Der besondere Mercedes 500 GE V8 AMG des saudischen Prinzen
Nur 446 Fahrzeuge wurden gebaut, dieses hat jedoch eine Sonderlackierung, nur 24.254 km und eine Sammlerhistorie
Bevor AMG offiziell als Sportabteilung in den Mercedes-Konzern integriert wurde, arbeiteten die beiden Unternehmen bereits bei der Entwicklung besonders exklusiver und leistungsstarker Modelle zusammen. Zu diesen Fahrzeugen gehört der Mercedes 500 GE V8, eine Spezialversion, die im Jahr 1993 auf den Markt kam und in einer Kleinserie von nur 446 Exemplaren gefertigt wurde.
Bis zu diesem Zeitpunkt markierte der 300 GE mit einem 170 PS starken Sechszylindermotor des Typs M 103 das obere Ende des Leistungsspektrums beim Mercedes G, der sich bis dahin in seiner 14-jährigen Bauzeit einen vorzüglichen Ruf als zuverlässiger Begleiter in unwegsamem Gelände erarbeitet hatte.
Bildergalerie: Mercedes 500 GE V8 AMG (1993)
Die Initiative für das neue Spitzenmodell ging vom Produktbereich Geländewagen bei Mercedes aus, woraufhin die ersten Versuchsträger direkt bei AMG in Affalterbach aufgebaut wurden. Seine offizielle Premiere feierte der 500 GE schließlich im März 1993 auf dem Genfer Automobilsalon.
Spezial-G für Saudi-Arabien
Ein ganz besonderes Exemplar dieser ohnehin seltenen Serie wurde kürzlich über das Auktionshaus RM Sotheby's für rund 126.000 Euro versteigert. Das Fahrzeug besitzt eine außergewöhnliche Historie, denn es wurde seinerzeit vom saudi-arabischen Prinzen Sultan bin Abdulaziz Al Saud als Neuwagen bestellt und nach dessen spezifischen Wünschen direkt ab Werk individualisiert. Das versteigerte Modell trägt die Fahrgestellnummer 1669, wurde am 28. Juli 1993 fertiggestellt und im Februar 1994 in Saudi-Arabien erstzugelassen.
Unter der Haube des 500 GE V8 steckte ein bewährter Achtzylindermotor aus dem Pkw-Programm der Marke. Der Typ M 117 mit Zweiventiltechnik entwickelte aus knapp fünf Liter Hubraum eine Leistung von 241 PS sowie ein Drehmoment von 375 Newtonmetern. Damit beschleunigte der ausschließlich als Station-Wagen mit langem Radstand erhältliche Geländewagen in 10,5 Sekunden von null auf einhundert Kilometer pro Stunde und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 180 Kilometern pro Stunde.
Mercedes 500 GE V8 AMG
Ein Grund für die strikte Limitierung auf 446 Fahrzeuge war ironischerweise die Verfügbarkeit genau dieses Triebwerks, da der M 117 in anderen Baureihen bereits durch den moderneren Vierventiler M 119 ersetzt worden war. Dieser neuere Motor war jedoch aufgrund seiner Abmessungen zu groß für den Motorraum der G-Klasse.
Die Modifikationen des Sondermodells betrafen jedoch keineswegs nur den Motor. Um den Fahrleistungen gerecht zu werden, statteten die Entwickler das Fahrzeug mit innenbelüfteten Scheibenbremsen an der Vorderachse, einem Antiblockiersystem sowie speziellen Bridgestone-Reifen auf Aluminiumrädern aus, die als einzige Geländewagenreifen der damaligen Zeit bis zu einer Geschwindigkeit von 210 Kilometern pro Stunde freigegeben waren.
Mercedes 500 GE V8 AMG
Das Fahrwerk wurde betont komfortabel abgestimmt. Während der permanente Allradantrieb unverändert blieb, verzichtete man beim V8-Modell auf die vordere Differenzialsperre und nahm eine geringfügig reduzierte Wattiefe in Kauf, was die Geländegängigkeit in der Praxis jedoch kaum einschränkte.
Das Interieur der Sonderserie präsentierte sich komplett neu gestaltet und überaus luxuriös. Neben einer schwarzen Lederausstattung mit kontrastierenden Elementen in Mittelgrau kamen edle Walnussfurniere an der Mittelkonsole, den Getriebewählhebeln, den Türen und Teilen des Handbremshebels zum Einsatz.
Zur umfangreichen Serienausstattung gehörten ab Werk ein Automatikgetriebe, eine Klimaanlage, ein Tempomat, ein elektrisches Schiebe-Hebedach sowie eine Sitzheizung.
Sonderfarbe und breitere Spur
Während das reguläre Serienmodell in einer amethystblauen Metallic-Sonderlackierung ausgeliefert wurde, bei der auch die Stoßfänger und Kotflügelverbreiterungen in Wagenfarbe erstrahlten, hob sich das Fahrzeug des saudi-arabischen Prinzen nochmals ab. Er orderte eine exklusive Konfiguration in der Sonderfarbe Avantgarde Grün.
Zudem verließ sein Wagen das Werk mit einer breiteren Spur und ausgestellten Kotflügeln, um Platz für größere AMG-Leichtmetallfelgen zu machen. Im Jahr 2025 wurde dieser prinzliche Wagen in einer Spezialwerkstatt in Dschidda umfassend mechanisch überholt, wobei unter anderem die Bremsflüssigkeit, die Achsdichtungen, die Kraftstoffpumpe und das Differenzial erneuert wurden. Zum Zeitpunkt der Auktion wies der Tacho lediglich 24.254 Kilometer auf.
Mercedes 500 GE V8 AMG
Diese Exklusivität hatte im Jahr 1993 ihren Preis, denn der 500 GE V8 kostete sündhaft teure 178.250 D-Mark. Zum Vergleich war ein sechszylindriger G 320 damals bereits für 88.500 D-Mark zu haben, und selbst eine luxuriöse S-Klasse vom Typ 500 SE schlug mit lediglich 129.030 D-Mark zu Buche. Rückblickend betrachtet stand der 500 GE V8 am Beginn einer tiefgreifenden Transformation der G-Klasse hin zum edlen Lifestyle-Objekt.
Noch im selben Jahr legte AMG mit dem AMG 500 GE 6.0 nach, dessen aufgebohrter V8-Motor stolze 300 PS leistete. Im Jahr 1998 schaffte es der Achtzylinder als G 500 schließlich in das reguläre Verkaufsprogramm, nun auch mit kurzem Radstand und als Cabriolet. Zum zwanzigsten Geburtstag der Baureihe im Jahr 1999 folgte der G 55 AMG mit 354 PS, bevor die Leistungsspirale im Jahr 2012 mit dem 630 PS starken Zwölfzylindermodell G 65 AMG einen vorläufigen Höhepunkt erreichte.
Bildergalerie: Mercedes-Benz 500 GE V8
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