Bis heute wurden mehr als 900.000 Exemplare des Zweisitzers verkauft

Man mag es kaum glauben und doch ist es wahr: Der Smart in seiner uns allen bekannten klassischen Form als Zweisitzer wird zehn Jahre alt. Am 2. Juli 1998 lief im französischen Ort Hambach der erste Smart Fortwo vom Band. Bis zu diesem Tag hatte das Mikro-Auto aber bereits eine lange Geschichte vorzuweisen. Grund genug, zum Jubiläum einmal in alten Zeiten herumzustöbern.

Ein Mann, eine Uhr, ein Auto
Am Beginn der Smart-Story steht ein Geschäftsmann aus der Schweiz namens Nicolas Hayek. Als Anfang der 1980er Jahre die Uhrenindustrie der Eidgenossen aufgrund japanischer Konkurrenz unter Druck gerät, erfindet Hayek eine poppige und preiswerte Uhr, die zum Lifestyleobjekt wird. Der Name: Swatch. Ein ähnliches Projekt plant Hayek auch im Autobereich und gründet die Firma Hayek Engineering AG. Der Schweizer wirbt unermüdlich für sein Mikro-Mobil, doch die großen Autofirmen winken ab: zu klein und wirtschaftlich zu riskant. Einzig VW zeigt sich interessiert und schließt 1991 einen Vertrag mit Hayek ab. Doch im Laufe des Jahres 1993 entstehen Konflikte mit dem neuen Vorsitzenden Piëch, die Zusammenarbeit wird beendet. Anfang 1994 kommt überraschend Mercedes-Benz ins Spiel.

Kleinstwagen aus Stuttgart
Was kaum bekannt ist: Schon 1972 befassen sich Mercedes-Ingenieure mit einem neuartigen Kompaktwagenkonzept für das Jahr 2000. Das Projektteam um Johann Tomforde sieht einen 2,50 Meter langen Zweisitzer vor. Doch vorerst scheitert die weitere Entwicklung an den hohen Mercedes-Sicherheitsanforderungen. Neue Bewegung in das Ganze kommt erst 1982: In diesem Jahr stellt Mercedes die Konzeptstudie Nahverkehrsfahrzeug, kurz NAFA, vor. Es entsteht ein fahrbereiter Prototyp, der 2,50 Meter lang ist und 1,50 Meter in der Höhe und der Breite misst. Doch trotz zweier vorangegangener Ölkrisen ist die Kundschaft noch nicht bereit für einen derart kleinen Mercedes. Dennoch wird am NAFA weitergearbeitet, 1988 bekommt es einen Elektromotor.

Zwei Entwicklungslinien
Auf der Basis des NAFA arbeiten zwei Teams an der Serienverwirklichung. Die Ergebnisse der einen Gruppe münden in den Vorläufern der A-Klasse, während die andere Gruppe an einem Zweisitzer mit Laderaum und Elektroantrieb forscht. Im Jahr 1994 werden zwei Studien namens MCC Eco-Sprinter und Eco-Speedster vorgestellt, die schon viele Eigenschaften des späteren Smart vorwegnehmen. Zur gleichen Zeit wird die Micro Compact Car AG (MCC) gegründet, an der Mercedes mit 51 Prozent beteiligt ist, Hayek mit 49 Prozent. Ende 1994 entscheidet der Daimler-Vorstand, dass der neue Wagen im lothringischen Hambach gebaut wird. Der Name Smart steht übrigens für ,Swatch Mercedes Art". Entwicklungschef für den neuen City-Flitzer wird Johann Tomforde.

Die Suche nach dem Antrieb
Konflikte gibt es schon bald zwischen Hayek und Mercedes hinsichtlich des Smart-Antriebs: Während Hayek einen Elektromotor favorisiert, sieht man bei Mercedes ein höheres Potenzial im Bereich von Benzin- und Dieselmotoren. Schon bald wird MCC komplett von Daimler-Benz übernommen. Nach der Präsentation einiger Showcars wird die Serienversion des Smart auf der Automobilmesse IAA 1997 in Frankfurt vorgestellt, wenige Wochen später läuft die Produktion an. Doch dann funkt ein Elch dazwischen, genauer gesagt, der missglückte Elchtest der Mercedes A-Klasse. Auch der Smart steht plötzlich in der öffentlichen Diskussion. Mercedes reagiert konsequent und verschiebt die Markteinführung um fast ein Jahr. Zugleich wird das Fahrzeug modifiziert: Die Höchstgeschwindigkeit wird auf 130 km/h begrenzt, der Schwerpunkt um 40 Millimeter abgesenkt, der Radstand um 13 Millimeter verlängert und die Spur an der Hinterachse stark verbreitert.

Markteinführung vor zehn Jahren
Nach dem Neustart im Juli 1998 halten sich die Kunden jedoch zurück. Ein Grund ist der hohe Grundpreis von 16.480 Mark für den Einstiegs-Smart mit 45 PS, aber auch der mäßige Fahrkomfort. Erst eine Preissenkung und weitere Varianten wie ein Diesel und ein Cabrio brechen das Eis. Zugleich wird der Smart in Städten wie Paris und Rom zum trendigen City-Flitzer. Im Jahr 2003 folgt die Erweiterung der Modellfamilie mit dem Roadster und Roadster-Coupé. 2004 folgt ein Viertürer namens Smart Forfour, der den Motor vorne unter der Haube trägt. Er ist baugleich mit dem Mitsubishi Colt, beide Modelle werden in einem gemeinsamen Werk in den Niederlanden gebaut. Sogar ein kompaktes SUV mit der Bezeichnung Formore steht kurz vor der Serienreife, wird dann aber aus Kostengründen gekippt. Durch die ständige Entwicklung neuer Modelle hat Smart bis dato keinen Gewinn abgeworfen. Es folgt der Politikwechsel: Weg von einer möglichst breiten Modellpalette hin zur Konzentration auf den mittlerweile Fortwo genannten Ur-Smart und dessen Konzept. Als Resultat wird der Forfour 2006 nach knapp 100.000 Stück eingestellt, schon ein Jahr zuvor hatte die Roadster-Typen dieses Schicksal ereilt.

Ein neuer Smart Fortwo
Einzig der kleinste Smart bekommt 2007 einen Nachfolger, an dem freilich das Schicksal der gesamten Marke hängt. Die zweite Generation ist um 20 Zentimeter auf jetzt 2,70 Meter gewachsen. Der Längenzuwachs sorgt für mehr Platz und Komfort und erhöht zugleich die Sicherheit. Verringert wurde auch das berüchtigte Schaltruckeln des automatisierten Getriebes. Der Neue wird zum vollen Erfolg: Bis heute wurden bereits 150.000 Fortwo der zweiten Generation verkauft. Dazu zählen auch 11.400 Fahrzeuge in den USA, die seit dem dortigen Verkaufsstart im Januar 2008 abgesetzt werden konnten, Tendenz steigend. Die Expansion geht weiter: Ab Mitte 2009 wird der Smart auch in China erhältlich sein. Nachdem die Marke in London bereits Fahrzeuge mit Elektroantrieb getestet hat, soll im Jahr 2010 ein Strom-Smart der aktuellen Generation in Serie kommen. Damit schließt sich der Kreis zu den Ursprüngen des kleinen Autos. Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche ist jedenfalls überzeugt: ,Wenn wir ihn nicht vor zehn Jahren erfunden hätten, müssten wir ihn heute erfinden."

Bildergalerie: Zehn Jahre Smart Fortwo