Poser-Flaggschiff: Neuer Avensis beeindruckt nur optisch
Dritte Generation des Mittelklasse-Toyotas als Kombi mit 150-PS-Diesel im Test
Zwei Karosserieformen
Das neue Toyota-Flaggschiff tritt ab 24. Januar 2009 an und wird dann nur noch als viertürige Stufenhecklimousine und als Kombi zu haben sein. Die Schrägheckversion fällt mangels Kundennachfrage weg. Für unseren Test wählten wir den Kombi, der wohl wie beim Vorgänger wieder über 70 Prozent der Verkäufe ausmachen wird. Schon beim ersten Blick auf den Mittelklassetransporteur fällt der deutliche Unterschied zum Vorgänger auf. Die weit nach hinten gezogenen Scheinwerfer stemmen etwas Dynamisches in die Optik, und dieser Eindruck bleibt, wenn man um das Auto herumgeht: Die seitliche Fensterfront sieht ebenso nach Sportkombi aus wie das Heck mit dem Dachspoiler. Optisch positioniert sich der Avensis Combi also als sportliches Auto – wie etwa auch der Ford Mondeo Turnier.
Drei Benziner und drei Diesel
Nicht ganz so sportlich geht es unter der Avensis-Haube zu. Sechszylinder oder starke Turbobenziner wie bei der deutschen Premiumkonkurrenz, aber auch beim VW Passat und Ford Mondeo, sucht man hier vergebens. Für den Antrieb sind hier ausschließlich Vierzylinder verantwortlich, und bei 177 PS ist Schluss. Drei Benziner und drei Diesel stehen zur Auswahl. Dabei haben die Ottomotoren neben einer Ventilzeitverstellung auch eine Ventilhubverstellung auf der Einlassseite – hier hat man mit BMWs Kombination aus Doppel-Vanos und Valvetronic gleichgezogen. Bei den Dieseln gibt es die neueste Common-Rail-Einspritzgeneration mit Piezoventilen und 2.000 bar Druck – das haben bisher nur ganz wenige Autos, und auch der neue BMW 7er muss noch darauf verzichten.
Recht sparsamer Euro-5-Diesel
Die moderne Motorentechnik im Avensis soll weniger zu begeisternden Fahrleistungen führen als vielmehr die Umwelt schonen. Allerdings erfüllen nur die Diesel die Euro-5-Abgasnorm, nicht aber die Benziner. Partikelfilter sind bei allen Selbstzündern Serie, der Top-Diesel besitzt sogar das supersaubere D-Cat-System, das neben dem Dieselstaub auch noch die Stickoxide verringert. Der von uns gefahrene 2,2-Liter-Diesel mit 150 PS ist der mittlere Selbstzünder. Den Spritverbrauch der Testversion mit der serienmäßigen Sechsgang-Schaltung gibt Toyota mit 5,6 Liter auf 100 Kilometer an. Zum Vergleich: Der etwa gleich starke BMW 318d Touring verbraucht laut Werksangabe nur 4,8 Liter. Die Münchner sind hier also deutlich vorne – wie fast bei jedem Vergleich, wenn es um den Verbrauch geht. Schämen muss sich Toyota aber nicht: Ein gleichwertiger Ford Mondeo braucht schließlich gleich 7,1 Liter Diesel. Beim Spritsparen hilft im Avensis zudem serienmäßig eine Schaltpunktanzeige.
Kein sehr dynamischer Eindruck
Aber ein Motor ist ja trotz klammer werdender Haushaltskassen nicht nur zum Sparen, sondern auch zum Gasgeben da. Die 340 Newtonmeter Drehmoment unseres Diesels sollten ja ausreichen, um ein 1,6 Tonnen schweres Auto zu bewegen. Doch wirkt der Selbstzünder wenig sportlich und liefert dazu auch akustisch kein sehr positives Bild ab: Er ist rau und im oberen Drehzahlbereich laut.
Fahrwerk und Cockpit begeistern nicht
Wie der Motor vermittelt auch das Fahrwerk kein sportliches Feeling. Lange nicht so straff wie ein Audi oder BMW, ist der Avensis kein Kurvenräuber, allerdings auch nicht übermäßig komfortabel. Der Innenraum reißt uns ebenfalls nicht zu Begeisterungsstürmen hin. Weder die Mittelkonsole mit ihrer holzartigen Quermaserung noch das Lederimitat am Armaturenbrett wirken so hochwertig, wie man es in der Mittelklasse erwarten darf. Ein VW Golf wirkt edler, ganz abgesehen davon, dass das Cockpit keinerlei sportliches Ambiente verströmt. Die schöne Light-Show, mit der manche Toyota-Modelle den Fahrer beim Einschalten der Zündung überraschen, fehlt hier. Zwar hat auch der Avensis elektrochrome Optitron-Instrumente, doch die orangefarbenen Skalen wirken nicht sehr hochwertig, erinnern eher an bernsteinfarbene Monochrom-Monitore aus der Computer-Frühzeit. Auch das Fehlen der Komfortblinkfunktion, also das dreimalige Blinken bei kurzem Antippen des Hebels, befremdet.
Nicht besonders viel Kofferraum
Das Platzangebot in unserem 4,77 Meter langen Kombi ist der Klasse jedoch angemessen. Vorne wie hinten finden Erwachsene genug Platz. Der Kofferraum ist so gut zugänglich, wie es sich für einen Kombi gehört, und beim Umklappen der Rücksitze ergibt sich ein völlig ebenes Gepäckabteil. Das Kofferraumvolumen ist mit 543 bis 1.609 Liter klassentypisch. Das will allerdings nicht viel heißen, denn Mittelklassekombis bieten für ihre Länge erschreckend wenig Kofferraum. So ist es auch beim Avensis. Ein Kompaktklassekombi wie der VW Golf Variant packt mit 505 bis 1.495 Liter kaum weniger ein als unser Testwagen. Nur aus Platzgründen wird also niemand einen Mittelklassekombi kaufen – Transportkapazität gibt es eine Klasse tiefer für weniger Geld.
Ab 28.950 Euro
Dabei ist der Avensis aber nicht wirklich teuer. Bei Audi oder BMW zahlt man für einen vergleichbaren Dieselkombi rund 32.000 Euro. Im Vergleich dazu erscheint unser Avensis Combi 2.2 D-4D mit Schaltgetriebe für 28.950 Euro wie ein Schnäppchen. Für diesen Betrag erhält man die gehobene Ausstattung Sol mit sieben Airbags sowie einem ESP. In puncto Komfort bietet das Auto eine Zweizonen-Klimaautomatik, ein CD-Radio, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Licht- und Scheibenwischerautomatik, einen Tempomaten, eine elektrische Parkbremse, 17-Zoll-Aluräder, Nebelscheinwerfer, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Wer mehr Ausstattung will, kann die Version Executive für 2.400 Euro Aufpreis bestellen. Dann bekommt man auch eine Sitzheizung, ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem sowie ein besonderes Audiosystem.
Topversion mit viel Sicherheitstechnik
Die Topversion TEC-Edition gibt es ausschließlich für den 177 PS starken Top-Diesel. Hier werden auch Hightech-Features eingebaut, die noch nicht einmal in der Oberklasse selbstverständlich sind, wie ein Pre-Crash-System. Es ähnelt dem vom Lexus LS bekannten Sicherheitssystem und leitet wie dieses bei drohendem Aufprall eine Notbremsung ein. Toyota erwartet für die oberen Ausstattungen Executive und TEC-Edition 50 Prozent Marktanteil, Sol soll 45 Prozent ausmachen und nur fünf Prozent der Käufer werden zur eher mageren Basisversion greifen. Wem der Avensis-Preis generell zu hoch ist, kann sich für einen Skoda Octavia Combi 2.0 TDI entscheiden, den es mit Partikelfilter schon ab 24.930 Euro gibt. Etwa gleich teuer wie unser Avensis sind der Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi ab 28.500 Euro und der VW Passat Variant 2.0 TDI ab 29.025 Euro.
Wertung
Preisliste
|
Toyota Avensis Combi 2.2 D-4D Sol |
|
| Grundpreis: | 28.950 Euro |
| Ausstattungen | Preis in Euro |
| ABS | Serie, mit elektron. Bremskraftverteilung |
| ESP | Serie, mit Lenkunterstützung |
| ASR | Serie |
| Airbag Fahrer | Serie |
| Airbag Beifahrer | Serie |
| Seitenairbags vorn | Serie |
| Kopfairbags vorn | Serie (durchgehend für vorn und hinten) |
| Seitenairbags hinten | - |
| elektr. Fensterheber vorn | Serie |
| elektr. Fensterheber hinten | Serie |
| elektr. verstellbare Außenspiegel | Serie |
| Klimaautomatik | Serie (zwei Zonen) |
| Zentralverriegelung mit Fernbed. | Serie |
| Automatikgetriebe | - |
| Bildschirmnavigation | 950 (nur für Sol) |
| CD-Radio | Serie, mit Handy-Freisprecheinrichtung |
| Metalliclackierung | 520 |
| Leichtmetallfelgen | Serie (17 Zoll) |
| Tempomat | Serie |
| Lederausstattung | optional (Preis steht noch nicht fest) |
| Xenonlicht | optional (Preis steht noch nicht fest) |
| Kurvenlicht | optional (Preis steht noch nicht fest) |
| Nebelscheinwerfer | Serie |
| Anhängevorrichtung | optional (Preis steht noch nicht fest) |
| elektronische Parkbremse | Serie |
| Multifunktions-Lederlenkrad | Serie |
| Scheibenwischer- und Lichtautomatik | Serie |
| Fahrer-Knieairbag | Serie |
Datenblatt
| Motor und Antrieb | |
| Motorart | Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritzung |
| Zylinder | 4 |
| Ventile | 4 |
| Hubraum in ccm | 2.231 |
| Leistung in PS | 150 |
| Leistung in kW | 110 |
| bei U/min | 2.000-2.800 |
| Drehmoment in Nm | 310 |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Gänge | 6 |
| Getriebe | Schaltung |
| Fahrwerk | |
| Spurweite vorn in mm | 1.550 |
| Spurweite hinten in mm | 1.540 |
| Radaufhängung vorn | McPherson-Federbein |
| Radaufhängung hinten | Doppelquerlenker |
| Bremsen vorn | innen belüftete Scheiben, 320 mm |
| Bremsen hinten | Scheiben, 200 mm |
| Wendekreis in m | 10,8 |
| Räder, Reifen vorn | 17-Zoll-Aluräder, Reifen stehen noch nicht fest |
| Räder, Reifen hinten | 17-Zoll-Aluräder, Reifen stehen noch nicht fest |
| Lenkung | Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung |
| Maße und Gewichte | |
| Länge in mm | 4.765 |
| Breite in mm | 1.810 |
| Höhe in mm | 1.480 |
| Radstand in mm | 2.700 |
| Leergewicht in kg | 1.545 |
| Zuladung in kg | 595 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 543 |
| Kofferraumvolumen, variabel in Liter | 1.609 |
| Anhängelast, gebremst in kg | 1.800 |
| Tankinhalt in Liter | 60 |
| Kraftstoffart | Diesel |
| Fahrleistungen / Verbrauch | |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 210 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 9,2 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 5,6 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 7,1 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 4,8 |
| CO2-Emission in g/km | 150 |
| Schadstoffklasse | Euro 5 |
Bildergalerie: Poser-Flaggschiff im Test
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