Der Ingolstäder wird technisch mächtig aufgerüstet

Die Fans scharren schon mit den Hufen, müssen sich aber noch ein wenig gedulden: Erst im November 2015 kommt der neue Audi A4 auf den Markt. Und zwar – das ist wirklich ein Novum – als Limousine und Avant gleichzeitig. Das wird besonders die deutschen Kunden freuen, schließlich werden hierzulande rund zwei Drittel aller A4 als Kombi bestellt. Vor wenigen Tagen konnten wir den brandneuen Mittelklässler bei einem Pressetermin in Ingolstadt noch vor der offiziellen Präsentation genauer unter die Lupe nehmen.

Mehr Kanten und ein größerer Grill
Beim ersten Hinschauen zeigt sich, dass man auch bei Audi (so wie VW das mit dem Golf schon seit Jahren erfolgreich praktiziert) bei Design-Änderungen eher auf Evolution, als auf Revolution setzt. Sprich: Der neue A4 sieht dem aktuellen Modell sehr ähnlich, wirkt aber schnittiger. Diesen Eindruck erzeugen schmalere Scheinwerfer, die zudem ausgeprägte Ecken bekommen haben. Das Ziel war, die Frontpartie ,technischer und aggressiver" wirken zu lassen, wie A4-Exterieurdesigner Frank Lambersky erklärt. Der Singleframe-Grill, der schon beim scheidenden Modell nicht gerade unauffällig klein ist, wuchs nochmals.

Avant mit 505 Liter Stauraum
Wie schon der neue Q7, basiert auch der A4 auf dem weiterentwickelten Modularen Längsbaubaukasten (MLB evo). Bei den Abmessungen hat sich nur wenig geändert, der Avant ist 26 Millimeter länger und etwa 16 Millimeter breiter als der Vorgänger, die Höhe ist in etwa gleich geblieben. Der Radstand ist um zwölf Millimeter gewachsen. Das klingt nach nicht viel, aber wie wir bei der Sitzprobe gemerkt haben, ist im Fond der Zuwachs von 2,3 Zentimeter Kniefreiheit schon spürbar. Der Kofferraum des Avant hat um 15 auf 505 Liter zugelegt, der Maximalwert mit umgelegten Rückbänken beträgt nun 1.510 Liter – das sind im Vergleich zu den Erzkonkurrenten BMW 3er Touring (495 bis 1.500 Liter) und Mercedes C-Klasse T-Modell (490 bis 1.510 Liter) schon respektable Werte. Die Limousine bietet nach wie vor einen 480-Liter-Kofferraum.

Bis zu 120 Kilo leichter
Dank verschiedener Leichtbaumaßnahmen (unter anderem sind beim Avant die Heckklappe und die Federbeindome aus Aluminium) hat der Mittelklässler je nach Motorisierung und Ausstattung bis zu 120 Kilogramm abgespeckt. Das drosselt den Spritdurst ebenso wie die feingeschliffene Aerodynamik. Die Limousine kommt nun auf einen extrem niedrigen cw-Wert von 0,23, der Avant auf 0,26. Erreicht wurden die Ergebnisse unter anderem durch zwei neue Lufteinlässe in der Frontschürze, eine neuartige Unterbodenverkleidung und den neuen Platz der Außenspiegel, die nun auf den Türen sitzen.

Vorn mehr Platz
Auf den vorderen Plätzen sitzen wir mit überraschend viel Schulter- und Kopffreiheit. Wie uns A4-Chefentwickler Michael Neumayer erklärt, wurde der gewachsene Platz vor allem durch Änderungen an den Türverkleidungen und dem Dachhimmel erreicht. Gut gefallen uns die neu entwickelten, körperbetonten Sitze. Bei unserem Erstkontakt empfanden wir sie als straff, aber bequem – wir sind gespannt, wie sie sich bei längerer Fahrt schlagen.

Head-up-Display und Touch-Knopf am MMI
Hinter dem Lenkrad gibt es nun auf Wunsch das virtuelle Cockpit mit 12,3-Zoll Diagonale, das bereits für TT und Q7 angeboten wird. In der Mittelkonsole sitzt ein tabletartiger, schlanker Monitor, der je nach verbautem Navigationssystem sieben oder 8,3 Zoll groß ist. Außerdem kann man nun auch ein Head-up-Display bestellen. In puncto Entertainment wird gegen Aufpreis nochmals gehörig aufgerüstet: So gibt es den LTE-Standard für eine schnelle Datenübertragung, einen WLAN-Hotspot und eine ,Phone Box" – das ist ein Fach, in dem sich Smartphones induktiv laden lassen. Das bekannte MMI-System kann nun auch mit berührungsempfindlicher Oberfläche auf dem Dreh-Drückrad bestellt werden – hier lassen sich mit den Fingern Zeichen schreiben oder in die Navikarte zoomen. Zudem hat das MMI eine übersichtlichere Menüstruktur bekommen und wird nun mit weniger Tasten bedient. Als nette, aber überflüssige Spielerei empfinden wir das neue optionale LED-Ambientelicht: In der Top-Version können wir 30 Farben auswählen, in denen dann verschiedene Bereiche, wie zum Beispiel die Becherhalter, im Dunkeln sanft erstrahlen.

Neu: Abbiege-Helfer und Effizienzassistent
Bei den Assistenten und Sicherheitssysteme bietet der neue A4 das volle Programm. Zu den bekannten Features wie Spurverlassens- und Totwinkelwarner, Spurhalteassistent und Abstandstempomat mit Staufolge-Funktion gesellen sich nun optional auch ein Abbiege-Assistent (bremst bis zum Stillstand, wenn der Fahrer beim Linkabbiegen den Gegenverkehr übersehen könnte), ein Ausweichassistent (unterstützt die Lenkung beim Umfahren eines Hindernisses, wenn ein Unfall vermieden werden kann) und ein sogenannter prädikativer Effizienzassistent. Der passt die gewählte Geschwindigkeit an die Strecken-Topografie, Tempolimits oder vorausfahrende Fahrzeuge an und gibt dem Fahrer Hinweise, wann er sein Tempo rechtzeitig verringern sollte, weil zum Beispiel eine Kurve naht. Der Effizienzassistent arbeitet unter anderem mit der Verkehrszeichenerkennung, dem Navigationssystem und dem Abstandstempomaten zusammen.

Zunächst drei Benziner und vier Diesel
Zum Marktstart im November 2015 wird der A4 mit drei Vierzylinder-TFSI- und vier TDI-Motoren zu haben sein. Im Vergleich zum Vorgänger sind die Motoren sparsamer geworden, die Benziner nutzen dafür beispielsweise ein neues Brennverfahren mit kürzerer Kompressionsphase und erhöhter Verdichtung. Der Einsteiger ist der 1.4 TFSI mit 150 PS, darüber ist ein Zweiliter-Otto mit 190 beziehungsweise 252 PS angesiedelt. Der Schwächere von beiden treibt eine auf Sparsamkeit getrimmte ,ultra"-Variante an, das Auto soll nur 4,8 Liter Sprit verbrauchen und 109 Gramm CO2 emittieren. Bei den Dieselantrieben gibt es einen Zweiliter-Vierzylinder mit 150 oder 190 PS, sowie zwei Dreiliter-Sechszylinder mit 218 und 272 PS. Zu einem späteren Zeitpunkt soll noch ein kleiner Zweiliter-TDI mit 122 PS folgen.

Plug-in-Hybrid ,theoretisch möglich"
Dass auch ein Plug-in-Hybrid kommt, wurde uns auf Nachfrage nicht bestätigt, laut Audi-Pressesprecher Josef Schlossmacher wäre er dank der MLB-evo-Struktur wie beim Q7 ,theoretisch möglich". ,Wir müssen da aber erst die Marktchancen abchecken", sagt Schlossmacher. Fest steht jetzt bereits, dass ab Ende 2016 eine Erdgasvariante namens ,g-tron" mit 170 PS starkem Zweiliter-TFSI-Motor angeboten wird. Auch der S4 soll im kommenden Jahr erscheinen, zur Motorisierung (wir rechnen mit gut 350 PS) gibt es aber noch keine Informationen. Wann das Top-Modell RS 4, das etwa 500 PS leisten soll, die Bühne betritt, hat Audi noch nicht verraten.

Doppelkupplung, Wandlerautomat und Allrad
Auch beim neuen A4 wird es verschiedene Arten der Kraftübertragung geben. Die manuelle Sechsgang-Handschaltung wurde überarbeitet und um 16 Kilogramm abgespeckt. Diese Box ist bei allen Ottomotoren und den beiden Vierzylinder-Dieseln Serie. Optional ist ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe bestellbar, beim 218-PS-Diesel ist es ebenfalls ab Werk an Bord. Der stärkste Selbstzünder bekommt ab Werk eine neu entwickelte Achtgang-Wandlerautomatik. Wie gehabt, gibt es den Allradantrieb quattro. Für den 245-PS-Otto und die beiden mittleren Diesel ist er gegen Aufpreis zu haben, der Top-Selbstzünder hat ihn immer dabei. Dieses Modell lässt sich ab 2016 auch mit einem Sportdifferenzial für die Hinterachse bestellen. Gespannt sind wir, wie sich das neue Fahrwerk des A4 auf das Fahrverhalten auswirkt. Hinten wird statt einer Trapezlenkerachse wie beim Vorgänger eine Fünf-Lenker-Konstruktion eingesetzt, die vordere Fünf-Lenker-Konstruktion wurde überarbeitet. Zudem haben die Audi-Ingenieure die Dämpfer überarbeitet und neu abgestimmt.

Ab zirka 30.700 Euro
Die wichtigste Frage bleibt die nach dem Preis. Leider gibt es hierzu noch keine exakte Zahl, der A4 dürfte aber ab etwa 30.700 Euro als Limousine mit 1.4-TSI-Motor zu haben sein. Allerdings dürfte die Zahl sehr schnell nach oben klettern, denn die meisten der genannten (und nützlichen Features) werden nur gegen Aufpreis zu haben sein – dazu gehören übrigens auch LED-scheinwerfer oder Maxtrix-LED-Scheinwerfer nebst dynamischem Blinklicht.

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