Unter der Haube gab es sogar einen Jaguar-V12!

Das Gute an Autos ist, dass man selbst dann, wenn man glaubt, alles oder fast alles zu wissen, noch Dinge entdeckt, die einem völlig unbekannt waren. Wie dieser unglaubliche Van mit seinem typischen 80er-Jahre-Look, mit seiner etwas muskulösen Erscheinung, seinem protzigen Luxus im Inneren, und der im schlimmsten Fall einen V8 und im besten Fall... einen V12 trug! 

Hier ist also der De la Chapelle Parcours. Vielleicht sagt Ihnen der Name De la Chapelle etwas? Mit Sitz in Saint-Chamond, unweit von Lyon und Saint-Etienne, ist "DLC" auf Repliken alter Autos, insbesondere Bugattis, sowie auf die Herstellung von Modellen im Maßstab 1:6 für Kinder spezialisiert. Man erinnert sich aber auch an den De la Chapelle Roadster Ende der 1990er-Jahre. Aber ein Jahrzehnt zuvor war es ein erstaunliches Projekt, das das kleine handwerkliche Unternehmen in Angriff nahm.

De la Chapelle Parcours

Nachdem 40 Prozent der Firma von der Primwest-Gruppe und ihrem ehrgeizigen Chef Didier Primat gekauft worden waren, der damals auch den Ruf von Venturi wiederherstellen wollte (genauer gesagt von MVS, das zu Venturi werden sollte), machte sich De la Chapelle auf Wunsch eines ausländischen Kunden an die Entwicklung eines MPV. Aber nicht irgendeines Vans: Er sollte sowohl sehr luxuriös als auch technisch auf dem neuesten Stand sein. Es war das Ende des Jahres 1987.

Ein aerodynamischer Würfel

Unter dem Namen PC 12, "P" für PrimWest, "C" für De la Chapelle und "12" für V12, wurde Barré Design beauftragt, den Stil des Wagens zu gestalten. Mit seiner Monospace-Formgebung wirkt der Parcours riesig. Und seine Abmessungen sind in der Tat beeindruckend: 5,35 Meter lang, 2 Meter breit, 1,73 Meter hoch und ein Radstand von 3,12 Meter. Dieser Van schafft es, viele moderne SUVs zu erschrecken.

De la Chapelle Parcours

Wirkt das Design eher simpel, ein wenig kubisch und ehrlich gesagt nicht sehr sexy, so war es doch für Leistung und Aerodynamik gedacht mit einem erstaunlichen cW-Wert von 0,28. Man muss dazu sagen, dass Robert Chouler, der bei aerodynamischen Studien für Projekte wie den Porsche 917, den Matra 640 oder den Peugeot 905 verantwortlich war, das Sagen hatte.

Ein paar Details geben dem Ganzen etwas Kraft, vor allem die Sicken, die sich quer über das Profil bis zum Heck ziehen, oder die ausgeformten Türen. Der Frontgrill ist minimalistisch, ganz im Gegensatz zu aktuellen SUVs, und ein Frontspoiler schnüffelt den Boden. Am Heck, direkt über den vier Endrohren, sorgen Audi 80-Leuchten für Erstaunen. Insgesamt wirkt der Parcours wie eine Mischung aus Peugeot 806 und dem Renault Espace der 1990er-Jahre. 

De la Chapelle Parcours

Großzügiger Luxus

Bevor wir mehr über den Motor und die Mechanik im Allgemeinen erfahren, wollen wir die Türen des De la Chapelle Parcours öffnen. Angekündigt mit zwei Sitzanordnungen, 2-2-3 oder 2-3-3, bietet er 7 bzw. 8 Sitzplätze. Bei der 7-Sitzer-Version sind die beiden Einzelsitze in der mittleren Reihe zur Fahrtrichtung hin ausgerichtet.  

Der Innenraum ist ein echter Luxus. Wie der Kunde, der sich diesen Van der Spitzenklasse gewünscht hat, scheint der Parcours auf dem damals neuesten Stand der Technik zu sein. Die Vollledersitze sind vorne elektrisch gesteuert und programmierbar, die Klimaanlage funktioniert vorne und hinten automatisch. Großer Luxus! 

De la Chapelle Parcours

V8 oder V12 ?

Damit kommen wir zum interessantesten Teil dieses De la Chapelle MPV: die Mechanik. Denn es wurde weder an Kraft noch an Leistung gespart! 

Basierend auf einem Rohrrahmen-Chassis mit einem Aluminium-Wabenboden kamen zwei Motoren in Frage: auf der einen Seite ein 5,3-Liter-V12 von Jaguar mit 2 obenliegenden Nockenwellen, 2 Ventile pro Zylinder, der 273 PS bei 5.230 U/min und 404 Nm Drehmoment bei 2.800 U/min entwickelte. 

Eine weitere Möglichkeit war ein 5,0-Liter-V8, der von Mercedes stammte mit 4 obenliegenden Nockenwellen, 4 Ventile pro Zylinder, 326 PS bei 5.500 U/min und 421 Nm Drehmoment bei 4.000 U/min.

De la Chapelle Parcours

Beide Versionen waren mit einem Automatikgetriebe ausgestattet, dazu kam Hinterradantrieb! In Zusammenarbeit mit der Firma WTI aus Lyon wurde jedoch ein Allradantrieb für den MPV entwickelt und produziert, allerdings als Option. Die Luftfederung wurde elektronisch gesteuert. 

250 km/h Spitze

Um das Gewicht besser zu verteilen, wurden die 160 Liter Benzin, die in den De la Chapelle Parcours passten, auf vier Tanks verteilt. Beeindruckend waren die Fahrleistungen: Mit dem V12 erreichte der Minivan 230 km/h, in der etwas leichteren V8-Version schob er sich auf 250 km/h. 

De la Chapelle Parcours

Stückzahlen und Preis

"Dieses Fahrzeug richtet sich sowohl an Unternehmen als auch an Privatpersonen, die mit einem auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Minivan genauso schnell fahren möchten wie mit einer repräsentativen Limousine."

Im Prospekt für den De la Chapelle Parcours hatte man eine wohlhabende Geschäftskundschaft, Firmen, große Hotels im Visier, aber auch der Einsatz als Familienkutsche war angedacht! 

Zu Beginn waren 100 Einheiten für die Serienfertigung geplant. Pro Jahr versteht sich. Zumindest wird das in der damaligen Pressemitteilung erwähnt. Was den Preis betrifft, so sollte er je nach gewähltem Modell "fast eine Million Franc" betragen, umgerechnet rund 300.000 DM!

Letztendlich scheinen nur drei Modelle produziert worden zu sein: das erste war ein Prototyp, der mit dem Jaguar-V12 für Tests unter der Verantwortung von Claude Poiraud, einem der Väter des Venturi, lief. Das zweite Modell war ein Vorserienmodell, das nicht fertiggestellt wurde, und das dritte, anscheinend das einzige wirklich fertiggestellte, trug den 326 PS starken Mercedes-V8. Letzteres ist der einzige Wagen, der homologiert ist! 

Die Geschichte endet 1992. Zu diesem Zeitpunkt beschließt die Primwest-Gruppe, die Kosten zu senken, vor allem das Experiment mit Venturi in der Formel 1, und gibt De la Chapelle auf. 

Bildergalerie: De la Chapelle Parcours (1988)