil.

Internationales Top-Team
Das kalifornische Designcenter wird seit Mitte 2009 von Derek Jenkins geführt. Der arbeitete zuvor bei Volkswagen of America und bei Audi. Jenkins war an der Entwicklung der Modelle Audi A2 und A8 sowie VW Scirocco Concept und VW Microbus Concept und vielen mehr maßgeblich beteiligt. Das europäische Designcenter in Oberursel steht unter der Leitung des Engländers Peter Birtwhistle. Er kam bereits 1988 zu Mazda, zuvor arbeitete er bei Porsche, Audi und Opel/Vauxhall und beeinflusste seit dem das Design vieler Mazda-Modelle wesentlich. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum von Mazda in Yokohama ist Yasishi Nakamuta als Chef-Designer tätig. Seit seinem Eintritt 1987 in das Unternehmen hat er viele Mazda-Designs gemacht, darunter zum Beispiel die aktuelle Generation des Roadsters MX-5. Auch an der dritten Generation des RX-7 war er beteiligt, einem der schönsten Mazda-Fahrzeuge aller Zeiten.

Mazdas Designzukunft