VW arbeitet an seiner Internationalisierung

In Europa wird der VW-Konzern künftig seinen PKW-Absatz wohl kaum mehr stark steigern können, schon gar nicht nach dem Dieselskandal. Deshalb sucht der Konzern nun offenbar verstärkt nach anderen Betätigungsfeldern – auf anderen Kontinenten und im Bereich der Nutzfahrzeuge.

Elektrofahrzeuge für China
So will VW in China künftig zusammen mit dem lokalen Hersteller JAC (Anhui Jianghuai Automobile) Elektrofahrzeuge entwickeln, produzieren und vertreiben. Dazu soll zunächst die Gründung eines Joint Venture erörtert werden. ,Wir wollen in der Elektromobilität eine führende Position einnehmen", erklärt VW-Chef Matthias Müller den Schritt. Die Kooperation mit JAC werde aber nicht nur für die beiden Unternehmen, sondern auch für ,unsere Kunden, die Umwelt und die chinesische Bevölkerung" ein Gewinn sein. Im ersten Halbjahr 2016 hat JAC rund 334.000 Fahrzeuge und Fahrwerke ausgeliefert, darunter vor allem Nutzfahrzeuge, aber auch SUVs und Limousinen der Marken Jianghuai und Ankai. Der Absatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben steigt dabei massiv an – im letzten Jahr um über 260 Prozent.

Zugang zum US-Markt
Auch will der VW-Konzern künftig im nordamerikanischen Nutzfahrzeugmarkt mitmischen – dort ist die Gruppe bislang noch nicht mit LKWs und Bussen vertreten. Dazu geht Volkswagen Truck & Bus (dazu gehören vor allem MAN und Scania) eine Allianz mit dem US-Hersteller Navistar ein. VW erwirbt 17 Prozent von Navistar und kooperiert bei Technologie, Einkauf und Belieferung. Während VW so den US-Markt ins Visier nehmen kann, soll Navistar von den VW-Antriebstechnologien profitieren und seine Liquidität verbessern. Auch hier ist die Gründung eines Joint Venture geplant. Navistar stellt LKW der Marke International und Busse der Marke IC Bus her.

Alter Polo für Kenia
In Afrika ist VW schon seit Langem präsent. In Südafrika wurde bis 2010 der Golf I gefertigt und mit großem Erfolg verkauft. Seit 2010 wird dort der Polo Vivo produziert, die bei uns bis 2009 gebaute Generation IV des Polo. Auch der Kleinwagen ist ein Erfolg, er avancierte zum meistgekauften PKW-Modell der Sub-Sahara-Region. Nun will VW das Auto auch in Kenia bauen, und zwar aus vorgefertigten Einzelteilen und Baugruppen. Diese so genannte CKD-Produktion (Completeley Knocked Down) wird meist angewendet, um hohe Importzölle auf fertige Autos zu umgehen. Ab 2017 sollen bei Nairobi bis zu 5.000 Stück vom Polo Vivo produziert werden. Die Fertigung in Kenia ist für VW nicht neu: Schon in den 60er-Jahren wurde dort der Käfer montiert.

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