Das "Enfant Terrible" gestaltete auch Autos und Lastwagen

Berühmt und berüchtigt: Wohl auf keinen anderen Industriedesigner des 20. Jahrhunderts trifft diese Beschreibung so sehr zu wie auf Luigi Colani. Ob Kameras, Computer, Polizeiuniformen oder Konzertflügel: Kaum etwas war vor Colani und seinem Biodesign sicher. Auch im automobilen Bereich hat Colani deutliche Duftmarken hinterlassen, wenngleich ihm hier der ganz große Wurf versagt blieb.

Als Lutz Colani kam der Designer 1928 in Berlin auf die Welt, sein Vater war Filmarchitekt. 1946 begann Colani in seiner Heimatstadt ein Studium der Bildhauerei und Malerei, zwischen 1949 und 1952 studierte er Aerodynamik und Ultraleichtbau in Paris. Ab 1954 gestaltete er in Frankreich Kunststoffkarosserien für die Autoindustrie (Simca) und setzte dies ab 1955 in Berlin fort.[18] Bei der angesehenen Karosseriebau­firma Erdmann & Rossi in Berlin erlernte er von Grund auf das Handwerk des Automobilbaus. Im Anschluss folgten weitere Arbeiten für italienische Automobilfirmen wie Alfa Romeo und Lancia. 1957 fuhr sein Abarth-Alfa Romeo 1300 Berlinetta als erster GT-Sportwagen der Welt unter zehn Minuten um die Nordschleife des Nürburgrings. In diesem Jahr benannte er sich um in Luigi Colani, wohl vor allem aufgrund seiner Tätigkeit für italienische Firmen.

In den 1960er bis 1970er Jahren erweiterte er seine Design-Tätigkeit auf Möbel und Gebrauchsgegenstände. Ab 1982 arbeitete Colani in Japan für diverse Hersteller als Chefdesigner, in den 1990er-Jahren verlegte er sein Hauptaugenmerk nach China. Mit seiner Forderung nach Befreiung der Produkte von rechten Winkeln und geraden Kanten schuf Colani seinen eigenen "Biodesign"-Stil. 

Im Bereich des Pkw- und Lkw-Designs blieb Colani jedoch stets der große Wurf verwehrt. Grund waren teils zu exzentrische Entwürfe, die sich kaum mit einer Serienfertigung vereinbaren ließen, als auch die persönliche Natur Colanis. Äußerst überzeugt von seinen Ideen, reagierte er sensibel auf Kritik. Seine harschen Aussagen, garniert mit gelegentlich drastischer Wortwahl, konnte auf Beobachter arrogant wirken. Ein kompletter Colani-Autoentwurf vom weißen Blatt Papier aus wurde nie realisiert. Fälscherweise werden ihm oft der erste VW Polo und der Ford Ka zugerechnet. Dies stimmt aber nicht, vielmehr hat er beide Fahrzeuge wie auch andere Modelle (etwa den BMW 700 oder die Ente) aerodynamisch optimiert. Von 1964 bis 1968 ließ Colani unter dem Markennamen Colani bei der Berliner Firma Canadur sogenannte Kit Cars bauen, die er anfänglich als Bausatz anbot. Auf das Fahrgestell eines VW Käfer 1200 wurde eine individuelle Kunststoff-Karosserie montiert. Neben einer Coupé-Version wurden die Zweisitzer auch als Roadster angeboten. Sehr bekannt wurden seine futuristischen Lastwagen, von denen einige als Werbeträger unterwegs waren. 

Mit Blick auf die aktuellen Debatten rund um SUVs und Auto-Verbote klingen die Worte Colanis aus dem Jahr 1970 prophetisch. Bezogen auf ein Mikroauto mit Elektromotor sagte er: „Es ist doch ein hirnverbrannter Blödsinn, für Menschen, die beim Fahren ein Viertelquadratmeter Platz benötigen, Autos von sechs mal zwei Meter zu bauen."