Hauptziel: Kollisionen vermeiden und Unfallfolgen minimieren

Ein gutes Konzentrationsvermögen ist im komplex gewordenen Verkehrsgeschehen wichtiger denn je. Daher statten immer mehr Automobilhersteller ihre Modelle mit innovativen Sicherheitspaketen aus: Einige Lexusmodelle überwachen den Fahrer mit einem Gesichtsfeld-Monitor, Saab entwickelt ein neues Fahrerfrühwarnsystem und Honda warnt den Fahrer vor unbeabsichtigtem Spurverlassen. Volvo bietet im S80, V70 und im XC70 das Aktive Geschwindigkeits- und Abstandsregelsystem mit Bremsassistent Pro sowie das neue Driver Alert an. Wir haben beide Systeme für Sie getestet.

Müdigkeitserkennung
Im Allradler XC70 haben wir die Möglichkeit, das System Driver Alert genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Programm fokussiert die Bewegungsmuster des Fahrzeugs und bewertet, ob diese kontrolliert ablaufen oder nicht. Damit es Abweichungen als solche überhaupt erkennt, muss muss man mindestens zehn Minuten lang bei einer Geschwindigkeit von 65 km/h oder schneller gefahren sein. Eine Kamera zwischen der Frontscheibe und dem Innenspiegel überwacht den Abstand zu den Fahrbahnmarkierungen und verschiedene Sensoren kontrollieren die Bewegungsmuster des Autos. Bei Beginn der Fahrt befinden sich fünf Balken im Bordcomputer, die den Konzentrationsgrad des Fahrers permanent anzeigen. Nimmt die Achtsamkeit ab, reduzieren sich auch die Striche im Display, vergleichbar mit der Anzeige eines sich entleerenden Handy-Akkus.

Mach doch mal Kaffeepause!
Erscheint nur noch ein Balken in der Grafik, empfiehlt das System eine Pause zu machen. Zu erkennen ist dies durch eine Kaffeetasse im Display, der Textmeldung ,Time for a break" sowie einem Warnton. Bei unserem Test simulieren wir Übermüdung durch eine Schlangenlinien-Fahrweise und können beobachten, wie sich die Konzentrationsbalken im Display kontinuierlich abbauen. Ebenfalls mit an Bord ist die Funktion Lane Departure Warning. Sie warnt den Fahrer akustisch vor unbeabsichtigtem Verlassen der Fahrbahn. Hierbei ertönt bereits ein aufdringlicher Hup-Ton, wenn man ohne zu blinken überholen beziehungsweise die Fahrbahn wechseln will. Wir sind der Meinung, dass sich Müdigkeitsunfälle in der Tat mittels dieser Systeme reduzieren lassen. Denn sollte ein Sekundenschlaf einsetzen, wird man mit einem ganzen Arsenal an auditiven und visuellen Reizen wieder unter die Wachen geholt.

Selbsttätige Halbvollbremsung
Das zweite Sicherheitssystem konnten wir in einem S80 testen. Das radar- und kameragestützte aktive Geschwindigkeits- und Abstandsregelsystem sorgt von 30 bis 200 km/h automatisch für einen konstanten Abstand zum vorausfahrenden Auto. Das können Fahrzeuge anderer Hersteller auch, das Neue an diesem System ist der so genannte Bremsassistent Pro mit automatischer Einleitung einer Notbremsung. Dieses Aufprallwarnsystem berechnet den Abstand und die Bremskraft, die zur Vermeidung einer Kollision erforderlich sind, und bezieht dabei die Reaktionszeit des Fahrers mit ein.

Minimierung der Unfallfolgen
Reagiert der Fahrzeuglenker nicht, mahnt das System mittels eines akustischen Signals. Dies geschieht immer dann, wenn eine Bremsleistung von mehr als 30 Prozent der maximalen Bremskraft benötigt wird, um eine Kollision abzuschwächen oder zu vermeiden. Reagiert der Fahrer immer noch nicht, wird selbsttätig eine Notbremsung mit 50 Prozent der maximalen Bremsleistung eingeleitet. Dabei kommt die digitale Kamera zum Einsatz, die den Nahbereich des Fahrzeugs erfasst. Wenn diese Kamera und das Radar übereinstimmend eine Kollision erkennen, wird in 0,7 Sekunden vor dem Unfall eine automatische Notbremsung ausgelöst. So lässt sich zwar ein Aufprall nicht immer verhindern, aber die Unfallfolgen können erheblich minimiert werden.

Frontal ins Ballon-Car
Bei unserem Test ahmen wir einen Aufprall auf ein Ballon-Car nach. Erst fahren wir mit einer konstanten Geschwindigkeit von 35 km/h frontal auf das luftgefüllte Auto zu und machen sofort eine Vollbremsung, wenn wir den Warnton wahrnehmen. Unmittelbar vor dem Ballon kommen wir zum Stehen, ein Unfall hätte verhindert werden können. Man muss aber auch anmerken, dass wir vorbereitet waren und man bei einer wirklichen Gefahrensituation höchst wahrscheinlich nicht so schnell reagieren könnte. Beim zweiten Durchgang warten wir ab, bis das System selbsttätig mit 50-prozentiger Bremskraft verzögert und treten dann noch zusätzlich auf das Bremspedal. Vor dem Experiment stellen wir uns die halbe Bremsleistung mittelstark vor, erlebt man diese Wirkung aber am eigenen Körper, ist man doch sehr erstaunt, mit welcher Kraft man in den Sicherheitsgurten hängt. Eine Kollision mit dem Ballon-Auto ist zwar nicht zu verhindern, aber die Aufprallgeschwindigkeit wird deutlich verringert.

Bildergalerie: Volvo Unfallprävention