Twinturbo-Version des Sechszylinders leistet 306 PS und kommt im 3er Coupé

Die Benzindirekteinspritzung, seit Jahren hoch gepriesen, hat ihren endgültigen Durchbruch immer noch vor sich. Nach wie vor dominiert bei Ottomotoren die konventionelle Saugrohreinspritzung. Ein Grund dafür ist, dass die ersten Benzindirekteinspritzer nur in einem engen Drehzahlbereich wirklich Sprit sparten. Nun stellt BMW zwei Versionen eines Reihensechszylinders mit Direkteinspritzung vor, die diesen Nachteil nicht haben sollen. BMW nennt das neue Einspritzverfahren High Precision Injection. Die ersten zwei Motoren dieser Baureihe feiern Premiere im neuen 3er Coupé – und zwar im 330i und im 335i.

Saugversion: Zehn Prozent weniger Verbrauch
Die Basis für beide Aggregate bildet der 265 PS starke 3,0-Liter-Sechszylinder, der etwa auch im 130i arbeitet. Im 3er Coupé 330i wird die Saugvariante des neuen Motors eingesetzt. Sie leistet 272 PS, ist also noch ein Quäntchen stärker als der Basismotor. Beim Drehmoment von 315 Newtonmetern liegen beide gleichauf. Der Spritverbrauch soll jedoch um zehn Prozent niedriger sein. Möglich macht dies die so genannte Schichtladung: Dabei wird der Zylinder nicht mit einem homogenen Benzin-Luft-Gemisch gefüllt, sondern durch eine zentrale Einspritzung nur in der Mitte eine zündfähige Gemischwolke erzeugt. So wird die Benetzung der Zylinderwände verhindert, die zu erhöhtem Spritverbrauch führt.

Gut platziert ist halb gespart
Die Einspritzventile wurden direkt neben der Zündkerze platziert, was eine mittige Einspritzung gestattet. Statt der üblichen Magnetventile werden Piezo-Injektoren verwendet, die besonders schnell reagieren und damit eine exakte Kraftstoffbemessung ermöglichen. Das Problem an der Direkteinspritzung mit Magerkonzept war bisher, dass der Schichtlademodus nur in einem engen Betriebsbereich möglich war. So hat der VW-Konzern bei seinen FSI-Motoren das Prinzip der Schichtladung inzwischen wieder aufgegeben. Durch die Ausformung der Injektoren und ihre optimale Position kann BMW nach eigener Aussage jedoch den Magerbetrieb auch bei hohen Drehzahlen und hoher Last aufrechterhalten.

Twinturbo mit 400 Newtonmetern Drehmoment
Die Saugvariante des neuen Motors spart zwar Benzin, bringt aber in puncto Leistung nur wenig. Anders ist das bei der aufgeladenen Variante, die in der 335i-Version des 3er Coupés eingesetzt werden soll. Mit 306 PS sattelt sie gegenüber dem 265-PS-Basismotor über 40 Pferdestärken drauf. Damit ist der Motor auch genauso stark wie ein Achtzylinder mit vier Litern Hubraum – etwa der Antrieb im 540i. Im Vergleich zu den anderen BMW-Sechszylindern muss das Aggregat nur hinter dem 3,2-Liter-Motor im M3 und Z4 M mit 343 PS zurückstehen. Mit bis zu 400 Newtonmetern schlägt er selbst diesen Motor deutlich beim Drehmoment. Noch imposanter ist, dass dieses Drehmoment in einem sehr breiten Drehzahlband zur Verfügung steht, nämlich von 1.300 bis 5.000 Touren.

Turboloch gestopft
Um die Leistung gegenüber dem 265-PS-Basismotor zu erhöhen, hätte BMW den Hubraum vergrößern können. Doch das hätte das Gewicht stark erhöht und damit die Fahreigenschaften verschlechtert. Deshalb entschied sich BMW für eine Aufladung. Während VW beim neuen TSI-Motor auf die Kombination aus Kompressor und Turbolader setzt und Porsche beim 911 Turbo eine Turbine mit variabler Geometrie (VTG) einsetzt, baut BMW auf die Kraft von zwei Turbos. Die arbeiten in dem neuen Motor parallel: Je ein kleinerer Lader ist für drei Zylinder zuständig. Vorteil: Die beiden Lader besitzen eine geringere Trägheit, was das Ansprechverhalten beim Gasgeben verbessert. Mit anderen Worten: Das Turboloch, also das verzögerte Ansprechen des Laders bei niedrigem Abgasdruck, ist kaum mehr wahrnehmbar.
(sl)

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