Schwerpunkte bei der Entwicklung sind Dynamik und Wertigkeit

Opel zeigt das wichtigste Modell der Palette: den neuen Astra. Wir sind in ein Studio nach Offenbach gefahren und haben uns das einzige bisher existierende Exemplar des Hoffnungsträgers der Rüsselsheimer ganz genau angeschaut – Opel hat sich viel vorgenommen, das Ziel ist ganz klar: Man will der Dauer-Nummer-Eins VW Golf am Zeug flicken. Der Astra ist auch in Zukunft Opels wichtigstes Pferd im Stall, daran kann auch der momentane Höhenflug des Insignia nichts ändern. Aber der Insignia quillt Opels neuem Kleinen aus allen Poren.

Harmonie mit Fuge
Der erste Eindruck beim Betrachten des Kompakten: Opel hat den Insignia geschrumpft. Sicherlich kein schlechtes Zeichen, wobei der Begriff ,kompakt" beim neuen Astra eher relativ zu sehen ist, denn das Fahrzeug ist immerhin 4,42 Meter lang. Design-Chef Mark Adams gibt offen zu, dass der große Bruder als Vorbild diente: ,Wir haben das Werk fortgesetzt, das wir mit dem Insignia begonnen haben. Man kann sich Astra und Insignia als Teile einer Familie mit den gleichen Genen vorstellen." Die Front des neuen Rüsselsheimer Hoffnungsträgers kommt recht abgerundet daher, gestört wird das Bild aber von einer extrem nach oben gerutschten Fuge. Das die Motorhaube derart früh vor der Wagen-Front endet, hat laut Opel versicherungstechnische Gründe: Bei einem Crash bleibt die Haube heil und die Kosten halten sich in Grenzen. Dem Aussehen schadet dies allerdings.

Klassisch blinken
An der Frontpartie setzt der Astra indes auf weniger Chrom als beim Insignia. Der Kühlergrill ist flach und trapezförmig und wird vom neuen, großen Opel-Blitz dominiert. Die Blinker sitzen in separaten, chromverzierten Gehäusen etwas nach hinten verlagert im vorderen Stoßfänger. Klassisch wurde bei den Seitenblinkern verfahren: Sie sitzen nicht modisch in den Außenspiegeln, sondern in den vorderen Kotflügeln.

Neues Selbstbewusstsein
Auch an anderen Stellen wird Selbstbewusstsein zur Schau gestellt: Die pfeilförmigen Tagfahrlichter kennt man bereits vom Insignia. Dessen Pfeil- und Sichel-Motiv findet sich häufig wieder, so etwa in der Seitenlinie. Hier zieht sich eine sichelförmige Sicke nach hinten Richtung C-Säule nach oben, wo sie auf die Seitenfenstergrafik trifft. Die Seite des neuen Astra wirkt stimmig, dynamisch und harmonisch, wobei die 19-Zoll-Felgen unseres Modells natürlich nicht zur Einstiegsausstattung namens ,Essentia" gehören. Angefangen wird bei 16 Zoll.Die Optik von C-Säule und Seitenfenstern soll übrigens, man höre und staune, an das Kadett B Coupé von 1966 erinnern. Vor den hinteren Radläufen kommt hingegen wieder der Insignia durch. Das Sichel-Thema, welches dort die Fronttüren ziert, verläuft beim Astra genau umgekehrt, nämlich nach hinten oben.

Sehr präsentes Ende
Apropos hinten: Die schlanke Silhouette verlängert laut Opel die Dachlinie so geschickt, dass sie für mehr Abtrieb am Heck sorgt, ohne den Luftwiderstand zu erhöhen. Das Heck des Astra verlangt uns ein bisschen Eingewöhnung ab: Ausgesprochen pummelig hängt es am Wagen. Ein wulstiger Dachkantenspoiler sorgt für die richtige Luftumströmung und den Trend zum Diffusor zwischen den Endrohren macht Opel beim Astra nicht mit. Der Kofferraum wächst im Vergleich zum Vorgänger-Modell um 30 Liter und ist mit 370 Liter sogar 20 Liter größer als der des Golf. Allerdings stehen wir vor einer hohen Ladekante, die Ladeschwelle ist ebenfalls ausgesprochen hoch und die Ladeluke wurde nicht allzu üppig dimensioniert. Als kleinen Trost gibt es unter der Bezeichnung ,FlexFloor" einen dreifach einstellbaren Zwischenboden.

Fassbare Qualität im Innenraum
Doch nun genug der äußeren Merkmale, wir setzen uns in den Wagen. Dort werden zukünftige Astra-Kunden die meiste Zeit verbringen, weshalb das Opel-Team viel Wert auf die so genannte ,wahrnehmbare Qualität" gelegt hat. Darunter versteht man das Erscheinungsbild und die Haptik aller Materialien, Schalter und Applikationen. ,Unser Ziel war es, das Astra-Interieur ebenso hochwertig zu gestalten wie beim Insignia", sagt Opel-Experte Peter Hasselbach. In der Tat sind die Parallelen kaum zu übersehen: Neben der Kombination von schwarzer Optik und roter Tachobeleuchtung sind auch die Astra-Instrumente in Chrom eingefasst. Die Basisausstattung hört auf den Namen Essentia, darüber befinden sich die Versionen Enjoy, Sport und Cosmo. Die Grundfarbe ist innen schwarz, optional sind aber auch Farbtöne namens ,Spice Red" und ,Ocean Blue" erhältlich.

Anheimelnde Kabine
Zur Innenraumverarbeitung lässt sich bei unserem Ansichtsexemplar noch nichts sagen. Als wir auf dem Fahrersitz Platz nehmen, fühlen wir uns sofort wohl. Das Gestühl an sich ist ausgesprochen bequem und vorne gibt es jede Menge Beinfreiheit. Und wenn nicht gerade zwei Riesen hintereinander sitzen, kann man seine Beine auch ganz gut im Fond unterbringen. Kopffreiheit hat der Wagen auf jedem Platz reichlich parat. Die Mittelkonsole wirkt auf uns ein wenig Knopf-überfrachtet, wobei die Bedienelemente unseren Fingern schmeicheln. Der Blick in die großen Außenspiegel macht Freude, der Blick nach hinten weniger: Die breiten und sich nach hinten verengenden C-Säulen gehen zu Lasten der Übersichtlichkeit – aber damit folgt Opel nur dem allgemeinen Trend

Kann klappen
Der neue Astra ist auf jeden Fall ein eigenständiges Fahrzeug. Er streckt sich siebzehn Zentimeter länger als sein Vorgänger, wovon sieben Zentimeter im Radstand landen. Für mehr Präsenz sorgt vor allem der Breitenzuwachs um sechs Zentimeter. Wenn die Verarbeitungsqualität in der Serie stimmt, kann der rundliche Kompakte aus Rüsselsheim wieder vorne mitspielen. Man darf gespannt sein, wie das Design und der Größenzuwachs bei den Kunden ankommen werden.

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