Der neue Opel Astra OPC im Test

Und dann fängt es doch zu regnen an. Morgens knallte noch die Sonne vom Himmel. Aber kurz vor Beginn der Fahrdynamiktests prasst ein heftiger Schauer herunter. Ob das der Beurteilung des neuen Astra OPC zugute kommt? Die dritte Auflage des Kompaktsportlers ist mit 280 PS der stärkste Astra, den Opel bisher gebaut hat. Die Leistung wird allerdings nur an die Vorderräder übertragen. Auf einen Allradantrieb wie beim VW Golf R verzichtet der jüngste OPC-Spross. Doch bringt er die Power auch standesgemäß auf den Asphalt?

Starker Auftritt
Die Opelaner sind stolz auf ihr neues Modell. Zu gerne wollen sie der zuletzt arg gebeutelten Marke ein dynamischeres, sportlicheres Image verpassen. Die OPC-Modelle von Corsa, Insignia und künftig Astra sind dafür besonders prädestiniert. Die Opel-Fans warten bereits seit Jahren auf einen legitimen Nachfolger für Manta und Calibra. Optisch wird der neue Super-Astra den hohen Ansprüchen gerecht, der auf dem dreitürigen Astra GTC basierende OPC macht gewaltig was her: breite Schürzen, kräftige Schweller sowie große Kühlöffnungen, die den Motor mit viel Frischluft versorgen. Das stämmige Hinterteil wird durch einen mächtigen Diffusor und zwei riesige Endrohre in Trapezform noch ausdrucksstärker. Verfeinert wird der muskulöse Auftritt des 4,47 Meter langen und 2,02 Meter breiten Astra OPC durch die optionalen 20-Zoll-Räder, die für 1.000 Euro Aufpreis die serienmäßigen 19-Zöller ersetzen. Dass die kleinen Heckscheiben und die ausgeprägten C-Säulen das Auto nach hinten mehr als unübersichtlich machen, wird letztendlich wohl die wenigsten Kunden nachhaltig stören. Immerhin sind Parksensoren am Heck Serie. Auch die hohe Ladeschwelle für den Kofferraum (380 bis 1.165 Liter) dürfte nur in Einzelfällen vom Kauf abschrecken.

In sechs Sekunden auf Tempo 100
Unter der Haube des Astra OPC verrichtet ein Zweiliter-Turbo mit Benzindirekteinspritzung seine Arbeit sehr ordentlich und sorgt für sportlichen Vortrieb. Ab 2.500 Touren steht das maximale Drehmoment von 400 Newtonmeter zur Verfügung. 6,0 Sekunden vergehen für den Spurt von null auf Tempo 100. Als Höchstgeschwindigkeit stehen nicht abgeregelte 250 km/h zu Buche. Damit liegt der Astra OPC auf Augenhöhe mit den dreitürigen Mitbewerbern VW Scirocco R und Renault Mégane R.S. Garniert wird der Fahrspaß beim Opel von einem herrlichen Röhren aus der Sportabgasanlage. Lediglich bei entspannter Fahrweise könnte das sonore Brummen etwas zurückhaltender ausfallen. Denn nach einiger Zeit kann es ein bisschen nerven. Das gilt ebenso für das laute Zischen des Turboladers, das immer dann zu vernehmen ist, wenn man das Gaspedal voll durchtritt. Doch Opel-Fahrer mögen das genau so, haben Kundenumfragen ergeben. 8,1 Liter geben die Rüsselsheimer als Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer an, damit liegt der sportlichste Astra exakt auf dem Niveau des handgeschalteten Scirocco R. Den gibt es wie seinen Bruder Golf R auch mit einem Doppelkupplungsgetriebe. Beim OPC steht einzig eine manuelle Schaltbox zur Verfügung. Sie arbeitet präzise, wie bei anderen Opel-Modellen müssen jedoch lange Schaltwege zurückgelegt werden.

Serienmäßiges Sperrdifferenzial
Und wie war das mit dem Frontantrieb? Auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflugplatzes im Hunsrück können wir uns auf abgesperrter Strecke mit dem Astra OPC austoben, wie gesagt bei Nässe. Vorbereitet auf eine Fahrt mit Traktionsproblemen und Schlittern dann die positive Überraschung: Kein Ausbrechen, keine durchdrehenden Räder – die 280 PS werden selbst unter Volllast nahezu problemlos auf die Vorderachse gestemmt. Verantwortlich dafür ist ein mechanisches Sperrdifferenzial. Beim Durchdrehen eines Vorderrades wirken zwei Lamellenpakete im Differenzial ähnlich wie eine Kupplung und setzen den unterschiedlichen Drehgeschwindigkeiten der Antriebsräder einen fest definierten Widerstand entgegen. In der Praxis funktioniert das einwandfrei. Auch das für Fronttriebler typische Zerren an der Lenkung konnte auf ein Minimum reduziert werden. Behilflich dabei sind die so genannten HiPerStrut-Federbeine, welche die Lenkung von Antriebseinflüssen entkoppeln.

Verstellbares Fahrwerk
Dem Thema Fahrdynamik haben sich die Entwickler besonders intensiv gewidmet. Der Astra OPC ist serienmäßig mit einem adaptiven Fahrwerk ausgestattet, das drei unterschiedliche Einstellungen erlaubt. Im Normalmodus liegt der kompakte Sportler zwar straff auf der Straße, bietet aber so viel Reisekomfort, dass selbst aus einer langen Tour keine Tortour wird. Per Knopfdruck kann man in den Sport- oder in den OPC-Modus wechseln. Dann werden die Dämpfer weiter gestrafft, die Lenkung verhärtet und agiert noch direkter, gleichzeitig spricht das Gaspedal spontaner auf Befehle an. Kurven nimmt der Astra OPC auch bei hohen Geschwindigkeiten souverän. Das ESP ist so geregelt, dass die Eingriffe kaum zu spüren sind. Auf Knopfdruck lässt sich das Stabilitätsprogramm sportlicher einstellen beziehungsweise deaktivieren. Für die Verzögerung ist an der Vorderachse eine Bremsanlage von Brembo mit gelochten Scheiben verbaut. Sie packt fest zu und bringt den OPC zügig zum Stehen.

Schalensitze mit perfekter Passform
Das Cockpit präsentiert sich anständig verarbeitet und mit einigen zusätzlichen Details. Highlight sind die Schalensitze ,OPC High Performance", die für 1.995 Euro geordert werden können. Sie verleihen einen Hauch Rennsport-Atmosphäre, sind mit Leder bezogen und bieten dank einstellbarer Wangen nahezu perfekte Passform für Oberkörper und Beine. Zusätzlich sind die Sitze mit dem Gütesiegel AGR (Aktion Gesunder Rücken e.V.) ausgezeichnet. Die Mittelkonsole ist wie bei allen Astra-Geschwistern mit einer Flut an Schaltern übersät. Außer der Sport- und der OPC-Taste findet sich dort auch ein Eco-Knopf fürs Start-Stopp-System – mittlerweile selbst bei Sportmodellen keine Seltenheit mehr. Erhältlich ist der Opel Astra OPC ab 34.250 Euro. Damit ist er 575 Euro günstiger als der Scirocco R, aber auch 6.260 Euro teurer als der Renault Mégane R.S. Erfreulich ist beim neuen Super-Astra die umfangreiche Ausstattung, die eine vergleichsweise kurze Aufpreisliste nach sich zieht.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Mit dem Astra OPC unterstreicht Opel seinen Anspruch auf Sportlichkeit. Der 280 PS starke Kompaktrenner überzeugt durch einen stattlichen Auftritt, ansprechende Fahrleistungen und beeindruckende Handlingeigenschaften. Dass beim Sport-Astra ,nur" die Vorderräder angetrieben werden, wird durch das Sperrdifferenzial gut gelöst. Das verstellbare Fahrwerk macht den Astra OPC zum brettharten Kurvenräuber, auf Wunsch aber auch zum langstreckentauglichen Reiseauto. Opel-Fans dürfen sich also trotz kleiner Schwächen über einen legitimen Manta-Erben freuen.

  • Antrieb
    90%
    guter Durchzug, sportliche Fahrleistungen
    trotz Frontantrieb kaum Traktionsprobleme
  • Fahrwerk
    90%
    langstreckentauglich und sportlich
    hohe Kurvendynamik, direkte Lenkung
  • Karosserie
    85%
    muskulöser Auftritt
    nach hinten sehr unübersichtlich
  • Kosten
    80%
    gute Ausstattung, kurze Aufpreisliste
    serienmäßig nur mit Deutschland-Navi

Preisliste


Opel Astra OPC

Grundpreis: 34.250 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation Serie (nur Deutschlandkarten)
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung ab 530
Leichtmetallfelgen Serie (19 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Xenonlicht Serie
Kurvenlicht Serie
in drei Stufen einstellbares Sportfahrwerk Serie
Fernlichtassistent Serie
Sport-Lederlenkrad Serie
Einparkhilfe hinten Serie
Regensensor Serie
Einlegeboden für den Gepäckraum 90
Frontkamera für Verkehrszeichenerkennung, Kollisionswarner und Spurhalteassistent 700
Lenkradheizung 190
Panorama-Windschutzscheibe 1.200
Schalensitze OPC High Performance 1.995
20-Zoll-Leichtmetallräder 1.000
Festplattennavi mit Europakarten 400
Bluetooth-Freisprecheinrichtung 300
Sitzheizung vorn 330

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.998 
Leistung in PS 280 
Leistung in kW 206 
bei U/min 2.500 bis 4.500 
Drehmoment in Nm 400 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.594 
Spurweite hinten in mm 1.588 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung miz HiPerStrut-Federbeinen 
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse mit Watt-Gestänge 
Bremsen vorn innenbelüftete und gelochte Scheiben 
Bremsen hinten innenbelüftete und gelochte Scheiben 
Wendekreis in m 11,4 
Räder, Reifen vorn 245/40 R19, 8J x 19 
Räder, Reifen hinten 245/40 R19, 8J x 19 
Lenkung geschwindigkeitsabhängige Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.466 
Breite in mm 2.020 
Höhe in mm 1.482 
Radstand in mm 2.695 
Leergewicht in kg 1.550 
Zuladung in kg 495 
Kofferraumvolumen in Liter 380 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.165 
Dachlast in kg 100 
Tankinhalt in Liter 56 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,0 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 8,1 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 10,8 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,5 
CO2-Emission in g/km 189 
Schadstoffklasse Euro 5 

Legitimer Manta-Erbe?