JDM-Fans, aufgepasst! Toyota vermietet in Japan jetzt den Sera
Das Flügeltür-Coupé aus den 1990er-Jahren mit riesiger Glaskanzel ergänzt eine wachsende Auswahl an Klassikern
Toyota hat einen ziemlich cleveren Weg gefunden, daran zu erinnern, dass die Marke früher einige wunderbar eigenwillige Autos gebaut hat. Die Mobilitätssparte Kinto bietet den Sera nun in Japan als Mietwagen an. Und gibt Fans damit die Möglichkeit, eine der ungewöhnlichsten Toyota-Kreationen zu erleben, ohne nach einem über 30 Jahre alten Exemplar suchen zu müssen.
Falls Sie den Sera nicht mehr auf dem Schirm haben: kein Problem. Genau dafür sind wir da. Der Sera war ein 3,86 Meter kurzes 2+2-Liftback-Coupé, das 1990 auf den Markt kam und vor allem durch seine spektakulären Flügeltüren sowie die große Glaskanzel auffiel.
Bildergalerie: Toyota Sera über Vintage Club by Kinto in Japan mietbar
Wir haben die originale, inzwischen 36 Jahre alte Pressemitteilung von Toyota aufgetrieben. Darin heißt es stolz, der Sera sei das "erste japanische Serienfahrzeug mit Flügeltüren, deren Glasfläche bis ins Dach reicht". Aus eigener Erfahrung (siehe die Bilder am Ende des Artikels) können wir sagen: Man sitzt wirklich wie im Aquarium.
1990 Toyota Sera über Vintage Club by Kinto mietbar
Die Pressemitteilung erwähnt außerdem, dass die Flügeltüren über einen Mechanismus verfügten, der den Kraftaufwand beim Öffnen unabhängig von Temperaturschwankungen konstant hielt. Und ja: Diese Türen sind genauso absurd, wie man sie in Erinnerung hat. Es gab ungefähr zeitgleich in Japan ein weiteres geflügeltes Kuriosum, der Autozam AZ-1.
Der nur in Japan angebotene Sera ist allerdings kein vergessener exotischer Supersportwagen aus dem Toyota-Museum. Unter der ganzen optischen Dramatik steckt ein kleines Coupé mit Frontantrieb, technisch verwandt mit dem sparsamen Starlet und angetrieben von einem eher bescheidenen 1,5-Liter-Vierzylinder. Knapp 16.000 Sera liefen bis Ende 1995 vom Band. Lediglich knapp 100 Stück fanden den Umweg in den Rest der Welt.
1990 Toyota Sera über Vintage Club by Kinto mietbar
Erinnern Sie sich, als Autos praktisch nichts wogen?
In der Version mit Viergang-Automatik, wie sie Toyota nun als Modell von 1990 vermietet, brachte der Sera gerade einmal 930 Kilogramm auf die Waage. Viel Leistung brauchte es also nicht, um Spaß zu haben. Die Fünfgang-Schaltversion war mit 890 Kilogramm sogar noch leichter.
Wer ABS wollte, musste zusätzliche 10 Kilogramm in Kauf nehmen, das aufgewertete Soundsystem mit zehn Lautsprechern brachte weitere 20 Kilogramm Mehrgewicht. Mit 81 kW (110 PS) und 132 Nm gab es zwar nicht gerade üppige Leistung, dafür aber genug Glasfläche, um so manchen Flughafen-Terminal neidisch zu machen.
Toyota macht den Klassiker-Traum mietbar
Der Kinto Vintage Club von Toyota verwandelt seit einigen Jahren restaurierte japanische Klassiker in Mietwagen. Zum aktuellen Angebot gehören diverse Celica- und Supra-Sportwagen ebenso wie die Limousinen Chaser, Aristo und Altezza. Auch der MR2 kommt zusammen mit dem Sera ins Programm. Sogar ein Land Cruiser der 70er-Serie ist dabei, obwohl es sich um ein 40 Jahre altes Fahrzeug handelt, das Toyota noch heute verkauft, wenn auch in leicht modernisierter Form.
Das Mietprogramm ist Teil eines größeren Kinto-Ansatzes, alte Autos leichter zugänglich zu machen. Der Vintage Club konzentriert sich ausdrücklich darauf, Menschen restaurierte Klassiker nicht nur hinter Absperrungen im Museum zu zeigen, sondern sie sehen, anfassen und fahren zu lassen. Der Sera ist dafür vielleicht das perfekte Auto.
Der Miet-Sera ist nicht sonderlich günstig
Er ist selten genug, dass viele Menschen noch nie einen live gesehen haben. Er ist eigenartig genug, um überall Aufmerksamkeit zu erregen. Und er ist einfach genug, um an eine Zeit zu erinnern, in der Toyota bereit war, etwas spektakulär Unnötiges zu bauen. Einfach, weil man es konnte.
Es gibt allerdings einen Haken: Billig wird die Sera-Miete nicht gerade. Andererseits zahlt man hier auch nicht für einen gewöhnlichen Kleinwagen. Kinto verlangt 16.000 Yen (rund 95 Euro) für vier Stunden am Shikoku Automobile Museum in Kochi, Japan. Dort wird der Sera vom 5. Dezember 2026 bis zum 28. Februar 2027 jeweils samstags und sonntags verfügbar sein.
Bildergalerie: Toyota Sera (1990)
Das ist ein ziemlich hoher Stundensatz für einen winzigen Toyota. Gleichzeitig ist es aber deutlich günstiger, als einen makellosen Sera zu kaufen (falls man überhaupt einen findet) und sich anschließend um einen Stellplatz zu kümmern.
Zum Schluss noch zwei nette Randnotizen: Der Sera inspirierte Gordon Murray bei der Gestaltung der Türen des legendären McLaren F1. Und obwohl der Sera längst Geschichte ist, verkauft Toyota tatsächlich einen Sora – allerdings ist das ein ganz anderes Fahrzeug, nämlich ein Brennstoffzellenbus.
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