Vergleich: Citroën C4 Picasso HDi 135 vs. VW Touran 2.0 TDI

Wenn man bei einem Automobil die Rücksitze komplett umklappen, einen Tisch an der Rücklehne der Vordersitze hochklappen und die Brieftasche beim Bezahlen rechtzeitig zuklappen kann, spricht man von einem ,Familienauto", in das die Gattin (oder der Gatte), zwei Kinder, der Hund und eine Reihe von Koffern prima hineinpassen. Dass es bezahlbar ist, schick aussehen sollte und auch noch spaßbringend fahrbar sein muss, ohne die Umweltkomponente außer Acht zu lassen, versteht sich von selbst. Doch die Auswahl am Markt wird ebenso größer, wie die Ansprüche an ein solches Mobil wachsen. Viele Hersteller haben mittlerweile einen Kompaktvan im Angebot. Zwei typische Vertreter dieser Klasse sind der Citroën C4 Picasso und der VW Touran. Beide sind sich ähnlich, aber dennoch verschieden. Wir haben sie verglichen.

MOTOR/GETRIEBE
Für unseren Vergleich haben wir die Testkandidaten mit Zweiliter-Dieselmotoren gewählt. Beide sind jeweils Vierzylinder mit vier Ventilen. Auch die Leistungen sind nahezu identisch: Der Citroën wird von 135 PS vorangebracht, der VW von 140 PS. Unsere Vergleichskandidaten sind mit einem Sechsgang-Getriebe ausgerüstet. Doch während man beim Wolfsburger die Gänge klassisch mit der Hand einlegt, übernimmt Kuppeln und Schalten im C4 Picasso eine Automatik. ,ESG 6" – elektronisch gesteuertes Sechsgang-Getriebe – nennt Citroën diese Annehmlichkeit.

Wählhebel am Lenkrad
Bleiben wir gleich beim Citroën: Mit einem kurzen, leichten Fingerdruck am kleinen Hebel hinter dem Lenkrad schaltet man nach dem Starten des Motors ganz lässig auf ,A" wie Automatik und kann auch schon losfahren. Der Common-Rail-Selbstzünder arbeitet recht leise, ist allerings auch kein Familienflüsterer. Vom Start weg kommt der C4 Picasso ganz ordentlich in Fahrt, braucht aber etwas Zeit, um die Drehzahl-Kellertreppe zu erklimmen. Im mittleren Drehzahlbereich gibt es dagegen nichts auszusetzen: Dann zieht der Picasso ordentlich und dieseltypisch druckvoll los. Bei 2.000 Touren liegen immerhin 270 Newtonmeter Drehmoment an. Dennoch ist der Sprintwert auf Tempo 100 mit 13,1 Sekunden nicht gerade eine Traumzahl. Die Spitze beziffert der Hersteller mit 195 km/h. Dafür ist die Schalt-Automatik in Ordnung.

Am Lenkrad schalten
Wer einen sanften Gasfuß hat, kann den C4 zu relativ ruckarmem Schalten bringen, nur die Pausen zwischen den Gängen dürften etwas kürzer sein. Wer mag, kann auch mit Paddles am Lenkrad selbst schalten. Ob es allerdings nötig ist, einen Kompaktvan wie einen Formel-1-Boliden zu bedienen, muss jeder für sich entscheiden. Schalten funktioniert im Test-VW ganz klassisch am Hebel in der Mittelkonsole. Das Getriebe ist VW-gewohnt knackig, die Box lässt sich über kurze Wege bedienen. Im Vergleich zum Citroën klingt der Pumpe-Düse-Diesel des VW etwas lauter und rauer. Dafür setzt er sich vom Start weg wesentlich spritziger in Bewegung und bietet im mittleren Tourenbereich viel Druck beim Gasgeben. 320 Newtonmeter Drehmoment liegen bei 2.000 Touren an. Fast drei Sekunden früher als der C4 erreicht der Wolfsburger die 100er-Marke auf der Tachoscheibe und erreicht eine Spitze von 200 km/h. Beim Durst ergeben sich aber etwas größere Unterschiede: Die Hersteller geben den Verbrauch jeweils mit 6,1 Liter an. Bei zügiger Fahrweise haben wir mit dem VW 7,4 Liter verbraucht, der Citroën nahm sich 8,2 Liter.

FAHRWERK/LENKUNG
Eine wesentlich Rolle für die Kaufentscheidung bei einem Auto spielt die Härte des Fahrwerkes. Beide Marken haben einen klassischen Ruf, was die Fahrwerksabstimmung angeht. Und auch in unserem Test erfüllen beide Kandidaten artig ihre Klischees. Der Citroën hat eindeutig den weicher abgestimmten Unterbau. Er federt Unebenheiten gut weg, muss aber bei kurzen Querrillen passen und meldet diese poltrig nach innen. Klar, das der Schwerpunkt Komfort zu Lasten der Sportlichkeit geht: Die Karosserieneigung bei scharf gefahrenen Kurven ist deutlich höher als beim Touran. Dafür ist der VW härter ausgerichtet und holpert schon mal über die eine oder andere Schwelle. Auf schlechten Straßen würde man sich die Dämpfung ein wenig weniger straff wünschen.

Direktere Lenkung
Auch in punkto Lenkung hat der Volkswagen mehr Direktheit zu bieten. Lenkbefehle werden umgehend umgesetzt, der Touran lässt sich exakt händeln. Die Lenkung beim Testkandidaten aus Frankreich ist recht indirekt und gibt zu wenig Feedback von der Straße. Diese Abstimmung macht den C4 insgesamt mehr zum Cruiser und zum gemütlichen Reiseauto für lange Strecken. Dem VW gibt man doch gern hin und wieder mal die Sporen, vor allem, wenn eine Serpentinenstrecke lockt. Bei beiden Kandidaten muss man sich dennoch keine Gedanken machen, dass die Fliehkräfte unkontrolliert überhand nehmen könnten. Beide haben serienmäßig ein elektronisches Stabilitätsprogramm an Bord. Beim Citroën dürfte die Antriebsschlupfregelung aber gern früher greifen, denn beim scharfen Anfahren auf feuchter Fahrbahn drehen die Räder einen Tick zu lange durch.

INNENRAUM/PLATZ
,VisioVan" nennt Citroën seinen fünfsitzigen C4 Picasso und spätestens nach dem Einsteigen weiß man, dass diese Bezeichnung sogar doppelt zu nehmen ist. Zum einen lässt die weit ins Dach gezogene Panoramafrontscheibe sehr viel Licht in den Kopfraum. Die Bezeichung ,Cabriofeeling" ist dafür noch untertrieben, denn selbst ein Cabrio hat an dieser Stelle noch einen Rahmen der Frontscheibe. Bei starkem Gegenlicht kann man dieses gewonnene Stück Himmel mittels verschiebbarer Sonnenblenden wieder abdunkeln. Auch der Rest der Armaturentafel passt zum Begriff ,Visionen": Die mittigen Instrumente mit Digitalanzeigen und die Klimaautomatik-Displays jeweils neben den Türen erwecken den Eindruck, ein Concept Car erklommen zu haben. Leider lässt die Bedienung im C4 zu wünschen übrig. Mehr als ein Dutzend Funktionen lassen sich am feststehenden Kranz des Lenkrades aus bedienen, aber die Suche nach dem richtigen Knopf macht es auch nach einer Woche C4-Fahren noch schwierig, beispielsweise schnell von der Navigation auf das Radio umzuschalten. Die Anzeige der Instrumente in der Mitte des Cockpits ist nicht jedermanns Sache: Der Blick huscht zu oft von der Straße weg zu den Intrumenten hin, um die Werte für Drehzahl und Geschwindigkeit abzulesen.

Staufächer im Armaturenbrett
Praktisch sind allerdings zwei Staufächer im Armaturenbrett: In dem Fach auf der Beifahrerseite ist der CD-Wechsler untergebracht. Noch mehr praktische Ablagen allerdings bietet der VW: Beispielsweise am Dachhimmel finden sich Fächer für die Sonnenbrille oder Parkmünzen. Aber auch die Interieur-Gestaltung des VW ist eher auf Nutzen und Praktikabilität als auf stylistische Gestaltung ausgelegt. Hinter dem Lenkrad findet man vertraute Rundinstrumente, die Klimaautomatik wird an drei Drehreglern gesteuert und auch die Einheit aus Radio und Navisystem lässt sich per Touchscreen fast selbsterklärend bedienen.

Citroën weich gepolstert
Bei beiden Autos ist man auf den vorderen Plätzen langstreckentauglich untergebracht. Aber auch in diesem Punkt erfüllt der Picasso das Vorurteil des komfortbetonten Franzosen: Seine Sitze sind weich gepolstert und dürften den Oberschenkeln gern mehr Halt zur Seite hin bieten. Armlehnen sind Fahrer und Beifahrer gute Stützen. Der VW bietet ein eher straff ausgelegtes Gestühl mit genügend Seitenhalt.

Beide mit drei Einzelsitzen im Fond
Schauen wir nach hinten: Der Citroën hat drei Einzelsitze, die sich in der Länge verschieben lassen. Zudem kann die Lehne in der Neigung verstellt werden. Die Kniefreiheit ist nicht üppig, aber bei ganz nach hinten geschobenem Sitz akzeptabel. Große Menschen könnten mit der Schulterfreiheit Probleme bekommen. Rollos an den Fenstern und Klapptische an den Lehnen der Vordersitze versüßen den Aufenthalt im Fond. Auch der VW bietet einzelne Sitze, die längs verschoben werden können. Im Gegensatz zum Citroën lassen sie sich nach vorn wickeln oder ganz ausbauen. Knie und Kopf finden genügend Raum, auch der Schulterschluss ist bei einer Dreier-Besetzung nicht ganz so eng. Zudem kann beim Touran die Lehne des Beifahrersitzes geklappt werden. Das schafft Platz für lange Gegenstände.

Ausreichend große Stauabteile
Die Stauabteile beider Kompaktvans sind für den Alltagseinsatz ausreichend groß, wobei der VW je nach Sitzkonstellation jeweils um die 200 Liter mehr Volumen bietet. Jeder der Familien-Transporteure lässt sich übrigens als Siebensitzer bestellen: Beim VW kostet diese Option 660 Euro Aufpreis. Die beiden Zusatz-Sitze sind dann im Kofferraumboden versenkt und können ausgeklappt werden. Bei Citroën ist der Siebensitzer allerdings ein eigenes Modell: Der Grand C4 Picasso genannte Vielsitzer bietet bei gleichem Radstand knapp zwölf Zentimeter mehr an Karosserielänge und hat ebenfalls Klappsitze an Bord.

AUSSTATTUNG/PREIS
Schauen wir auf die Preislisten: In der von uns getesteten Zweiliter-Dieselmotorisierung kostet der Citroën C4 Picasso HDi 135 FAP mit elektronisch gesteuertem Sechsgang-Getriebe in der günstigsten Ausstattung Tendance 27.650 Euro. Der Volkswagen Touran mit 140 PS starkem Zweiliter-Diesel, Partikel-Filter und Sechsgang-Handschaltung ist in der günstigsten Variante Trendline für 28.075 Euro zu haben. Damit ist der Citroën preislich die bessere Alternative: Er bietet nicht nur das automatisierte Getriebe und die große Panorama-Scheibe ab Werk, sondern hat auch gleich die Klimaautomatik dabei.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Beide Kandidaten sind Kompaktvans, beide bieten eine Menge Platz für Kegel und Kind. Und dennoch sind sie recht verschieden: Der Citroën ist ein spaciges Raum-Schiff, das nicht nur wegen seiner Panorama-Frontscheibe zu recht den Beinamen "VisioVan" trägt. Er bietet auch im Cockpit eine extravagante Optik und ungewöhnliche Bedienlösungen. Sein automatisiertes Getriebe, die weichen Sitze und das komfortabel gefederte Fahrwerk machen ihn zum Reiseauto und lassen den spurtschwachen Antrieb in den Hintergrund rücken.

    Der VW ist anders: Seine knackige Bedienung, der agile Motor und der recht straffe Unterbau machen ihn zur Empfehlung für jene, die Spaß am ambitionierten Fahren haben, ohne Qualitäten wie einen super-variablen Innenraum vermissen zu wollen. Und dafür bezahlt man auch gern ein bisschen mehr.

  • Citroën C4 Picasso HDi 135
    80%
    stylische Optik, leiser Motor, gute Sicht
    zu weiche Abstimmung, Bedienungs-Wirrwarr
  • VW Touran 2.0 TDI
    90%
    sportliches Fahrverhalten, spritziger Diesel
    variable Innenraumgestaltung

Familien-Raum