Auf Wunsch gibt es im SLS Sound von Bang & Olufsen

Der intensive Geruch nach Kuh-Dung wird ständig vom Wind zu uns herübergetragen. Genauso muss es schon vor über 80 Jahren gewesen sein, als Peter Bang und Svend Olufsen hier ihre erste Fabrik bauten. Wir besuchen den dänischen Unterhaltungs-Elektronik-Spezialisten Bang & Olufsen im dänischen Struer. Die designverliebten Dänen bauen jetzt auf Wunsch auch eine Musikanlage in den Flügeltürer Mercedes SLS AMG ein. Was an Technik und Know-how dahinter steckt, wollen wir mit unserem Besuch bei B&O klären.

Was Exklusives für den Exklusiven
Der Mercedes SLS AMG zählt zu den aufregendsten Sportwagen, ist bereits jetzt, ein paar Wochen nach seinem Marktstart, auf dem besten Weg zur Stilikone. Der Wagen steht mit 177.310 Euro in der Liste – und das ist noch lange nicht das Ende der Preisspirale. Für 8.330 Euro gibt's ein schniekes Karbon-Interieur und die wie flüssiges Metall wirkende Farbe ,Alubeam" kommt für 11.900 Euro aufs Auto – Mercedes schwört, dass man als Hersteller bei dem kompliziert zu verarbeitenden Metallic-Ton noch draufzahlen würde. Etwas günstiger ist die Musikanlage von Bang & Olufsen: 7.021 Euro will man in Stuttgart dafür haben. Laut B&O würde eine Anlage, die in der gleichen Qualität die eigenen vier Wände beschallt, mindestens das Fünffache kosten. Also setzen wir uns in einen SLS AMG mit B&O-System und hören zu.

Sechs Monate Sound-Tuning
Richard Koch, Senior Manager bei B&O und für den Bereich Automotive zuständig, empfängt uns im SLS. ,Seit vier Jahren arbeiten wir an dem Projekt SLS, allein am Sound-Tuning haben wir sechs Monate gesessen." Genug der Worte, wir schließen die Augen und genießen klassische Musik. Tatsächlich: Wir fühlen uns, als säßen wir nur ein paar Meter von der Bühne entfernt. Jedes Instrument dringt kristallklar und natürlich in unser Ohr. Das nennt Bang & Olufsen ,Referenz-Sound". Jetzt rufen wir über das spezielle B&O-Menü die Surround-Funktion auf und wir sind mittendrin in einem Rock-Stück. Rechts, links, vorne, hinten – um uns herum tost die Musik, immer in feinster Qualität. Nichts wird verstärkt oder weggelassen, alles klingt so, wie der Künstler es wollte. Zum Schluss hat Koch noch einen Leckerbissen für uns parat: eine bombastische Quadraphonic-Aufnahme von Pink Floyds ,Money". Das Geldgeklimper und die Kassengeräusche des Jahres 1973 verteilen sich klar auf die vier Ecken der SLS-Kabine. Das klingt witzig und nostalgisch.

Was dahinter steckt
1.000 Watt, elf Lautsprecher, zehn Soundkanäle und alles akribisch aufeinander abgestimmt. Mittendrin sitzt ein digitaler Soundprozessor (DSP), der für die Klangsteuerung zuständig ist und eine Verstärkerleistung von 250 Watt liefert. Er sendet den Sound Richtung Fahrer, Beifahrer oder zentral in die Kabine und ermöglicht außerdem den High-end-Studioklang ,Referenz" oder einen raumgreifenden Surroundklang. In dem unscheinbaren Alu-Kasten wird wie verrückt gerechnet: Ein Blackfin-Mikrocontroller und ein Sharc-Gleitkomma-Prozessor ackern um die Wette. Laut Richard Koch ist die Einheit in Sachen Soundberechnung schneller als aktuelle Notebooks. Und sie muss schnell sein: Zum einen wird dem Gehirn der Anlage 15 Mal pro Sekunde die aktuelle Fahrzeug-Geschwindigkeit mitgeteilt, zum anderen findet über ein Mikrofon ständig eine Überwachung des Innenraum-Geräuschpegels statt. Dabei wird der Sound lautsprecherselektiv in Lautstärke und Frequenz so angepasst, dass immer ein optimaler Sound zu hören ist. Außengeräusche werden minimiert, aber das kernige Beschleunigungs-Grollen des handgearbeiteten 571-PS-Saugmotors bleibt klar erhalten. Sämtliche Regelungen verlaufen von den Passagieren vollkommen unbemerkt.

750 Watt ICEpower
Als Verstärker fungiert ein zirka drei Kilogramm leichter Design-Kasten: Der ICEpower leistet 750 Watt. ICE steht für Intelligent, Compact und Efficient und wird ,Eis" gesprochen. Das Gerät setzt 93 Prozent der zugeführten Energie in Leistung um, bei konventionellen Auto-Hi-Fi-Verstärkern können es schon mal 30 Prozent sein. Ein interner Kühlkreislauf hält den geschlossenen ICEpower auf Betriebstemperatur. Die Apparatur ist so gut, dass selbst Highend-Anlagenbauer Jeff Rowland diese in seinen Verstärkern einbaut. Der als Motor des SLS-B&O-Soundsystems fungierende ICEpower arbeitet eng mit dem oben erwähnten Soundprozessor zusammen.

Neodym-Speaker
Beim Einsatz in einem Fahrzeug, zudem in einem Supersportwagen, geht es auch ums Gewicht. So sollten die B&O-Komponenten möglichst wenig wiegen. Also kommen zum vergleichsweise leichten ICEpower auch noch leichte Lautsprecher. Der Trick: Als Magnet-Material setzt B&O Neodym ein. Neodym-Magnete sind wesentlich kleiner und leistungsfähiger als herkömmliche Magnete. Als Haltestruktur kommt bei den Lautsprechern lasergesinterter Kunststoff zum Einsatz. Hier die Lautsprecher des SLS mit Bang-&-Olufsen-Soundsystem im Überblick: zwei beleuchtete Linsen-Hochtöner auf dem Armaturenbrett, 19 Millimeter Durchmesser, 5.000 bis 20.000 Hertz; ein zentraler Mitteltöner in der Instrumententafel, 90 Millimeter, 300 bis 10.000 Hertz; zwei Mitteltöner für die Türinnen-Verkleidungen, 100 Millimeter, 300 bis 5.000 Hertz; zwei Surround-Lautsprecher in den B-Säulen, 80 Millimeter, 300 bis 10.000 Hertz, zwei Tieftöner im Fußraum, 165 Millimeter, 65 bis 300 Hertz und zwei Subwoofer rechts und links in der Hutablage, 165 Millimeter, 30 bis 65 Hertz.

Einbau-Kniffe
Um die Sound-Komponenten im SLS unterzubringen, mussten die Ingenieure einiges beachten. So war das Unterbringen der Surround-Lautsprecher in den B-Säulen diffizil, da dort auch die Seiten-Airbags sitzen. Außerdem ist Bang & Olufsen bekannt dafür, als Oberflächenmaterial Aluminium zu verwenden. Da sich Aluminium bei Temperaturschwankungen aber wesentlich weniger dehnt oder zusammenzieht als mancher Kunststoff, mussten auch hier Lösungen gefunden werden. Schließlich könnten sonst Plastik-Druckknöpfe, die in einem Aluminium-Rahmen sitzen, von selbigem blockiert werden. In diesem Fall wurden ausreichende Spaltmaße konzipiert.

Selbstbewusst bei Alu-Verarbeitung
Nicht alle Komponenten stellt B&O am dänischen Standort selbst her. So werden die Lautsprecher zwar von Bang-&-Olufsen-Ingenieuren entwickelt, dann aber nach B&O-Maßgaben von Zulieferern gefertigt. Worin die Dänen ganz groß sind: Aluminium-Bearbeitung. Viele der ans schlichte Bauhaus-Design angelehnten B&O-Komponenten fallen durch ihre Alu-Oberflächen auf. So werden in Struer jede Menge Aluminium-Teile eloxiert. Bei diesem Verfahren wird die natürliche Schutzschicht des Leichtmetalls in einem unter Spannung stehenden Bad verstärkt. B&O hält sich für die beste Aluminium-Verarbeitungsfirma der Welt. Momentan produziert man nicht nur für sich selbst: Auch die Einstiegsleiste des BMW X3 oder der iDrive-Wahlknopf von BMW X5/X6 sowie BMW-Alu-Schaltpaddles kommen vom Soundspezialisten. So gibt es B&O nicht nur in Modellen von Aston Martin, Audi und im Mercedes SLS AMG, sondern auch in bayerischen Fahrzeugen. Zum Schluss noch ein kleines Rechenbeispiel für dänische Kunden: Da dort bei einem Autokauf 180 Prozent Luxussteuer zu berappen sind, würde ein Mercedes SLS AMG inklusive B&O-Soundanlage, ausgehend vom deutschen Nettopreis, 433.720 Euro kosten – die 184.331 Euro (177.310 plus 7.021 Euro) in Deutschland sind also geradezu günstig.

Kristallklar im SLS AMG