Toyota Avensis Combi 2.2 D-4D im Test

Manchmal trügt der Eindruck: Gefühlt sieht man den Toyota Avensis nur selten auf unseren Straßen. Er scheint ein etwas stiefmütterliches Dasein zu fristen. Die Mittelklasse wird hierzulande von Passat, C-Klasse, 3er und A4 dominiert, danach kommt lange nichts. Doch ein Ladenhüter ist der Avensis keineswegs, verrät ein Blick in die Zahlen des Kraftfahrtbundesamts (KBA): Über 8.800 Zulassungen sind für 2011 notiert – mehr als vom Mazda 6, Peugeot 508 oder Seat Exeo. Ob künftig noch ein paar Exemplare dazu kommen? Denn nach drei Jahren hat der Avensis ein Facelift erhalten. Wir sind den in Deutschland beliebteren Combi gefahren, der bei Toyota tatsächlich mit C geschrieben wird.

Neu gestaltete Frontpartie
Die optischen Änderungen fallen auf den ersten Blick gar nicht so offensichtlich aus, dabei hat sich zumindest an der Frontpartie einiges getan. Hier gibt es nun markanter geformte Scheinwerfer, einen modifizierten Kühlergrill mit zwei statt drei Querstreben sowie einen größeren, jetzt trapezförmigen unteren Lufteinlass. Während die Limousine zusätzlich eine andere Heckschürze bekommen hat, muss sich der Avensis Combi hinten mit einer neuen Chromleiste über dem Nummernschild und veränderten Rückleuchten begnügen. Sie sind nun anders aufgeteilt und serienmäßig in LED-Technik ausgeführt. Beide Karosserievarianten sind im Rahmen des Facelifts um 15 Millimeter gewachsen, das Kombimodell misst nun glatte 4,78 Meter.

Viel Platz
Innen bleibt das Platzangebot wie gehabt. Diesbezüglich gab es auch keinen Grund für Änderungen, denn die Platzverhältnisse zählen zu den Pluspunkten des Kombis. Das gut zugängliche Gepäckabteil gehört mit einem Fassungsvermögen von 543 bis 1.690 Liter zu den größeren im Segment. Legt man die Rücksitzlehnen um, entsteht ein 1,72 Meter langer, ebener Ladeboden. Auch die Passagiere im Fond können nicht über zu wenig Raum klagen. Da kein hoher Mitteltunnel stört, kann man sogar in der Mitte sitzend die Beine bequem unterbringen. Vorne erhöhen neu geformte Sitzwangen den Seitenhalt für Fahrer und Beifahrer. Wichtiger wäre allerdings gewesen, das vordere Gestühl etwas langstreckentauglicher zu gestalten. Auch nach mehrfachem Verstellen fand sich keine ideale Sitzposition.

Erinnerungen an die 1980er-Jahre
Für das Interieur verspricht Toyota neue Materialien und Bezugsstoffe. Doch einen sonderlich hochwertigen und modernen Eindruck hinterlässt das übersichtliche Cockpit nicht gerade. Die Kunststoffverkleidungen wirken trotz Metalloptik billig, die Digitalanzeigen der Klimaautomatik erinnern an Taschenrechner aus den 1980er-Jahren. Ansprechender und zudem gut bedienbar ist das neue Infotainmentsystem mit 6,1 Zoll großem Touchscreen. Für günstige 550 Euro kann es zum Navigationssystem ausgebaut werden. In Verbindung mit einem bluetooth-fähigen Mobiltelefon lassen sich über das System SMS versenden und empfangen. Zudem ist der Zugriff auf die Online-Suchfunktion ,Google Local Search" möglich.

Solider 150-PS-Turbodiesel
Für den Avensis sind zwei Benziner und drei Diesel mit einem Leistungsspektrum zwischen 124 und 177 PS im Programm, ein Start-Stopp-System sucht man aber vergeblich. Sicherlich nichts falsch macht, wer zum 150 PS starken 2,2-Liter-Turbodiesel greift. Der arbeitet solide, laufruhig und sorgt für passablen Vortrieb. Das aufgeladene Vierzylinder-Aggregat mit Direkteinspritzung beschleunigt den Avensis Combi sehr gleichmäßig und in 9,2 Sekunden von null auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 210 km/h erreicht. Dank optimierter Dämmung dringen nun weniger Motorgeräusche in den Innenraum, wo es selbst bei hoher Geschwindigkeit nicht zu laut wird. Die sechs Gänge des Schaltgetriebes lassen sich leichtgängig und präzise einlegen. Alternativ steht eine Sechsstufen-Automatik zur Verfügung.

Der Passat braucht einen Liter weniger
Mit einem Normverbrauch von 5,6 Liter gehört der manuell geschaltete Avensis Combi 2.2 D-4D jedoch nicht gerade zu den Sparsamsten seiner Klasse. Der VW Passat Variant 2.0 TDI mit 140 PS etwa gönnt sich einen vollen Liter weniger. Alle Avensis-Versionen verfügen jetzt über eine elektrische Feststellbremse, die sich in Verbindung mit dem Sechsgang-Getriebe beim Anfahren automatisch löst. Neu ist die automatische Aktivierung der Bremse, wenn der Fahrer die Zündung ausschaltet. Das Fahrwerk des Avensis wurde ,zugunsten von Komfort und Stabilität" überarbeitet, wie der Hersteller das nennt. So sind die hinteren Stoßdämpfer neu abgestimmt worden. In der Praxis ist davon nicht allzu viel zu merken. Man reist zwar bequem, solange die Straßen tadellos sind. Doch jede Unebenheit, jeder Kanaldeckel sowie jede Querfuge ist deutlich zu spüren. Die elektrische Servolenkung ist direkter als bisher ausgelegt und bietet ausreichend Rückmeldung.

Immer mit Klima und CD-Radio
Drei verschiedene Ausstattungslinien stehen für den Avensis zur Wahl. Die Basisversion verfügt über sieben Airbags, 16-Zoll-Stahlräder, elektrische Fensterheber vorne, eine Klimaanlage und ein CD-Radio. Der 150-PS-Selbstzünder ist erst ab der mittleren Variante zu haben, die jetzt auf den Namen Life statt Sol hört. Hier sind zusätzlich eine Mittelkonsole mit Metallic-Finish, das Infotainmentsystem, eine Rückfahrkamera, eine Klimaautomatik, elektrische Fensterheber hinten, ein Tempomat und Leichtmetallfelgen serienmäßig dabei. In der Topausstattung Executive gibt es Sitze mit Alcantara-/Lederbezug, ein Soundsystem mit elf Lautsprechern, eine Sitzheizung vorn sowie Gepäckraumschienen für den Kombi.

Assistenten nur im Paket
Auf Wunsch sind für die überarbeitete Baureihe auch einige Assistenzsysteme erhältlich: ein Abstandstempomat, ein Totwinkelwarner und ein aktiver Spurhalteassistent. Das radarbasierte Antikollisionssystem leitet automatisch eine Notbremsung ein, wenn ein Unfall droht. Alle Assistenten sind allerdings nur zusammen im Paket und einzig für den Avensis 2.2 D-4D Automatik in der Topvariante Executive bestellbar. Erfreulicher ist, dass Toyota die Preise im Zuge des Facelifts nicht erhöht hat. Los geht's unverändert bei 22.700 Euro für die Limousine, in der Kombiversion werden jeweils 1.000 Euro mehr fällig. Der getestete Avensis Combi 2.2 D-4D schlägt mit mindestens 29.300 Euro zu Buche. Damit ist der Japaner zwar nur 150 Euro günstiger als der vergleichbare VW Passat Variant 2.0 TDI, bietet dafür aber ein deutliches Mehr an Ausstattung.

Wertung

  • ★★★★★★★☆☆☆
  • Dass der Toyota Avensis von außen nur dezent überarbeitet wurde, ist nicht weiter schlimm. Audi oder BMW handhaben das bei ihren Modellaufwertungen meist nicht anders. Dringender wäre beim Avensis allerdings eine gründlichere Renovierung des Innenraums angesagt gewesen. Auch das Fahrwerk entspricht nicht dem, was man von einer modernen Mittelklasse erwartet. Da der getestete Avensis Combi 2.2 D-4D zudem nicht sonderlich sparsam ist, bleiben nicht allzu viele Punkte, die für den Japaner sprechen. Die wichtigsten sind das gute Platzangebot und das faire Preis-/Leistungsverhältnis.

  • Antrieb
    75%
    solider 150-PS-Diesel
    nicht sonderlich sparsam
  • Fahrwerk
    60%
    Lenkung mit ausreichender Rückmeldung
    jede Unebenheit deutlich spürbar
  • Karosserie
    75%
    gutes Platzangebot, großer Kofferraum
    altbackenes Cockpit
  • Kosten
    80%
    anständiges Preis-/Leistungsverhältnis
    Assistenten nur für eine Variante erhältlich

Preisliste


Toyota Avensis Combi 2.2 D-4D Life

Grundpreis: 29.300 Euro
Modell Preis in Euro
Toyota Avensis Combi 2.2 D-4D Executive 32.200
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe 2.000
Bildschirmnavigation ab 550
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung 550
Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie bei Executive
Xenonlicht 1.300
Kurvenlicht Serie bei Xenonlicht
Nebelscheinwerfer Serie
Anhängevorrichtung 730
Einparkhilfe vorn 390
Einparkhilfe hinten 350
Knieairbag Fahrer Serie
Lederlenkrad Serie
Infotainmentsystem mit 6,1-Zoll-Touchscreen Serie
Rückfahrkamera Serie
Bluetooth-Freisprecheinrichtung Serie
Sitzheizung vorn Serie bei Executive
Gepäckraumschienen Serie bei Executive

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Dieselmotor mit Turboaufladung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.231 
Leistung in PS 150 
Leistung in kW 110 
bei U/min 2.000 bis 2.800 
Drehmoment in Nm 340 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.550 
Spurweite hinten in mm 1.540 
Radaufhängung vorn McPherson-Federbeinachse 
Radaufhängung hinten Doppelquerlenker 
Bremsen vorn innenbelüftete Scheiben, 320 mm 
Bremsen hinten Scheiben, 290 mm 
Räder, Reifen vorn 215/55 R17 
Räder, Reifen hinten 215/55 R17 
Lenkung elektrische Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.780 
Breite in mm 1.810 
Höhe in mm 1.480 
Radstand in mm 2.700 
Leergewicht in kg 1.635 
Zuladung in kg 505 
Kofferraumvolumen in Liter 543 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.690 
Anhängelast, gebremst in kg 1.600 
Tankinhalt in Liter 60 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 210 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,2 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,6 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,2 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,7 
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 7,1 
CO2-Emission in g/km 149 
Schadstoffklasse Euro 5 

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