Gestraffte Modellpalette als Ausweg?

Der Daimler-Konzern steckt in der Klemme: Nach einem Brief des Konzernvorstands an die Führungskräfte, aus dem die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das Handelsblatt zitieren, müssen mindestens 4,2 Milliarden Euro kurzfristig kompensiert werden. Die Führungskräfte sollen Ideen dazu entwickeln.

Im zweiten Quartal 2019 ist der Stuttgarter Konzern in die roten Zahlen gerutscht und schrieb 1,6 Milliarden Euro Verluste. Das lag offenbar zum großen Teil an den hohen Sonderausgaben. Diese hatten sich durch die teuren Rückrufe ergeben, die das Kraftfahrtbundesamt in Sachen Dieselschummelei verfügt hat. So wurde im Juni 2019 eine beträchtliche Stückzahl vom GLK 220 CDI zurückgerufen, weil das KBA eine illegale Abschalteinrichtung in der Motorsoftware entdeckt haben will. Betroffen sind aber auch etliche andere Modelle wie die C-, E- und S-Klasse, den GLC, die M- und die G-Klasse. Mercedes bestreitet die Vorwürfe und will gerichtlich dagegen vorgehen.

Ein Sparprogramm ist aber bereits in Arbeit und soll im November 2019 vom neuen Konzernchef Ola Källenius verkündet werden. Durchgesickert ist bereits, dass die Zahl der Antriebsvarianten pro Modell um rund 30 Prozent reduziert werden soll. Außerdem wird überlegt, ob man bei elektrifizierten Modellen nicht die Elektrokomponenten wie Akkus, Leistungselektronik und E-Motoren vereinheitlichen könnte, was zu niedrigeren Preisen führen könnte. Einen Elektrifizierungsbaukasten wie VW hat Daimler bisher noch nicht. Ändern wird sich das wohl erst mit dem geplanten EQS, einer Oberklasselimousine mit Elektroantrieb.

Eine weitere Baustelle von Daimler sind die CO2-Flottengrenzwerte der EU. Die Konzernflotte liegt derzeit bei durchschnittlich 134 Gramm, der herstellerspezifische Grenzwert liegt bei 105 Gramm. Die Differenz von 39 Gramm würde zu Strafzahlungen von rund 3.700 Euro (39 mal 95 Euro für jedes Gramm Überschreitung) pro Auto führen. „Besonders die Jahre 2020 und 2021 stellen eine erhebliche Herausforderung dar“, so Daimler-Chef Källenius. Und es kommt noch schlimmer: Elektroautos bringen nicht viel ein. Im Gegenteil: Bei vielen Herstellern heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass die Autos eigentlich viel teurer sein müssten, wenn es nach den Kosten ginge. Aber vor ähnlichen Probleme stehen derzeit die meisten Hersteller.