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Spearmint, Leder und Intershop: Warum dieses Auto-Museum plötzlich Erinnerungen weckt

Zigarrenduft im Chefbüro und frisches Gras an der Trabant-Datsche: Wie in Zwickau historische Szenerien für Oldtimer-Fans zur echten Zeitreise werden.

Beduftete Hotelszene im August Horch Museum Zwickau
Bild von: August Horch Museum Zwickau

Jeder Oldtimer-Fan kennt das: Ein altes Auto sieht nicht nur besonders aus, es hat auch eine ganz eigene Akustik und vor allem – es riecht. Wer jemals die Nase in einen unrestaurierten Vorkriegs-Klassiker oder in einen originalen DDR-Zweitakter gesteckt hat, weiß, dass der Geruch von Patina, altem Öl, Roßhaar-Polstern und einem Schuss unverbranntem Kraftstoff unersetzlich ist. Gerüche wecken Erinnerungen, oft schneller und intensiver als Bilder.

Genau diese menschliche Eigenart macht sich das August Horch Museum in Zwickau nun zunutze, um seine Ausstellung noch immersiver zu gestalten. Normalerweise riechen Museumshallen eher nach Bohnerwachs, kaltem Stahl und klimatisierter Luft. In Zwickau geht man jedoch einen anderen Weg. Auf über 6.500 Quadratmetern Fläche gibt es neben den mehr als 160 Großexponaten nicht nur visuelle Reize und historische Tonaufnahmen auf die Ohren, sondern nun auch gezielt etwas für die Nase.

Bereits in der Vergangenheit hatte das Museum mit dezenten Beduftungen experimentiert, doch nun wurde das olfaktorische Konzept überarbeitet. Das Ziel: Die verschiedenen Epochen der Automobilgeschichte sollen sprichwörtlich erschnuppert werden.

Das beginnt schon im nachgebauten Vorzimmer und Büro des Automobilpioniers August Horch. Wer hier tief einatmet, dem steigt der Duft von schwerem Leder und Tabak in die Nase. Ein subtiler Trick, der dem Besucher das Gefühl gibt, der Firmenpatriarch hätte seinen Schreibtisch gerade erst für eine kurze Besprechung in der Fabrikhalle verlassen.

Einen Raum weiter, am Set des fiktiven "Grand Hotel Royal", ändert sich das Flair schlagartig. Hier atmet man die Goldenen Zwanziger Jahre ein. Es riecht nach einem Parfum namens „French Glamour“ – süßlich, elegant und stellvertretend für die gehobene Gesellschaft, die damals in den sündhaft teuren Horch-Karossen vorfuhr.

Besonders spannend und mit Sicherheit ein emotionaler Trigger für viele Besucher ist der Bereich der Poststation. Wo sich stapelweise die legendären Ost-Westpakete türmen, roch es bis vor kurzem nach dem typischen "Intershop"-Mix. Da dieser Duft aber laut Museum künftig ein "Auslaufmodell" ist, stellt man den Duft um: Bald wird es hier nach den begehrten Spearmint-Kaugummistreifen riechen – dem ultimativen West-Mitbringsel.

Auch an der DDR-Datsche, in der die automobile Freizeitkultur des Ostens zelebriert wird, bedient man sich aus der Trickkiste. Es riecht nach frisch gemähtem Gras. Fehlt eigentlich nur noch der feine Blaurauch eines anfahrenden Trabant 601, aber den muss man sich aus Gesundheitsgründen dann doch im Geiste dazudenken.

Selbst in moderneren Ausstellungsbereichen wird experimentiert. Wer am Volkswagen-Bereich vorbeischlendert, dem weht der typische Neuwagengeruch entgegen. Ein harter, aber gewollter Kontrast zu dem Leder-und-Tabak-Charme der Horch-Ära.

Für Oldtimer-Fans ist das August Horch Museum ohnehin ein Pflichtbesuch, aber Automobilgeschichte, die man nicht nur sehen, sondern auch riechen kann ist in dieser Form ziemlich einzigartig und ein weiterer Grund für eine Fahrt nach Zwickau.

Bildergalerie: August Horch Museum Zwickau: Oldtimer-Ausstellung zum Riechen