Wir haben einen Blick in das neue Porsche-Museum geworfen

Schon auf der Pressekonferenz wird deutlich, welchen Weltrang die Marke Porsche hat. Journalistenkollegen aus den USA und sogar Japan sind nach Stuttgart-Zuffenhausen gekommen, um das neu gebaute Museum des Sportwagenherstellers noch vor der offiziellen Eröffnung am 28. Januar 2009 in Augenschein nehmen zu können. In der Tat haben sich die Schwaben ein Schmuckkästchen der allerfeinsten Sorte gegönnt.

Unverwechselbare Visitenkarte
Direkt vor dem Neubau auf dem Porscheplatz hält die S-Bahn, mit der man etwa zehn Minuten vom Hauptbahnhof braucht. Die Haltestelle hört übrigens auf den Namen ,Neuwirtshaus/Porscheplatz". Beim Ausstieg baut sich vor einem die quaderförmige Kulisse des Museums auf. Ob man die kubistischen Formen mag oder nicht, beeindruckend ist der Anblick des wuchtigen Gebäudes in jedem Fall. Den Haupteingang erreicht man über einen großen Vorplatz, der leicht abwärts führt.

Treffpunkt für Historiker und Oldtimerbesitzer
Hinter dem Haupteingang erwartet den Besucher das Foyer, um das sich Bistro, Kaffeebar und der Museumsshop gruppieren. Hinter einer verglasten Front erkennt man mehrere alte Porsche-Fahrzeuge, dahinter verbirgt sich die Museumswerkstatt. Dort werden nicht nur Autos von Kunden auf Vordermann gebracht, sondern auch die werkseigenen Ausstellungsstücke. Porsche bezeichnet seinen Fundus als ,rollendes Museum". Im Klartext heißt das, dass die wertvollen Schätzchen regelmäßig bei Oldtimerrallyes und Rennen eingesetzt werden. Wer sich mit der Unternehmensgeschichte in Papierform auseinandersetzen möchte, für den gibt es im Gebäude das historische Firmenarchiv mitsamt einer umfassenden Bibliothek. Sowohl Fach- als auch Privatleute können dort nach Anmeldung recherchieren.

Kühne Konstruktion
Der eigentliche Ausstellungsbereich besteht aus einer Stahlkonstruktion, die auf lediglich drei Betonpfeilern ruht. Mit einer Länge von etwa 160 Metern und einer durchschnittlichen Breite von 70 Metern erreicht der schwebend wirkende Oberbau ein Gesamtgewicht von 35.000 Tonnen. Angesichts dieser Werte verwundert es nicht, dass Bauingenieure und Statiker vor besonderen Aufgaben standen und der Zeitplan ins Wanken geriet. Im Februar 2005 erhielt das Wiener Architekturbüro Delugan Meissl den Zuschlag aus insgesamt 170 Bewerbern, Anfang Dezember 2008 wurde das Bauwerk termingerecht an Porsche übergeben. Die Kosten beziffert das Unternehmen auf rund 100 Millionen Euro, allerdings betont Museumschef Achim Stejskal, das man dies den Fans der Marke schuldig sei.

Elegante Atmosphäre
Nötig war der Neubau bereits seit langem: Lediglich 20 Fahrzeuge konnten im alten Museum auf dem Gelände des Porsche-Werks besichtigt werden - angesichts eines gesamten Fundus von 400 Schätzen auf vier Rädern eine verschwindend geringe Zahl. Das soll sich nun ändern: Auf einer Ausstellungsfläche von 5.600 Quadratmetern können die Besucher nun 80 Autos bewundern. Über eine lange Rolltreppe geht es in das Allerheiligste des Neubausund egal in welche Richtung man blickt, überall stehen Porsche-Fahrzeuge. Spontan denkt man an den Led-Zeppelin-Klassiker ,Stairway to Heaven" und tatsächlich: hier muss der Himmel für Autofans sein. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die weiße Inneneinrichtung. Kritiker könnten die Atmosphäre als steril oder nüchtern bezeichnen, der Autor dieser Zeilen findet sie passend, gerade auch im Blick auf das funktionale Design von F.A. Porsche. Im übrigen wird dessen ,Zeitlosigkeit" auch von den Museumsmachern betont: Eine Porsche-Sonnenbrille und die berühmte Pfeife mit der Kühlrippen-Optik gehören zu den Exponaten.

Offen für alles
Das Ausstellungskonzept stammt vom Stuttgarter Architekturbüro HG Merz. Die wichtigste Aufteilung betrifft die Trennung der Porsche-Arbeiten vor und nach 1948. Naturgemäß liegt der Schwerpunkt auf der Firmengeschichte nach 1948, doch Exponate wie die Radnabe des Lohner-Porsche mit elektrischem Antrieb aus dem Jahr 1900 und natürlich der VW Käfer zeigen die Ingenieurskunst von Ferdinand Porsche. Besonders gut gelungen ist die flexible Ausstellungsgestaltung: Die Besucher können sich ohne vorgeschriebenen Rundgang bewegen, zudem kann man viele der Autos von allen Seiten bestaunen. Für die Orientierung sorgen Themenkomplexe wie Le Mans, Porsche 917, Studien oder 911 Turbo.

Highlights am laufenden Band
Der staunende Besucher weiß angesichts der Fülle an hochkarätigen Fahrzeuge kaum, wo er anfangen soll. Zu den Hinguckern zählt die an dünnen Drahtseilen aufgehängte und von innen beleuchtete Kunststoffkarosserie des Porsche 908 von 1968, die nur 130 Kilogramm wiegt. Eindrucksvoll ist auch der Porsche 956, der über Kopf unter der Museumsdecke hängt. Damit wird demonstriert, dass er sich bei einem Tempo von 321,4 km/h theoretisch an der Decke festsaugen könnte. Interessant sind auch der erste 924-Prototyp, die Armada von Rennwagen des Typs 917 und eine viersitzige 911-Studie. Hinzu kommen Exponate, die man nicht sofort mit der Marke Porsche assoziiert, wie ein Flugmotor oder ein Traktor.

Moderater Eintritt
Doch nun genug, mehr wird an dieser Stelle nicht verraten, schließlich soll im neuen Porsche-Museum ja auch noch einiges entdeckt werden. Der Hersteller selbst rechnet übrigens mit 200.000 Besuchern im Jahr. Wenn Sie auch dazugehören wollen: Die Ausstellung ist täglich außer Montag von neun bis 18 Uhr geöffnet, die Kassen schließen um 17 Uhr. Erwachsene zahlen acht Euro Eintritt, ermäßigt werden vier Euro fällig. Wer gar nicht genug von den schicken Flitzern bekommen kann, für den gibt es die Jahreskarte zu 32 Euro. Kinder bis 14 Jahre und angemeldete Schulklassen kommen übrigens umsonst rein. Die erste Sonderausstellung im Museum wird sich um das Thema ,100 Jahre Ferry Porsche" drehen.

Feiern bei Porsche
In der Museumswerkstatt kann von Montag bis Freitag zwischen neun und 16 Uhr vorbeigeschaut werden. Über einen separaten Zugang ist das Restaurant ,Christophorus" erreichbar, für festliche Veranstaltungen lassen sich Räumlichkeiten mieten. Alle Autofahrer können beruhigt sein: Einer der insgesamt 260 Tiefgaragenstellplätze kostet pro Tag zwei Euro. Für allgemeine Besucheranfragen stellt Porsche unter der Rufnummer 01805/356911 eine Hotline bereit.

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