Messungen zeigen: NOx-Belastung sinkt stark

Der nachträgliche Einbau einer SCR-Abgasreinigung kann den Ausstoß von Stickoxiden bei Euro-5-Dieseln im Stadtverkehr um über 70 Prozent senken. Das ist das Hauptergebnis von Testergebnissen, die der ADAC Württemberg nun präsentiert.

Euro-5-Diesel vom Pkw bis zum Transporter
Für den Test wurden vier Euro 5-Dieselfahrzeuge gebraucht angekauft. Dabei handelte es sich um ein bis fünf Jahre alte Fahrzeuge mit 20.000 bis 95.000 Kilometern auf dem Tacho: ein Mercedes B 180 CDI, ein Opel Astra Sports Tourer 1.7 CDTI, ein VW T5 Multivan 2.0 TDI sowie ein Fiat Ducato 130 Multijet. Damit wurden neben Pkw auch die in der Stadt häufig fahrenden Lieferfahrzeuge abgedeckt, zudem wurde auf möglichst unterschiedliche Hubräume und eine möglichst große Verbreitung geachtet.

Messung auf dem Prüfstand und im Straßenbetrieb
Zunächst wurden die Emissionen im unveränderten Zustand gemessen, und zwar sowohl auf dem Prüfstand im WLTC-Zyklus als auch im Realbetrieb auf der Straße nach RDE-Standard. Danach wurden die Autos von Unternehmen wie HJS oder Twintech umgerüstet und erneut gemessen.

NOx-Minderung um 70 Prozent und mehr
Vor der Umrüstung lagen die realen Stickoxidemissionen zum Teil dramatisch über den gesetzlichen Grenzwerten, danach waren sie deutlich niedriger. Auf dem Prüfstand wurden bei Kaltstart für die Stadt NOx-Minderungsraten zwischen 44 und 61 Prozent gemessen (WLTC kalt, 23 Grad Celsius, Phasen 1-3). Außerorts (WLTC-Phase 4) erreichen drei Systeme sogar zwischen 78 und 88 Prozent. Sobald die Systeme ihre Betriebstemperatur (WLTC warm, 23 Grad Celsius, Phasen 1-3) erreicht haben, liegen die Reduktionsraten bei allen gut abgestimmten Systemen auch im Stadtverkehr bei über 70 Prozent.

Optimierungspotenzial bei niedrigen Temperaturen
Wie man seit dem VW-Skandal weiß, geben Prüfstandstests die Emissionen im realen Verkehr nur bedingt wieder. Doch auch auf der Straße maß der ADAC deutliche Minderungen, und zwar sogar unter sehr ungünstigen Bedingungen (Außentemperatur von etwa vier Grad Celsius), wie die Messergebnisse der Mercedes B-Klasse und des Opel Astra zeigen. Insgesamt wird allerdings auch deutlich, dass die SCR-Nachrüstung bei niedrigen Temperaturen noch Optimierungspotential haben, so der ADAC.

19 bis 30 Prozent weniger am Neckartor
Eine NOx-Minderung am Fahrzeug von 70 Prozent heißt allerdings nicht, dass auch die Stickoxid-Messwerte an der Straße um diesen Wert sinken. Wenn fahrleistungsbezogen 75 Prozent der Euro-5-Diesel-Pkws nachgerüstet würden, die 70 Prozent der Stickoxide zurückhalten können, würden die Emissionen des Straßenverkehrs am Stuttgarter Neckartor (einem der bundesweiten NOx-Hotspots) um 18,5 Prozent sinken. Bei optimistischeren Annahmen wären bis zu 30 Prozent möglich.

Mehr Adblue nötig als oft geschätzt
Bei den ADAC-Messungen zeigte sich auch, dass der Kraftstoffverbrauch durch die Nachrüstung um ein bis sechs Prozent stieg. Der Adblue-Verbrauch lag mit 1,5 bis 2,8 Liter pro 1.000 Kilometer deutlich höher als die oft von Autoherstellern angegebene Schätzzahl von einem Liter je 1.000 Kilometer.

Gesetzgeber und Autohersteller müssen helfen
Bei den vom ADAC installierten SCR-Anlagen handelte es sich noch um Prototypen. Bevor die Systeme in Großserie gefertigt werden können, muss zunächst der Gesetzgeber Rahmenbedingungen für die Zertifizierung und Überprüfung festlegen. Zudem ist die Kooperationsbereitschaft der Autohersteller wichtig, um die Systeme schnell zur Serienreife zu führen, so der ADAC. Und nicht zuletzt muss die Finanzierung des Ganzen geklärt werden. Die Kosten der Nachrüstung lagen laut ADAC bei 1.400 bis 3.300 Euro inklusive Einbau, und der Automobilclub glaubt, dass der Durchschnittswert im oberen Drittel dieser Spanne liegen wird.

Reicht es für den Grenzwert?
Der ADAC äußert sich nicht dazu, ob die Nachrüstung ausreichen würde, um die Stickoxidgrenzwerte in den Städten zu erreichen. Das erscheint zweifelhaft. Denn zum Beispiel am Neckartor lag 2017 der Jahresmittelwert laut Umweltbundesamt bei 74 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das sind rund 80 Prozent mehr als der Grenzwert (40 Mikrogramm). Denn Euro-5-Diesel-Pkw sind nur für einen Teil der Stickoxide verantwortlich. Laut ADAC liefern sie am Neckartor mit 34 Prozent zwar den Hautbeitrag, doch Euro-6-Diesel (26 Prozent), Euro-4-Diesel (zehn Prozent), sowie noch ältere Diesel und Benziner kommen noch hinzu.

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