Unterwegs im spanischen SUV-Bruder des Skoda Kodiaq

Es sind Drillinge! Dieser frohlockende Ausruf kommt nicht etwa von einem werdenden Vater. Vielmehr denkt man bei der Produktplanung im Volkswagen-Konzern so. Nach dem Skoda Kodiaq und dem VW Tiguan Allspace startet bald der dritte SUV-Ableger im XL-Format auf den Markt. Sagen Sie Hallo (oder eher Hola!) zum Seat Tarraco. Wo liegen seine Qualitäten? Zeit für einen ersten Test!

Was ist das?

Apropos Drillinge: Der Seat Tarraco komplettiert nicht nur das Konzerntrio großer SUVs auf Basis der MQB-A-LWB-Plattform (LWB: Long Wheelbase, langer Radstand), sondern ist auch bislang der letzte Baustein in Seats SUV-Portfolio. Dort rundet er das Angebot aus Arona und Ateca nach oben ab. Komisch nur, dass nicht noch ein Name mit A frei war, weshalb der Tarraco nach der spanischen Stadt Tarragona benannt ist. Gebaut wird das neue Spitzenmodell der Marke aber in Wolfsburg.

Dafür ist das Tarraco-Design deutlich aufregender als sein Produktionsort. Wie so oft im Konzern (man denke an den Ibiza) sorgt Seat für dynamische Linien. Sind der Skoda Kodiaq eher kantig und der VW Tiguan Allspace mehr rundlich, so liegt der Taracco irgendwo dazwischen: Eine relativ spitze Nase mit markantem Grill (für die Außen- und Innenbeleuchtung des SUVs wird serienmäßig ausschließlich LED-Technologie verwendet) und ein ansehnliches Heck. Dazwischen eine Sicke auf Höhe der Türgriffe, die das Fahrzeug optisch streckt. Kommt Ihnen bekannt vor? Tatsächlich übernimmt der Tarraco besagte Sicke samt der Türen vom VW Tiguan Allspace.

Wie groß ist der Seat Tarraco?

Sehen wir uns die Abmessungen des Seat Tarraco genauer an: Mit 4,73 Meter ist er geringfügig länger als ein Skoda Kodiaq und VW Tiguan Allspace, mit beiden gemeinsam hat er aber den Radstand von 2,79 Meter. Breite? 1,84 Meter. Höhe? 1,66 Meter. Wie seine beiden Kollegen gibt es auch den Tarraco als Fünf- oder Siebensitzer. Die dritte Reihe ist indes auf Kinder zugeschnitten, Erwachsene sollten gar nicht erst nach hinten krabbeln.

Nun mag manch Seat-Experte sagen: Der Alhambra ist als Siebensitzer doch schon eine Ewigkeit im Programm. Richtig, seit 2010, um genau zu sein. Langfristig könnte ihn der Tarraco beerben, der globale Trend dreht sich gegen Vans zugunsten von SUVs. Vergleichen wir also einmal die Eckdaten beider Modelle: Der Alhambra ist zwölf Zentimeter länger als der Tarraco, in Breite und Höhe legt er jeweils sechs Zentimeter drauf. Beim Kofferraumvolumen mit fünf Sitzen liegt er mit 809 Liter gegenüber 760 Liter beim Tarraco jedoch nicht weit weg. Erst bei kompletter Nutzung des Raums hinter Fahrer und Beifahrer kann sich der Alhambra absetzen: 2.430 versus 1.920 Liter lautet das Resultat.

"Im Fond würden sich sogar Passagiere mit Schuhgröße 60 wohlfühlen"

Derart viel Stauraum benötigt man allerdings höchst selten, wichtiger ist das Platzangebot für die Insassen. Hier trumpft der Seat Tarraco auf: Im Fond würden sich sogar Passagiere mit Schuhgröße 60 wohlfühlen und auch vorne geht es luftig zu. Im Cockpit haben es die Spanier geschickt vermocht, den Kostendruck zu kaschieren. Trotz viel Hartplastik peppen Metalleinlagen an den richtigen Stellen und Türverkleidungen aus Stoff das Ambiente auf. Einfach, aber ansehnlich! Unser Tipp sind die Zierleisten in dunkler Holzoptik.

In Sachen Infotainment wird nicht gegeizt: Digitale Instrumente sind immer serienmäßig, hinzu kommt ein hoch angeordneter Acht-Zoll-Touchscreen. Darüber hinaus ist Amazons virtueller und sprachgesteuerter Assistent Alexa verfügbar. Der Tarraco ist zudem der erste Seat mit Gestensteuerung, sofern man das Navi Plus bestellt. Probleme wirft die allgemeine Bedienung nicht auf, lediglich der Startknopf wäre am Lenkrad besser aufgehoben.

Und was steckt unter der Haube?


Welche Motoren startet man damit? Auf Benzinerseite einen 1.5 TSI mit 150 PS und Frontantrieb oder einen 2.0 TSI mit 190 PS, DSG und Allrad. In einem großen SUV wie dem Seat Tarraco bleibt der Diesel unverzichtbar, das Zweiliter-Aggregat gibt es mit 150 und 190 PS. Die stärkere Ausführung kommt stets mit Allrad und DSG, beim schwächeren Motor ist diese Kombination auf Wunsch bestellbar. 2020 ergänzt ein Plug-in-Hybrid das Antriebsportfolio. Seine vorläufigen Eckdaten: rund 210 PS, 400 Newtonmeter Drehmoment und etwa 50 Kilometer elektrische Reichweite.


Ebenfalls 400 Newtonmeter Drehmoment sprechen auf dem Papier für den 190-PS-Diesel, in der Realität merkt man diese Kraft nicht so sehr. Besonders beim Anfahren wirkt der Motor schwerfällig, gefühlt versickert einiges im DSG. Ein Blick in die technischen Daten klärt auf: Der Selbstzünder-Tarraco mit 190 PS und Allrad wiegt leer 1,8 Tonnen, während das Basismodell mit kleinem Benziner und Frontantrieb 200 Kilogramm leichter ist. Eine Empfehlung ist der 190-PS-Diesel daher nur für ausgewiesene Vielfahrer und Freunde hoher Anhängelast: Sie beträgt 2,3 Tonnen.

"So ist der Basismotor quasi die goldene Mitte für die Mittelschicht."


Allen anderen Autofahrern, die einen Seat Tarraco begehren, möchte ich den 1.5 TSI mit Frontantrieb empfehlen. Abseits von Berghütten und ähnlichen Dingen reicht diese Kombination völlig aus. Bemerkenswert laufruhig geht der 150-PS-Benziner seiner Arbeit nach, von der temporären Zylinderabschaltung merkt man nichts. Ab 1.500 Umdrehungen liegen 250 Newtonmeter an und das bis 3.500 Touren. Schön gleichmäßig wird einem die Butter aufs Brot geschmiert, wenngleich nicht daumendick. Aber wer fährt im Alltag schon Wettrennen?

So ist der Basismotor quasi die goldene Mitte für die Mittelschicht. Dazu passen sowohl Lenkung als auch Fahrwerk: Beide Elemente geben sich unauffällig, selbst mit optionaler 20-Zoll-Bereifung rollt der Tarraco nicht unwirsch ab.

Seat bietet optional außerdem eine Fülle zusätzlicher Fahrerassistenzsysteme an – unter anderem sind Ausparkassistent, Notfallassistent, Totwinkel-Assistent, Verkehrszeichenerkennung, Stauassistent, Spurhalteassistent und Fernlichtassistent an Bord.

Das Umfeldbeobachtungssystem Front Assist mit Radfahrererkennung, Spurhalteassistent und Notruf ist standardmäßig in allen Ausführungen enthalten, während die Adaptive Cruise Control (ACC) mit Abstandsradar beim Tarraco ab der Ausstattungsvariante Xcellence serienmäßig ist. Apropos Ausstattungen: Los geht es mit „Style“, darüber rangiert „Xcellence“. Eine sportlich angehauchte FR-Variante wird nachgereicht.

Wann kann ich den Tarraco kaufen?

Marktstart für den Seat Tarraco ist im Februar 2019, die Preise beginnen bei 29.980 Euro. Damit reiht er sich bei gleichem Motor zwischen dem Skoda Kodiaq (28.200 Euro, aber ohne serienmäßiges Digitalcockpit) und dem VW Tiguan Allspace (30.875 Euro, auch nicht digital) ein. Interessant ist der hauseigene Vergleich mit dem Seat Alhambra: Dieser kostet mit dem älteren 1.4 TSI und 150 PS 31.820 Euro.

Fazit: 8 von 10

Nicht erst mit dem Tarraco beweist Seat, wie meisterhaft man dort Volkswagen-Konzerntechnik verpacken kann. Besonders mit dem 1.5 TSI überzeugt das große SUV auf ganzer Linie. Ein opulentes Platzangebot in moderner Verpackung plus fairem Preis-Leistungsverhältnis dürfte viele Familien mit Van zum Umstieg bewegen. Das derzeit beste Auto aus Wolfsburg trägt ein S im Kühlergrill.

Seat Tarraco 1.5 TSI 4x2

Motor Vierzylinder-Turbobenziner, 1.498 ccm
Leistung 110 kW (150 PS) bei 5.000 - 6.000 U/min
Max. Drehmoment 250 Nm bei 1.500 bis 3.500 U/min
Getriebeart manuelle Sechsgang-Schaltung
Antrieb Frontantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 9,7 s
Höchstgeschwindigkeit 201 km/h
Verbrauch 7,3 - 8,0 l (WLTP)
Emission 165 - 182 g/km (WLTP)
Länge 4.735 mm
Breite 1.839 mm
Höhe 1.658 mm
Kofferraumvolumen 760 - 1.920 LIter (5-Sitzer)
Leergewicht 1.599 kg (5- Sitzer)
Zuladung 621 kg (5-Sitzer)
Marktstart Februar 2019
Basispreis 29.980 Euro

Bildergalerie: Seat Tarraco (2019) im Test