Niemand will elektrische Supersportwagen. Aber warum?
Welche Gründe hat die Unlust der solventen Kunden und was hat der Hyundai Ioniq 5 N damit zu tun?
Über all, schießen Elektro-Hypercars aus dem Boden, die mit Leistungen weit im vierstelligen Bereich protzen. Nur kaufen will diese Monster anscheindend niemand. Bei den Verbrenenr-Supercars hatten die Hersteller diese Probleme früher nicht. Unser amerikanischer Kollege Anthony hat sich mal Gedanken gemacht, warum dies so ist.
Elektro-Supersportwagen haben ein Problem – ein Hyundai-Ioniq-5-N-Problem. Denn was früher nur für eine exklusive Käuferschicht erreichbar war, gibt es heute zum Bruchteil des Preises beim Hyundai-Händler um die Ecke: brachiale Leistung und atemberaubende Performance. Da stellt sich die Frage: Warum sollte man überhaupt noch einen elektrischen Supersportwagen kaufen?
Käufer im High-End-Segment suchen nach etwas Besonderem, nach etwas, das nicht jeder hat. Doch die Elektrifizierung hat eines der begehrtesten Merkmale von Supersportwagen demokratisiert: die pure Leistung.
Wer heute einen neuen Elektro-Supersportwagen auf den Markt bringen will, muss mindestens so schnell sein wie Hyundais Familienkombi. Wenn ein fünftüriger Elektro-Hatchback für 68.000 Euro in 3,4 Sekunden auf Tempo 100 sprintet – lohnt es sich da wirklich, 150.000 Euro mehr zu zahlen, nur um eine halbe Sekunde schneller zu sein? Wahrscheinlich nicht.
Bei Verbrennungsmotoren rechtfertigen sich hohe Preise zumindest noch durch Technik: Zylinderzahlen, Turbolader, Hightech-Komponenten – all das wird teuer verkauft, um minimale Leistungssteigerungen zu erzielen. Doch E-Antriebe fegen dieses Geschäftsmodell hinweg.
Ein Argument, das für den Supersportwagen sprechen könnte, wäre eine größere Reichweite. Doch selbst dieser Vorteil wird mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und dem Fortschritt in der Batterietechnologie bald obsolet. Und das sind Entwicklungen, die Autohersteller nur bedingt kontrollieren können – in einer Welt, in der jedes Gebäude mit Strom potenziell auch eine Ladestation ist.
Ja, viele E-Autos haben aktuell noch Leistungsbeschränkungen – sei es durch limitierte Höchstgeschwindigkeiten oder Software, die die Batterie schützt. Aber das sind Begrenzungen, die sich mit dem technischen Fortschritt leicht verschieben lassen. Und keine dieser Innovationen wird E-Autos langsamer, teurer oder weniger effizient machen – ganz im Gegenteil.
Rimac Nevera R
Die Elektrifizierung hat die Macht der Supersportwagen entmystifiziert. Bald könnte jedes Auto schnell sein – und das ist etwas, was auch CEOs und Führungskräfte der Autoindustrie zunehmend erkennen.
Tony Roma, Chefingenieur der Corvette, sagte kürzlich in einem Interview, eine elektrischer Corvette müsse auf neue Art „mitreißend“ sein – denn die 0-auf-100-Zeit sei bei E-Fahrzeugen ein "sinnloser" Maßstab.
Und er ist nicht allein. Rimac-Gründer Mate Rimac gab im vergangenen Jahr zu, dass sich das Hypercar Nevera nur schwer verkaufen lässt. Auch Koenigsegg und Pagani äußerten sich ähnlich: Ihre Kundschaft wolle schlicht keinen batteriegetriebenen Supersportwagen.
Und das ist nachvollziehbar. Elektroautos fehlt das, was wir an Verbrennern lieben: der Geruch, der Klang, das Gefühl – diese Dinge, die jedem Modell eine eigene Persönlichkeit verleihen. Das ist es, was unsere Leidenschaft für Autos entfacht. Doch streng genommen sind all diese Elemente lediglich romantisierte Symptome eines ineffizienten Antriebsstrangs – clever verpackt für unser Reptiliengehirn.
Hyundai Ioniq 5 N
Mit fortschreitender Batterietechnologie könnten wir bald in einer Welt leben, in der sich der Preis eines Autos nicht mehr an der Leistung, sondern an der Reichweite orientiert. E-Autos sind keine herkömmlichen Fahrzeuge mit Akku – sie stehen für einen fundamentalen Wandel dessen, was technisch und preislich möglich ist. Für viele Käufer bedeutet das: Supersportwagen-Performance zum Preis eines Familienwagens – etwa wie beim Ioniq 5 N.
Dieses Auto leistet 641 PS und kostet unter 70.000 Euro. Würde Hyundai eine kleinere Batterie anbieten, gäbe es ein leichteres, schnelleres, günstigeres und insgesamt besseres Auto.
Ein Angebot, das Supersportwagen-Hersteller schlicht nicht bieten können – zumindest nicht für Kunden, die sich bewusst abheben wollen. Da Autos zunehmend softwaregetrieben sind, könnten wir in Zukunft jedes beliebige Fahrzeug so programmieren, dass es sich fährt, klingt und anfühlt wie ein anderes.
Am Ende könnte genau das einigen Supersportwagenmarken das Genick brechen – wenn sich die E-Mobilität endgültig durchsetzt.
Auch interessant
Tesla Model 3 Standard (2026): Neue Version für 36.990 Euro
Letzte Chance für Verbrenner-Macan: Porsche stockt Bestand vor Produktionsende auf
Dieses Tesla Model 3 ist zum Leichenwagen mutiert
Range Rover SV Ultra: Spitzenmodell wird zum Konzertsaal
Nicht nur für Nerds: Tesla Model 3 Highland mit H&R-Tieferlegungsfedern
Bentley Flying Spur: Zweites Facelift am Nürburgring erwischt
Fahrspaß-Extender: Tesla Model 3 mit H&R-Gewindefahrwerk