Bayern meets Schweden: Der Platzhirsch stellt sich der Herausforderung des Newcomers

Kompakte SUVs gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Der Bestseller BMW X3 ist schon seit Anfang 2004 auf dem Markt und bekam im Herbst 2006 bereits ein Facelift. Der Volvo XC60 gesellte sich erst Ende 2008 zu dem arrivierten Platzhirsch. Wir sind beide Modelle mit Dieselmotor und Automatikgetriebe gefahren und sagen Ihnen, ob der Newcomer dem ,Everybody's Darling" gefährlich wird.

MOTOR/GETRIEBE
Leistungsmäßig sind sich die beiden Testlinge fast ebenbürtig. Der 2,4 Liter große Fünfzylinder-Motor des Volvo XC60 D5 leistet 185 PS bei 4.000 Umdrehungen. Das maximale Drehmoment von 400 Newtonmeter liegt bei 2.000 Touren an. Beim Kickdown beschleunigt der Schwede in 9,9 Sekunden auf Tempo 100, untermalt vom laut grummelnden und deutlich hervortretenden Sound des Motors. Die suboptimale Wandlerautomatik mit sechs Gängen lässt in der Pedalstellung ,Bodenblech" wertvolle Zeit verstreichen, ehe sich das Getriebe bequemt, in die Gänge zu kommen.

BMW: Gelungene Sechsgang-Automatik
Im BMW X3 xDrive20d kommt ein zwei Liter großer Vierzylindermotor zum Einsatz. Das Aggregat erreicht die Höchstleistung von 177 PS bei einer Drehzahl von 4.000 Umdrehungen. Das Triebwerk generiert sein maximales Drehmoment von 350 Newtonmeter bei 1.750 Touren. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h absolviert der Bayer in einer Zeit von 9,2 Sekunden. Im Vergleich zum Volvo ist die Lautstärke im BMW deutlich angenehmer. Mitverantwortlich dafür ist auch die Sechsgang-Automatik des X3. Sie arbeitet unauffälliger im Hintergrund und dreht im Normalmodus nicht so hoch wie die des XC60. Auch Schaltvorgänge gehen sanfter vonstatten als bei seinem Herausforderer. Im Sportmodus wechselt das Getriebe die Gänge erst bei einer höheren Drehzahl, selbst dann schlägt der BMW ruhigere Töne an. Wer sich nicht dreinreden lassen will, fädelt den Gangwahlhebel in die Position ,M" und kann die Gänge per Hand wählen.

Zwei durstige Gesellen
BMW verspricht den Kunden eines X3 xDrive20d einen Verbrauch von 6,7 Liter. Bei unseren Testfahrten mit durchschnittlicher Fahrweise summierte sich der Konsum des Bayern auf 9,5 Liter pro hundert Kilometer. Das sind 2,8 Liter oder 42 Prozent über dem angegebenen Normverbrauch. Ähnlich trinkfest zeigt sich auch der Volvo XC60. Pro hundert Kilometer soll sich der Schwede durchschnittlich 8,3 Liter aus dem Tank genehmigen. Wir schafften es nicht unter 10,9 Liter im Drittelmix. So schluckt der XC60 2,6 Liter oder 31 Prozent mehr als angegeben.

KAROSSERIE/INNENRAUM
Während der Bayer trotz Facelift mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist, zeigt sich der Schwede in frischem Outfit mit geschwungenen Linien. Trotz nahezu ähnlicher Abmessungen – der XC60 misst 4,63 Meter, der X3 ist 4,57 Meter lang – wirkt der Volvo deutlich wuchtiger. Grund dafür sind die höhere Motorhaube, die ansteigende Schulterlinie und das massive, beinahe vertikal stehende Heck. Die überdimensionalen senkrechten Heckleuchten sind nicht jedermanns Sache, wirken aber dennoch eleganter als die geteilten Rücklichter des X3.

X3 verzichtet auf Unterfahrschutz
Insgesamt kommt der BMW schlanker daher. Kein Wunder, ist er doch mit 1,85 Meter um vier Zentimeter schmaler und mit 1,67 Meter Höhe vier Zentimeter kleiner gewachsen als sein Mitbewerber. Im Stile eines klassischen Geländewagens beziehungsweise SUVs besitzt der X3 eine normale Dachreling zur Befestigung eines Gepäckträgers, beim XC60 ist die Reling im Dach integriert und auf den ersten Blick nicht zu sehen. Anders als der Volvo verzichtet der BMW auf einen auffälligen Unterfahrschutz.

XC60: Sitze bieten mehr Komfort als Halt
Das zum Fahrer hin ausgerichtete Cockpit des Volvo XC60 mit dem frei schwebenden Armaturenbrett wirkt deutlich schicker als das vergleichsweise unaufgeräumte Pendant seines Konkurrenten. Vor allem die stilisierte Anordnung der Knöpfe der Klimaanlage schafft Klarheit bei der Bedienung. Zudem lassen sich die Funktionen des Navigationssystems mit drei Knöpfen auf der Rückseite des Lenkrades oder per Fernbedienung perfekt steuern. Die weichen Sitze sind äußerst bequem, bieten aber nur ein Mittelmaß an Seitenhalt. Engagierte Fahrer wünschen sich ein zupackenderes Gestühl.

BMW: Verarbeitung erster Klasse
Im X3-Innenraum findet sich nicht viel Aufregendes. Die Sitze bieten weniger Sofakomfort als die des Volvo, können dagegen mit mehr Seitenhalt punkten. Auf der Rückbank sind die Platzverhältnisse bei beiden Bewerbern ähnlich üppig. Die Sitzreihen können jeweils im Verhältnis 60 zu 40 umgelegt werden. Die Holzapplikationen im Cockpit des Bayern sind Geschmackssache, stattdessen können aber auch Aluteile geordert werden. Ohne Frage, die Verarbeitung und die Materialgüte sind über jeden Zweifel erhaben, dennoch lässt der BMW die Extravaganz und den Schick des Volvo vermissen.

Viel Platz für jede Menge Gepäck
Oft werden SUVs nur von Müttern für den Weg zum Kindergarten genutzt, dennoch ist bei solch einem großen Auto natürlich auch die Kofferraumgröße nicht vernachlässigbar. Bei stehender Rückbank fasst das Gepäckabteil des BMW 480 Liter. Legt man Reihe zwei um, stehen 1.560 Liter für dies und das zur Verfügung. Das Ladeabteil des Volvo ist bei fünf Mann an Bord zwar mit 495 Liter um 15 Liter größer, klappt man allerdings zum Transport größerer Gegenstände die Rükkenlehne im Fond um, bietet der Volvo nur ein Fassungsvermögen von 1.455 Liter.

FAHRWERK/LENKUNG
Per Knopfdruck lässt sich im Volvo XC60 in drei Stufen das Fahrwerk verstellen, der Eingriff erfolgt elektronisch über Magnetventile. Der X3 vertraut auf nur eine Einstellung, die zeigt sich als sehr allround tauglich. Die Federung lässt auch in flotten Kurven nur wenig Wanken zu und hält den BMW sauber in der Spur. Auch wenn der X3 somit keine Komfortsänfte ist, unbequem wird es selbst auf langen Autobahnetappen nicht. Wer mit einer etwas strafferen Abstimmung leben kann, wird sich mit dem X3-Fahrwerk schnell anfreunden können. Die drei Volvo-Fahrwerksmodi ,Normal", ,Sport" und ,Advanced" schaffen einen sehr guten Spagat zwischen komfortabel weich und sportlich hart. Dennoch wirkt der Unterbau des XC60 vor allem im mittleren Modus nicht so ausgewogen und souverän wie der des X3.

Exakte Lenkung im BMW
Die Lenkung des XC60 hinterlässt einen ähnlichen Eindruck wie das Fahrwerk: Im Großen und Ganzen gibt es keinen Grund zur Klage. Das Volant liefert ein gutes Feedback zum Fahrzeug und das Lenkverhalten wird auch bei höheren Geschwindigkeiten nicht unpräzise. Erst im direkten Vergleich mit dem X3 kommen die geringen Unterschiede zutage. So lässt sich der neun Kilo schwerere BMW in engen Kurven noch einen Tick genauer um die Ecke zirkeln, fühlt sich am Lenkrad zudem leichtfüßiger an und erfordert beim Einparken weniger Schmalz in den Oberarmen.

AUSSTATTUNG/PREIS
Preislich hat der Volvo XC60 D5 gegenüber dem BMW X3 klar die Nase vorn. In der Einstiegsversion schlägt der Schwede mit 35.800 Euro zu Buche. Die Bayern verlangen für den X3 xDrive20d mit 38.300 Euro deutlich mehr.

City Safety serienmäßig
Die Grundausstattung des Volvo umfasst unter anderem sechs Airbags, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Reifen der Größe 235/65, eine Klimaanlage und einen permanenten Allradantrieb. Als besonderes Bonbon bietet der XC60 ohne Aufpreis ein umfangreiches Sicherheitspaket, es beinhaltet beispielsweise die neuartige City-Safety-Technologie. Das System vermeidet durch die Signale eines optischen Lasers einen drohenden Auffahrunfall. Bis zu einer Geschwindigkeit von 15 km/h wird das Fahrzeug in einer Gefahrensituation ohne Zutun des Fahrers komplett zum Stillstand gebracht. Zwischen 15 und 30 km/h bemüht sich City Safety um eine Schadensbegrenzung, indem das Aufpralltempo des Fahrzeugs so weit wie möglich verringert wird. Weitere Features wie der Tote-Winkel-Assistent und der Übermüdungswarner sind gegen Aufpreis erhältlich.

Üppige Ausstattung im BMW
Zum serienmäßigen Umfang des BMW X3 gehören sechs Airbags, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Reifen der Größe 215/60, eine Klimaanlage und ein permanenter Allradantrieb. Des Weiteren sind ein Aux-In-Eingang zum Anschluss von Mediaplayern, Nebelscheinwerfer und eine Heckklappenöffnung per Funkschlüssel ohne Aufpreis an Bord. Ein Sicherheitssystem wie Volvos City-Safety ist auch gegen Aufpreis nicht verfügbar.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Es ist nicht leicht, einen Sieger im Vergleich BMW X3 vs. Volvo XC60 zu küren. Beide haben ihre Paradedisziplinen. Für den BMW X3 spricht der laufruhigere und spritzigere Motor sowie das flottere Getriebe. Der höhere Preis des Bayern amortisiert sich durch den geringeren Verbrauch. Der Volvo XC60 überzeugt in den Kategorien Komfort und Sicherheit. Auf langen Strecken bieten Sitze und Fahrwerk des Volvo den höheren Komfort. Den Ausschlag für den knappen Testsieg des Volvo XC60 gibt letztendlich das äußerst umfangreiche Sicherheitspaket, der Komfort auf langen Strecken und die schicke Optik. Wer lieber ein sportlicheres und strafferes Gefährt unter dem Hintern hat, darf den sparsameren BMW X3 getrost zu seinem persönlichen Testsieger küren.

  • BMW X3 xDrive20d
    90%
    spritziger und sparsamer Motor, flotteres Getriebe
    höherer Grundpreis, im Vergleich biedere Optik
  • Volvo XC60 D5
    90%
    innovatives Sicherheitssystem, hoher Komfort
    lahmes Getriebe, lauter Motor

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