1959 begann eine Geschichte, die noch lange fortgeschrieben werden soll

Alles fing auf einer Serviette an: Auf solch einem Papierstück soll Alec Issigonis die ersten Entwürfe für den Mini angefertigt haben – der Legende nach auf einer Hotelterrasse irgendwo an der Côte d`Azur. Wir haben uns anlässlich des 50. Geburtstages des Kultautos an der französischen Mittelmeerküste auf Spurensuche begeben.

Ein Konstrukteur und eine Mammutaufgabe
In den Jahren 1956/1957 wurden die Autohersteller im Zuge der Suez-Krise und der Benzin-Rationierung dazu gezwungen, verstärkt auf sparsame Fahrzeuge zu setzen. Leonhard Lord, Chef der British Motor Company (BMC), einem Zusammenschluss der Austin Motor Company und der Morris Motor Company, forderte daher von seinem Konstrukteur Issigonis ein Konzept für ein Auto mit viel Raum bei möglichst geringen Ausmaßen. Außerdem sollte es Platz für vier Insassen, tadellose Fahreigenschaften und einen günstigen Verbrauch bieten.

Weltpremiere 1959
Was noch heute eine Mammutaufgabe für jeden Ingenieur wäre, schaffte der Brite mit griechischen Vorfahren innerhalb kürzester Zeit. Und so feierte am 26. August 1959 ein neuer Kleinwagen seine Weltpremiere: 3,05 Meter lang, 1,41 Meter breit und rund 600 Kilogramm schwer. Verkauft wurde er zunächst unter den Namen Austin Seven und Morris Mini Minor. Ab 1962 hieß das Auto dann schließlich Austin Mini.

Erfolge im Rallye-Sport
Rauno Aaltonen gibt alles: Mit Vollgas fährt er die Passstraßen des Col de Turini hoch, bremst vor der nächsten Serpentine nicht ab, sondern schaltet nur in den zweiten Gang, um den roten Cooper S dann mit angezogener Handbremse perfekt um die Kurve zu ziehen. So war es in den 60er-Jahren und so ist es auch heute noch, wie wir als Beifahrer des finnischen Rennfahrers feststellen können. 1963 gewann Aaltonen mit dem Mini die Klassenwertung der berühmten Rallye Monte Carlo und belegte im Gesamtklassement Rang drei. Schon damals ging es über den Col de Turini. 46 Jahre später dürfen wir dem ,Rallye-Professor" auf derselben Strecke bei der Arbeit zuschauen. Aaltonen ist mittlerweile 71. Der Mini, in dem wir unterwegs sind, hat 41 Jahre auf dem Buckel – beiden merkt man es nicht an. Der Cooper S mit 90 PS entspricht fast genau dem Modell, mit dem Aaltonen 1963 unterwegs war. Dieser erklärt uns während der Fahrt ganz entspannt, was er wann und warum tut – da heizen wir über eine Bodenwelle und fliegen über den Asphalt.

Start mit 34 PS
Auf aus heutiger Sicht sehr bescheidene 848 Kubikzentimeter Hubraum und 34 PS brachte es der Ur-Mini vor 50 Jahren. Die ursprünglich vorgesehenen 100 ccm und drei Pferdestärken mehr waren den Entwicklern zu viel – denn die damit erreichten knapp 150 km/h erschienen ihnen als eindeutig zu schnell. 496 Pfund mussten die Käufer auf der britischen Insel damals für den Kleinwagen bezahlen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, BMC hätte mit diesem Preis eigentlich kein Geld verdienen können. Obwohl er alles andere als luxuriös oder bequem war und es anfangs sogar ins Fahrzeuginnere regnete, entwickelte sich der Mini binnen kurzer Zeit zum Verkaufsschlager. 1962 wurde bereits die Jahresproduktion von 200.000 Einheiten überschritten. Und weil viele Stars und Berühmtheiten wie die Beatles, Peter Sellers oder Brigitte Bardot einen der kleinen Flitzer fuhren, erreichte der Wagen bald Kultstatus.

Sportversion John Cooper Works
Gegenwärtig bringt es der stärkste Mini auf 211 PS. Der Rennwagenkonstrukteur John Cooper hatte schon im Premierenjahr eine erste Sportversion auf die Straße gebracht. Noch heute tragen die stärkeren Motorisierungen deshalb den Beinamen Cooper, die Topvarianten der Marke ziert der Zusatz ,John Cooper Works". Und obwohl deren Sportfahrwerk relativ straff ausfällt, ist es im Vergleich zum Cooper S von 1968 trotzdem noch äußerst komfortabel.

Ende 2000, Neubeginn 2001
Im Jahr 2000 wurde dann nach rund 5,3 Millionen Fahrzeugen die Produktion des klassischen Mini eingestellt. Doch die Neuauflage stand schon parat. BMW hatte sich mit dem Kauf von Rover 1994 auch die Markenrechte von Mini gesichert. 2001 stellten die Bayern den modernisierten und deutlich größeren Mini vor. Die Entwicklungsarbeit findet seitdem in München statt, die Produktion ist auf der britischen Insel in Oxford verblieben. Ende 2006 folgte die zweite und momentan aktuelle Generation unter deutscher Führung. Neben der altbekannten Form des auf zwischenzeitlich 3,70 Meter angewachsenen Modells gibt es mittlerweile auch noch die Clubman getaufte Kombiversion sowie das Cabrio.

Weitere Ideen für die Zukunft
Doch die Geschichte des Mini soll damit noch lange nicht zu Ende sein. Chefdesigner Gert Hildebrand ist die Begeisterung förmlich anzumerken, wenn er über die Weiterentwicklung der Marke spricht. Die Herausforderung liegt darin, einerseits jeden Mini sofort als solchen erkennbar zu machen und gleichzeitig das Design fortzuentwickeln. 2010 kommt mit dem Crossover eine weitere Modellvariante. Das viertürige SUV mit Allradantrieb basiert auf der 2008 in Paris vorgestellten Studie. Auf der IAA vom 17. bis 27. September 2009 feiern zwei weitere Studien ihre Weltpremiere: Das in Leichtbauweise konzipierte zweisitzige Concept Coupé sowie der Concept Roadster mit flacher Windschutzscheibe und Stoffverdeck. Ob diese beiden Modelle in Serie gehen werden, wird auch von der Publikumsreaktion auf der Frankfurter Automesse abhängen. In der Erprobungsphase befindet sich momentan der Mini E. Das rein elektrisch betriebene Fahrzeug wird momentan unter anderem in Berlin und München erprobt und soll an die Bedürfnisse der Stadtbewohner angepasst werden. Es sieht momentan also danach aus, dass Mini in Zukunft noch weitere runde Geburtstage wird feiern können.

Bildergalerie: Happy Birthday, Mini!