Zwei neue Benziner im Test: 120 oder 150 PS aus 1,4 Liter Hubraum

Ein VW Golf brauchte im Jahr 1992 noch einen Hubraum von 1,8 Liter, um eher bescheidene 75 PS zu erzeugen. Heute zaubern die Ingenieure ungleich mehr Leistung aus dem gleichen Motorvolumen. Kommt noch eine Aufladung hinzu, dann wachsen auch winzigen Motoren Herkuleskräfte zu. Und natürlich gibt es ein Fremdwort dafür: Downsizing. Nun hat sich auch Fiat diesem Trend verschrieben und präsentiert zwei 1,4-Liter-Motoren mit 120 und 150 PS. Der schwächere kommt im Grande Punto zum Einsatz, der stärkere im Bravo. Wir haben beide Autos für Sie gefahren.

Keine Direkteinspritzer
Die zwei neuen Aggregate wurden von Fiat selbst entwickelt. Sie basieren auf dem bekannten 1,4-Liter-Vierventiler. Der Fiat-Konzern setzt bei den kleineren Motoren auf die konventionelle Saugrohreinspritzung, nicht auf die Benzindirekteinspritzung, die beispielsweise bei VW in den weit verbreiteten FSI-, TFSI und TSI-Motoren einsetzt. Auch BMW führt derzeit bei den kleineren Aggregaten diese Spritspartechnik ein. Gefragt, warum man den Kraftstoff nicht direkt injiziert, antwortet man bei Fiat schlicht: Es war zum Erreichen der Verbrauchs- und Emissionsziele nicht nötig. Auch so kann Fiat stolz sein, der einzige Hersteller zu sein, der eine Flottenemission von unter 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer vorweisen kann. In den größeren Motoren verschiedener Alfa-Modelle setzen die Italiener aber sehr wohl die Benzindirekteinspritzung ein.

Kompressor oder Turbo
Die neuen T-Jet-Motoren setzen nicht auf Benzindirekteinspritzung oder auf Hubraum, sondern auf einen wassergekühlten Turbolader. Der ist bei den beiden Autos aber unterschiedlich ausgelegt: im Punto eher auf dynamisches Hochdrehen aus niedrigen Tourenzahlen, im Bravo aber auf hochtouriges, also sportliches Fahren. Dem entsprechend hat der Bravo eine größere Turbine, die mehr Ladedruck erzeugt, aber auch erst später anspringt. Der Grande Punto hat ein kleineres Schaufelrad, das schon bei niedrigem Abgasdruck für Dampf sorgt. Aber auch die Hubhöhen und die Einstellwinkel der Nockenwellen sind bei den beiden Versionen des T-Jet Motors unterschiedlich.

Neuer Top-Benziner für den Grande Punto
Der Grande Punto wurde bisher mit drei Benzinern angeboten, die 65 bis 95 PS liefern. Nun kommt die 120 PS starke T-Jet-Version hinzu, die wie der bisherige Topmotor mit 95 PS einen Hubraum von 1,4 Liter besitzt. Das Besondere an dem Motor ist das hohe Drehmoment: 206 Newtonmeter stehen zur Verfügung, und hier kann sich der Benziner mit gleich großen Dieseln messen. Turbobenziner wie der T-Jet haben aber gegenüber Dieseln noch den Vorteil, dass sie in einem breiten Drehzahlband über Drehmoment verfügen: Während bei Turbodieseln meist bei 3.500 Touren schon wieder Schluss ist, kann man bei einem Benziner munter weiterdrehen. Beim T-Jet stehen zwischen 1.800 und 4.500 Touren 90 Prozent des Maximaldrehmoments parat. Mit dem Motor sprintet der von Giugiaro gestaltete Kleinwagen in 8,9 Sekunden auf Tempo 100. Der von Fiat angegebene Verbrauch von 6,6 Liter auf 100 Kilometer ist dennoch moderat. Er liegt nur zehn Prozent über der 95-PS-Version, die mit 11,4 Sekunden deutlich länger für den Sprint benötigt.

Schöner Schub
In der Praxis hinterlässt das Aggregat einen ordentlichen Eindruck. Schon ab 2.000 Touren kann man damit beschleunigen – genau wie bei einem Diesel. Ein Turboloch haben wir nicht bemerkt. In den höheren Drehzahlregionen lässt der Schub nicht nach. Allerdings wird der Motor etwas laut und dröhnt ab 4.500 U/min. Längere Autobahnfahrten jenseits von 170 km/h werden deshalb mit dem serienmäßigen Fünfgang-Getriebe etwas unangenehm.

Deutlich mehr Fahrspaß im Bravo
Waren wir vom Grande Punto 1.4 16V T-Jet ganz angetan, so weckt der Kompaktwagen Bravo regelrecht Begeisterung. Wir hatten erwartet, dass der Kompakte sich nicht wesentlich sportlicher zeigen würde als der schwächer motorisierte, dafür aber leichtere Grande Punto. Positive Überraschung: Mit dem Bravo hatten wir wesentlich mehr Fahrspaß als mit dem Grande Punto. Ein Turboloch, wie es aufgrund des etwas größeren Laders möglich wäre, bemerkten wir auch hier nicht.

Nun drei Benziner im Bravo
Beim Bravo gab es bisher nur einen einzigen Benziner, einen 1,4-Liter mit 90 PS. Nun kommen zwei T-Jet-Motoren hinzu: ab Herbst 2007 das gleiche Aggregat wie im Grande Punto mit 120 PS sowie ab sofort die von uns gefahrene Version mit 150 PS. Letztere bringt den Bravo mit dem serienmäßigen Sechsgang-Getriebe in 8,5 Sekunden auf Tempo 100, also nur wenig schneller als der Grande Punto mit dem 120-PS-Motor benötigt. Das maximale Drehmoment ist in der gefahrenen Sport-Version aber mit 230 Newtonmeter nochmal etwas höher – vorausgesetzt, der nur in dieser Variante verfügbare Sportmodus wurde mit einem Tastendruck aktiviert. Dann wird der Ladedruck erhöht, was man als Overboost bezeichnet. Damit steigt das Drehmoment von 206 auf die genannten 230 Newtonmeter. Dabei bleibt das Wastegate-Ventil geschlossen. Dieses Ventil leitet ansonsten ab einem bestimmten Druck die Abgase von der Turbine weg, was eine niedrigere Verdichtungsleistung zur Folge hat.

Konkurrenzvergleich: Günstiger Grande Punto
Beim Grande Punto ist die T-Jet-Version mit 120 PS ab 15.380 Euro zu haben; das sind 1.160 Euro mehr als die 95-PS-Version kostet. Die Einstiegsversion ist ein Dreitürer in Dynamic-Ausstattung. Dabei sind sechs Airbags, ESP, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorn, elektrisch einstellbare Außenspiegel und eine Klimaanlage Serie. Preislich sieht der kräftige Kleinwagen im Konkurrenzvergleich ganz gut aus. Die größten Player im Kleinwagensektor, den VW Polo, den Opel Corsa und den Ford Fiesta, gibt es nicht mit vergleichbaren Benzinern. Der Peugeot 207 Sport mit 120 PS aber kostet 16.300 Euro, also fast 1.000 Euro mehr. Sein nicht aufgeladener 1,6-Liter-Motor bringt nur 160 Newtonmeter. Spritverbrauch und Spurtwert sind vergleichbar mit dem Fiat.

Bravo ebenfalls nicht teuer
Den Bravo gibt es mit dem 150-PS-Motor ab 19.900 Euro, was 3.000 Euro mehr sind, als die 95-PS-Version kostet. Dafür bekommt man den Dynamic mit den beim Bravo serienmäßigen fünf Türen. Zum Vergleich: Der fünftürige VW Golf 1.4 TSI Comfortline mit 140 PS ist mit 22.050 Euro deutlich teurer. Mit dem doppelt aufgeladenen Direkteinspritzer kommt der Golf in 8,8 Sekunden auf Tempo 100, womit der Wolfsburger eine Spur langsamer ist als der Fiat – aber nur hinter dem Komma. Auch der Spritverbrauch ist fast identisch. Wirklich Benzin sparen kann man mit dem neuen BMW 118i, der mit seinen 143 PS nur 5,9 Liter Sprit benötigt, aber als Fünftürer auch 23.550 Euro kostet. Das ist über ein Liter weniger als der TSI-Golf und der T-Jet-Bravo brauchen.

Bildergalerie: Fiat schrumpft Motoren