Der originale Vierzylinder bekommt so 54 PS mehr Leistung

Ein Puch G aus dem Baujahr 1995 mit 170 PS (125 kW) Leistung? Klarer Fall, das muss ein W 463 mit dem 300-GE-Sechszylinder sein! Doch wie kommt die zivile Luxusversion zur Schweizer Armee? Schließlich setzten Streitkräfte bekanntermaßen auf die maßvoll motorisierten, rustikalen W 461.

Lorinser Classic bringt Licht ins Dunkel. "Vor längerem haben wir einen größeren Posten Puch G der Schweizer Armee übernommen", erläutert Marcus Lorinser. Er steht dem in Waiblingen beheimateten Unternehmen seit 2006 in dritter Generation als Geschäftsführer vor. Besagte Fahrzeuge wurden teilweise im Originalzustand weiterverkauft, einige andere in unterschiedliche Restomods verwandelt. "Dabei probieren wir immer mal etwas Neues", so Lorinser.

Nach Exemplaren mit neuer Optik und teilweise sogar speziellen Aufbauten bis hin zum Wohnmobil kommt nun erstmals eine Leistungssteigerung zum Einsatz. Während die hauseigene Tuning-Division modernen Turbo-Motoren auf elektronischem Weg Beine macht, war beim betagten Sauger M 102 schweres Werkzeug gefragt.

Doch wozu ist man schließlich seit mehreren Jahrzehnten ein Mercedes-Autohaus? Lorinser ist zudem einer von nur 46 Mercedes-Classic Partnern in Deutschland. So konnte man leicht zeigen, dass man das klassische Frisieren keineswegs verlernt hat. Der Hubraum wurde von 2.297 auf 2.900 ccm aufgebohrt – für einen Vierzylinder ist das quasi oberste Spielklasse.

Lorinser Puch G

Die originalen 116 PS (85 kW) konnten um 54 PS nach oben korrigiert werden und es liegen jetzt bis zu 280 Nm Drehmoment an. Das Schalten übernimmt eine 4-Gang-Automatik. So lässt es sich, gebettet auf neu gepolsterten und bezogenen Sitzen, perfekt cruisen.

Richtungswechsel werden dabei stilvoll mit dem neuen Holzvolant vorgenommen. Natürlich hat es Lorinser Classic nicht bei inneren Werten belassen, was schon ein Blick auf die makellose Karosserie zeigt. Sie wurde inklusive der Scheinwerfereinfassungen in Arabergrau matt lackiert und trägt ein komplett neues Verdeck in schwarzem Stoff. Vom Unterboden tilgte der Trockeneisstrahl alle Manöverspuren, anschließend wurde er dauerhaft konserviert.

Schließlich ist der gezeigte Puch G erst 110.000 Kilometer gelaufen und der Motor wie vieles andere nach der Überholung so gut wie neu. Ein kleines, aber stilvolles Modernisierungsprogramm gab es für das ehemalige Armeegefährt überdies. Die Mechaniker installierten neben LED-Hauptscheinwerfern mit Schutzgittern eine Anhängerkupplung, die 3,5 Tonnen an den Haken nehmen darf.

Spur- und Kotflügelverbreiterungen in Kombination mit 16-Zoll-Offroad-Stahlfelgen von DOTZ 4x4 sorgen für einen satten Stand auf der Straße. Dazu gibt es All-Terrain-Bereifung von BFGoodrich. Die vielen Besonderheiten und der exzellente Zustand dieses wenig gelaufenen Einzelstücks addieren sich zu einem Verkaufspreis von 64.500 Euro.

Wer bereits einen entsprechenden Mercedes oder Puch G besitzt und sich für den aufwändigen Motorumbau interessiert: Inklusive Komplettüberholung und neuer Katalysatoranlage sollte mit 20.000 Euro gerechnet werden.

Bildergalerie: Lorinser Puch G