Mercedes verpasst seinem Sorgenkind eine Frischekur

Knapp vier Jahre sind sie nun alt, die Modelle der aktuellen E-Klasse, und weniger beliebt, als Mercedes sich das bei der Markteinführung 2009 erhofft hatte. Bemängelt wurden bisher Design, Motoren und Elektronik. Nun haben die Schwaben ihren Sorgenkindern eine umfangreiche Frischekur verpasst. Sowohl Limousine und T-Modell, als auch Coupé und Cabrio zeigen bei der North American International Motorshow in Detroit (14. bis 27. Januar 2013) ihr neues Gesicht erstmals der Weltöffentlichkeit. Wir haben erste Bilder von Cabrio und Coupé.

Aus vier mach zwei
Leugnen ist zwecklos: Die Schönheits-OP ist beim Blick in die Gesichter von Coupé und Cabrio augenscheinlich. Im wahrsten Sinn des Wortes: Das typische Vier-Äuglein-Antlitz ist zwei gestrafften Augen gewichen, unter deren Scheinwerferglas sämtliche Funktionselemente inklusive LED-Abblend- und -Tagfahrlicht verstaut wurden. Der neue Frontstoßfänger mit großen Lufteinlässen und stärkerer Pfeilung ist so von nun an lichtlos. Die Bügelfalte auf den Flanken wurde neu geformt, am Heck legte man Hand an die Rückleuchten.

Feinschliff im Innenraum
Auch der Innenraum der E-Klasse wurde von den Schönheitskorrekturen nicht ausgenommen. Hinter dem Lenkrad von Coupé und Cabrio prangen drei an Endrohre erinnernde Rundinstrumente, der Tachometer in der Mitte umschließt wie gewohnt ein Bildschirmchen, das fahrrelevante Informationen anzeigt. Neu hingegen ist eine Analoguhr zwischen den neu gestalteten Lüftungsdüsen der Mittelkonsole – die gab es bisher nur in der S-Klasse.


Frischluftgenuss
Für noch mehr Freude am Fahren bei schlechtem Wetter sorgt das Stoffdach des überarbeiteten Cabriolet: Gute Dämmung hält auch bei hohen Geschwindigkeiten die meisten Strömungsgeräusche vom Innenraum fern. Laut Hersteller erreicht das Schwaben-Cabrio mit dem Akustik-Verdeck das beste Geräuschniveau seiner Klasse. Doch auch wer sich gerne frische Luft um die Nase wehen lässt, muss auf Komfort nicht verzichten. Auf Wunsch reduziert das so genannte Aircap Verwirbelungen und Windgeräusche im Wageninneren. Neu: Bei Geschwindigkeiten über 40 km/h fährt das System automatisch aus, unter 15 km/h verschwindet die Windlamelle im Rahmen der Frontscheibe wieder. Eine Elektronik erkennt bei geschlossenen Fondgurten die Anzahl der Passagiere in der ersten Reihe und bringt das Windschott zwischen den vorderen Kopfstützen dementsprechend in Position. Eine Kopfraumheizung namens Airscarf verhindert, wenn gewünscht, Zugluft-bedingte Verspannungen.

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit ...
Bisher als nicht mehr ganz zeitgemäß kritisiert, ziehen die Schwaben in puncto Elektronik nun alle Register. Coupé und Cabrio sind ebenso wie ihre Baureihenschwestern Limousine und T-Modell mit jeder Menge technischen Helfern ausgestattet, die ab dem Sommer 2013 auch in der neuen S-Klasse Einzug halten werden. Der Collision Prevention Assist und der Attention Assist sind serienmäßig an Bord. Ersterer soll mithilfe von Radarsensoren Zusammenstöße frühzeitig erahnen und die Folgen verringern, zweiterer behält die Wachheit und Konzentration des Fahrers im Auge und warnt bei Unaufmerksamkeit.


Unterstützung auf Wunsch
Die Liste an optionalen Assistenten ist lang: Die Distronic Plus mit Lenkassistent hilft dem Fahrer in der Spur zu bleiben und beherrscht teilautonomes Staufolgefahren. Der Bremshelfer Bas Plus mit Kreuzungs-Assistent erkennt erstmals auch Querverkehr sowie Fußgänger und verstärkt wenn nötig die Bremsung des Fahrers. Fußgänger erkennen und bis 50 km/h einen Zusammenstoß durch eine autonome Bremsung komplett verhindern kann die Pre-Safe-Bremse. Pre-Safe Plus sieht eine drohende Heckkollision voraus und warnt den Fahrer des nachfolgenden Fahrzeugs durch die Aktivierung der hinteren Warnblinkleuchten. Dann löst das Pre-Safe-System Maßnahmen zum Insassenschutz aus und kann das stehende Auto bei einem Heckaufprall festbremsen, um Folgeunfälle zu vermeiden. Der aktive Spurhalte-Assistent erkennt belegte Nachbarspuren und verhindert bei der Gefahr eines Zusammenstoßes das unabsichtliche Verlassen der Spur auch bei unterbrochenen Linien. Er ergänzt so den Totwinkel-Warner.

... und noch mehr
Der Adaptive Fernlicht-Assistent Plus spendet blendfreies Dauerfernlicht durch das Ausblenden anderer Fahrzeuge im Lichtkegel. Beim Einparken in Längs- und Querparklücken hilft der Aktive Park-Assistent durch Lenk- und Bremseingriffe. Die Verkehrszeichen-Erkennung registriert zusätzlich zu Geschwindigkeitbegrenzungen auch Überholverbote und ihre Aufhebungsschilder. Bei beschilderten Einfahrverboten warnt sie optisch und akustisch. Eine 360-Grad-Kamera behält alle vier Seiten im Blick und ermöglicht die virtuelle Vogelperspektive. Dynamische Hilfslinien unterstützen beim Parken und Rangieren.

Euro 6
Angetrieben werden E-Coupé und -Cabrio von sechs Ottomotoren mit 184 bis 408 PS und drei Selbstzündern mit 170 bis 265 Pferdchen. Neu im Antriebsreigen ist ein BlueDirect-Vierzylinder-Benzinmotor, der auf den gleichen Technologien basiert wie die Sechs- und Achtzylinder der neusten Generation. Er erfüllt schon heute die Euro-6-Norm, die ab 2015 in Kraft tritt. Ebenfalls Euro-6-tauglich sind ein Sechszylinder-Benziner, der erstmals auch als E 400 mit Biturbo-Antrieb angeboten wird, sowie der Sechszylinder-Diesel BlueTec. Geschaltet wird weiterhin mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder automatisch mit 7G-Tronic Plus. Neu bei der Automatik: Hat der Fahrer manuell zurück- oder hochgeschaltet, wechselt das Getriebe nach einer bestimmten Zeit selbstständig zurück in den automatischen, verbrauchsgünstigsten Modus.

Kostenfaktor
Angaben zu Lifting-bedingten Preisänderungen liegen noch nicht vor, aktuell beginnt die Preisliste bei 41.441 Euro für das Coupé und 46.380 Euro für das Cabrio.

E-Klasse Coupé und Cabrio